Freunde und Familienmitglieder kamen an den Terminal, um uns zu verabschieden.
Da das Schiff schon seit dem Wochenende in Hamburg stand, gingen wir davon aus, dass wir gegen Mittag, wenn wir, die Passagiere an Bord sind, aufbrechen würden.
Die Info im Hafen zum Thema Abfahrtszeit lautete ca. 23:30. Für die Abschied nehmenden und winkenden Arme sowie angereisten Hannoveraner keine wirklich gute Zeit und eine Hafenausfahrt aus Hamburg im Stockfinsteren ist auch eher "uncool."
Am Terminal trafen Volker (72) und Klaus (75) nach uns ein. Zwei Herren im besten Alter, die auch mit die Frachtschiffreise antreten würden...Volker hatte diese schon zwei mal gemacht, daher ein alter Hase.
Per Shuttlebus wurden wir mit dem Nötigsten, also unserem Kabinengepäck auf das Schiff bugsiert. Dabei stellte sich uns die Frage: WAS ist denn wirklich das Wichtigste? Klamotten, Unterhaltungsprogramm, Wein?
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| ...irgendwie doch viel Kram... |
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Auf geht es! Alles TOP!
Bilder by Sibylle Gensing |
Wir entschieden uns für die ersten 7 Reisetaschen sowie die notwendigen Erfrischungsgetränke und landeten an der Zufahrt des Schiffes. Eher eine Lagerhalle. Autos, aller Art fuhren ein und aus. Nigelnagelneue Audis, BMW´s, Mercedes etc. fuhren stundenlang von Parkplätzen auf dem Hafengelände auf die Rampe hoch / runter, verschwanden dann im Inneren des Schiffes…
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| Rampe / Zufahrt |
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| Deck 3 - fast leer |
Eckdaten:
Länge über Alles: 213,88 m)
Breite auf Spanten: 32,25 m
Leistung effektiv: 18.280 kW
Geschwindigkeit: 21,0 kn
Tiefgang: 9,70 m
Passagiere: 12 Personen / Kabinenplätze: 12 Betten
Besatzung: 34 Personen
Ladekapazität: 4.650 PKW
3.300 Trailer
700 TEU Container
Auf Deck 3 wurden wir sehr freundlich begrüßt. Der erste Offizier Dejan, der weder Italienisch noch Indisch aussah und klang, auf was wir uns eigentlich eingestellt hatten, nahm uns in Empfang. Unsere Personalien wurden aufgenommen. Reise-und Impfpässe eingezogen und dann verschlang uns das Schiff. Angekommen per Fahrstuhl auf Deck 12 wurden wir über einen Flur in unsere Kabine gebracht.
Glücklicherweise hatten wir bei der Buchung erst eine Außenkabine, später dann doch die „Eignerkabine“ gebucht. Diese unterschied sich darin, dass es zwei Zimmer/chen gab, und auch somit zwei Fenster / Bullaugen. Das war zwar etwas teuer, doch etwas „Auslauf“ erschien uns doch sinnvoll. Die Einrichtung war zweckmäßig bis spartanisch, aber ok. 34 Tage wären ja schnell gemacht…
Im Wohnraum gab es einen Schreibtisch, ein Sofa, Sessel, Tisch, Regale, Schränke und einen großen Kühlschrank. Im Schlafzimmer ein Doppelbett, Schränke, Kommode und einen TV ohne Funktion.
Wir waren bereits durch Reiseberichte vorbereitet und hatten sicherheitshalber etwas Putzzeug dabei, da die "Italienische Dusche" bekanntlich nicht die reinlichste ist. Wenn sich das auch auf das Putzen zurückverfolgen ließ, musste also für die Deutsch-Österreichische Reinlichkeit nachgebessert werden…somit schwangen wir später noch Sagrotan.
Das Bad, im Innenraum, war der Innbegriff einer Nasszelle. Nun wissen wir wirklich, woher der Begriff kommt.
In unmittelbarer Umgebung unseres Zimmers hatten wir den Capitain/Master/Commandante/Capitano, sowie den ersten und zweiten Offizier/Sicherheitschef.
Wir fühlten uns irgendwie wie auf einer Klassenfahrt neben dem/den Lehrerzimmern...also irgendwie auch "uncool." Aber im Falle eines Falles, waren wir vermutlich relativ sicher…ausgewogene Partys könnten wir allerdings in unserer Kabine nicