03.11.2011

31.10.2011 Feuerland & Ushuaia / Argentinien

Nur 60 km entfernt gen Süden lag die Chilenische Grenze, die wir „kurzfristig“ überqueren mussten. Ein Teil von Feuerland gehört zu Chile, der andere zu Argentinien.
Feuerland (spanisch Tierra del Fuego, ins Deutsche übersetzt „Land des Feuers“) ist eine Inselgruppe an der Südspitze Südamerikas. Vom Festland ist Feuerland durch die Magellan-strasse getrennt. Die Inselgruppe hat eine Landfläche von 73.746 km², davon die Hauptinsel Isla Grande de Tierra del Fuego 47.000 km² und rund 251.000 Einwohner (Stand: 2006). Im östlichen, argentinischen Teil leben etwa 130.000 Menschen, im westlichen, chilenischen Teil etwa 7.000 Menschen. Feuerland wurde 1881 durch den Meridian 68° 36′ westlicher Länge in einen östlichen Teil für Argentinien (heute die Provinz Tierra del Fuego) und einen westlichen Teil für Chile (heute die Magallanes) aufgeteilt.
http://de.wikipedia.org/wiki/Feuerland

Um nach Ushuaia zu kommen, mussten wir also heute aus Argentinien raus, in Chile ein und dann wieder in Argentinien einreisen. Eine „Toleranzzone“ wie zwischen Paraguay und Brasilien gibt es bei den beiden befeindeten Ländern nicht. Die Chilenen mögen angeblich sowieso keinen ihrer Nachbarn. Bolivien nicht, weil sie ihnen den Zugang zu Meer weggenommen haben, Argentinien nicht, da sie im Falklandkrieg den Engändern geholfen haben, Peru auch nicht. Irgendwas ist halt immer.

An der Grenzstation bekamen wir einen „Laufzettel“. 6 Stationen mussten wir abgrasen…Argentinische Migration, argentinischer Zoll…dann auf zum chilenischen Migrationsschalter und weiter zum Zoll. So, das hätten wir. Nun kam nur noch die Lebensmittelkontrolle. Frische Nahrungsmittel durften auch hier nicht eingeführt werden. Glücklicherweise haben wir davon gewusst und waren davor nicht einkaufen…
Mit Hund durchsuchte man unser Auto…unseren Köder „angebrochene Butter und Käse“ übersah man grosszügig, suchte aber weiter. 1 Stunde zerpflückte ein junger Mann unser Auto, liess uns sogar die PVC Säcke vom Dach hieven und sie durch so einen Durchleuchtungsapparat schieben…Er fand nix. Noch nicht mal unser frisch gebackenes Brot, welches sich „doppelt betuppert“ in der Dreckwäsche befand.
Zum vierten Mal innerhalb der letzten 6 Montage bestiegen wir ein Schiff. In dem Fall war es mal wieder eine Fähre. Die Fähre brachte uns innerhalb von 20 Minuten durch die Magellanstrasse nach „Tierra del Fuego = Feuerland.“ 123 km später checkten wir an der Grenzstation „San Sebastian“ wieder in Argentinien ein. Die Landschaft auf Feuerland war irgendwie…? Genau gleich. Während wir so dahin fuhren, überlegten wir, wie wir uns das hier so vorgestellt hatten…

Nach 400 anstrengenden Tageskilometern landeten wir in der Grossstadt Rio Grande. Hier verirren sich nur Angler, Geschäftsleute oder Reisende auf dem Weg nach Ushuaia die noch mal einkaufen und tanken wollen. Schön war es hier nämlich nicht wirklich.
Wir hingegen wollten wir übernachten. Der örtliche Campingplatz war geschlossen oder runtergekommen. Ein Hotel musste her. Aber nicht sehr einfach, da auch dieser Ort sehr beliebt war…Nach über 2 Stunden Suche fanden wir über eine Empfehlung eines etwas ausserhalb. Eine weitere Empfehlung brachte uns zu trockenem Fleisch, stinkendem Fisch und verkochtem Gemüse. Die Stadt konnte nicht mehr punkten. Die hatten wir gefressen.

Weiter ging es nach einem Supermarktbesuch bei Sonnenschein und auch tatsächlich „Wärme“. Auf die Frage, wie die Wetterprognose für die kommenden Tage ist, entgegnete ein Einheimischer lachend: „Hier ist nichts sicher, gerne auch mal alle vier Jahreszeiten an einem Tag“…also war das kein Gerücht.

Die Landschaft war erst flach und eintönig, doch kurz vor dem Örtchen „Tolhuin“ in welchem es die sehr angesagte Bäckerei la Union gibt, änderte sich die Natur auf Knopfdruck.
Bäume, ja ganze Wälder, Hügel und Seen. Das war irgendwie schon „feuerländischer“…
Gegen Mittag des 1. Novembers erreichten wir nach genau 6 Monaten Reise die „südlichste Stadt der Welt!“

Ushuaia ist die südlichste Stadt Argentiniens und liegt am Beagle-Kanal. Die Stadt ist aber mit 54° 48' südlicher Breite weiter vom Südpol entfernt als etwa Moskau mit 55° 44' nördlicher Breite vom Nordpol. Das Wort "Ushuaia" kommt aus der Sprache der Ureinwohner Yámana und bedeutet
Alte Bekannte
Aber war es das, was wir uns unter „FIN DEL MUNDO – Ende der Welt“ vorgestellt hatten?

An unserem ersten Tag erlebten wir die 4 Jahreszeiten tatsächlich innerhalb von 2 Stunden und aßen endlich ein "Buenos Aires-typisches" Steak, welches wir nur Dank der Empfehlung von Jessica aus HH fanden.

Nicht schlecht hier so am Ende der Welt…und meistens mit strahlendem Sonnenschein!


***Fortsetzung folgt***

30.10.2011 Monumento Natural Bosque Petrificados / Argentinien

“Versteinerte Bäume””…das klang spannend und sie lagen (fast) auf unserem Weg. Die Schotterstrasse RP 49 zweigt von der Ruta 3 ab und führt 50 km schnurstracks durch die Landschaft, in welcher keine Besiedlung am Wegesrand war. Irgendwo kilometerweise entfernt lagen ein paar Estancias.
3,5 Stunden lagen nach der Abfahrt in Puerto Deseado hinter uns. Der einzige Campingplatz 20 km vor dem Park schien geschlossen und traf sowieso nicht unseren Geschmack. Daher war es mal wieder Zeit, eine Lord Höördie Action zu starten. Da freies campen strengstens verboten war, was Hinweisschilder preisgaben, bugsierte Captain-Clemens unseren Hauptakteuer über Stock und Stein und wieder Stock und Stein und Strauch und Staub und dann hatten wir den perfekten Standplatz, im Windschatten, der sich in den vom Sonnenuntergang gefärbten Felsen befand. Landschaftlich hätte es auch Bolivien sein können.
Die Nacht war irgendwie unwirklich, besser gesagt mucksmäuschenstill. Dieser Zustand erinnerte uns an die Nächte auf dem Salar de Uyuni in Bolivien. Kein Vogel, kein Hund und kein Wind zu hören. Abgefahrenes Gefühl.

Nur das Tippeln eines Tieres um unser Auto (vermutlich Reinecke Fuchs) vernahmen wir in dieser Nacht.

Frisch – fromm – fröhlich – frei traten wir am nächsten Morgen zur Baumkunde an.
Thema: „versteinert“.
Vor etwa 150 Millionen Jahren bedeckte Vulkanasche hier einen Wald und erstickte alles Lebendige. Später sickerte dann Mineralreiches Wasser durch das Geröll und durch Osmose gelangten die Minerale in die Pflanzen und bildeten diese Zelle für Zelle nach. Bei den versteinerten Bäumen erkennt man die Jahresringe und Astlöcher. Der längste Baumstamm misst 36 m.
Auch mal interessant. So manche Dinge hat man einfach nicht auf dem Schirm. Was es nicht alles gibt…und die Landschaft sah hier wieder völlig anders aus, als die letzten paar Hundert Kilometer…
Weiter gen Süden liessen wir San Julian links liegen, die Landschaft wurde wieder flacher und wir bogen abends, völlig abgekämpft nach 600 gefahrenen Kilometern in die Stadt Río Gallegos zum Boxenstopp ein.
Von hier waren es nur noch 600 km bis an das Ende der Welt…und auch hier warnte man uns vor den patagonischen Winden.

02.11.2011

27.10.2011 Puerto Deseado / Argentinien

Bei Sonnenschein und 20 Grad düsten die Ruta 3 entlang und liessen den Atlantik links von uns liegen. Nach dem Ort Fitz Roy wechselten wir auf die nicht geteerte Strasse RP 281, die uns nach 126 km in das beschauliche Örtchen „Puerto Deseado“ brachte.

In der beschaulichen 12.000 Einwohner Hafenstadt fand Magellan 1520 schon Zuflucht, nach einem Sturm. Direkt am Ortseingang liegt das „RESERVA NATURAL RÍA DESEADO“, welches nicht nur wunderschön am Mündungstrichter des Flusses gelegen ist, sondern auch zu den wichtigsten Meeresschutzgebieten Patagoniens gehört.

Puerto Deseado (gegründet als Port Desire) ist die Hauptstadt des Departamento Deseado in der argentinischen Provinz Santa Cruz in Patagonien. Sie hat etwa 10.000 Einwohner, liegt an der Mündung des Río Deseado in den Atlantischen Ozean und verfügt über einen Fischereihafen.
Die Stadt wurde von Thomas Cavendish im Jahre 1586 gegründet und nach dessen Schiff Port Desire benannt. Später verbreitete sich die spanische Übersetzung und wurde schließlich zum offiziellen Namen

http://de.wikipedia.org/wiki/Puerto_Deseado
25 Kilometer entfernt lag aber der eigentliche Grund für unseren Abstecher hierher: Die „Isla Pingüinos.“ Denn hier gab es nicht nur Magellan-Pinguine, Vögel aller Art und Seelöwen, nein es gab etwas noch tolleres: den „Rockhopper “ oder „Felsenpinguin“…es war die nördlichste Stelle ihn zu treffen.
Der Ort war nicht überlaufen, trotz Sonnenschein windete es, dass wir einen Campingplatz aufsuchten und nicht wie angedacht in Parque Ría Deseado zwischen den Felsen am blauen Wasser campierten. Auch hier war der Camping Municipal unschlagbar sauber und günstig und wir mal wieder alleine dort.
Völlig naiv dachten wir, dass man täglich eine Tour auf die Insel machen kann. War aber nicht so um diese Jahreszeit. Dennoch hatten wir Glück, da am Tag darauf eine Gruppe von 25 Biologiestudenten aus Ushuaia die Tour gebucht haben. Somit wäre die Mindetsteilnehmerzahl von 8 gegeben…und das Wetter spielte hoffentlich auch mit.

Die Wartezeit auf die Rockhoppers vertrieben wir uns mit der Erkundung des Parque Ría Deseado.
Danach ging es zum Cabo Blancos. Es lag 80 km entfernt an der Küste gelegen und versprühte den Charme von einem Rosamunde Pilcher Film in Cornwall …es war beeindruckend, wie die Wellen an dem Felsen zerschellten, auf dem der Leuchtturm thronte.
Balkon vom Leuchtturmwärter
Am nächsten Morgen standen wir um 8:00 bei DARVIN Expeditions auf der Matte und man teilte uns mit, dass heute unser Glückstag sei. Die Studenten hatten abgesagt und somit waren wir nur 6 Passagiere. Zudem war es recht windstill und die Sonne strahlte mit uns um die Wette.
Zwei argentinische Damen, zwei englische „Traveller“ und wir sollten den Tag auf der Insel mit zwei Guides und den Tieren verbringen. Auf der 1 stündigen Schnellbootfahrt erfuhren wir, dass die Engländer, Angi &und Phil seit 5 Jahren unterwegs waren und das es der Phil war, dessen Homepage wir schon kannten, da diese mit nützlichen Infos versehen war und wir ab und zu nach Nützlichem schauten. Lustig, man trifft sie alle irgendwann.

Die Isla Pingüinos erreichten nachdem wir die vorgelagerte See-Löweninsel genauer betrachtet haben. Die Tiere sind ja wirklich umwerfend niedlich. Aber sie stinken auch wirklich umwerfend. Unbeschreiblich.
Schon am Strand begrüssten uns die ersten Magellanpinguine. Diese waren allerdings scheuer, sie sahen auch weniger Menschen, als in der Punta Tombo und am Cabo dos Bahias. Hier brüteten ebenfalls viele Tiere. Die Vogelwelt war ebenfalls sehr gut vertreten und wir marschierten über die Insel. Wunderschön mal wieder. Unsere Guides erklärten die Flora und Fauna und die Geschichte der Insel und des Leuchtturms.
Vor einigen Hundert Jahren haben die Spanier die dort lebenden Seehunde (30.000 Stk/Jahr) abgeschlachtet und dessen Öl für die Strassenbeleuchtung in Spanien eingesetzt.
Und nach einem Hügel waren sie dann endlich da. Sie waren nicht scheu. Sie wichen nicht zur Seite. Sie blieben wo sie sind und sie waren einfach cool. Völlig fasziniert sahen sie uns und wir sie an. Die Damen brüteten noch nicht. In einer riesigen Traube standen sie zusammen. Manchmal Paarweise. Viele waren auf der Suche nach Ihrer/m Mann/Frau.
Die Männer kommen früher zum Brutplatz auf die Insel um alles „vorzubereiten“…wenn alles hübsch gemacht ist, reisen die Damen an. Dann müssen sie die passenden Pärchen nur noch finden. Daher schreien alle durcheinander. Pinguine leben (angeblich) ihr Leben (bis 30 Jahre) monogam. Wenn sich die Paare gefunden haben, geht Mutter dann in ihr Nest zum Brüten und Vaddern kümmert sich um die Nahrung. Bis zu 600 Kilometer düst, schwimmt er durch die Gegend. Teilweise kommen sie so überfressen zurück, dass sie nicht mehr laufen konnten. Wir beobachten zwei, die aus dem Meer kamen und immer nach vorne umkippten und nur noch auf dem Bauch weiterrobbten. Schön, dass es den Pinguinen nicht anders ist…
Seelöwen sahen wir natürlich auch. Inmitten der Gruppe lag eine See-Elefanten Dame.
Gegen Mittag machten wir uns auf den Rückweg und erreichten den Hafen erst, nachdem uns 7 Commerson Delphine begleitet hatten, sie sprangen um unser Boot. Sie sind angeblich die kleinsten Delphine der Welt. Dafür aber auch die coolsten. So fanden wir. Sie waren nur so schnell, dass das Bild Material eher bescheiden ist.
http://de.wikipedia.org/wiki/Commerson-Delfin

Dieses Erlebnis setzte dem Ausflug nach Puerto Deseado und Capo Blanco im Gesamtkonzept die Krone auf und natürlich gab es auch hier die Bestnote.
Die Rockhoppers tauften wir „Strähnchen-Rockstar-Pinguin“.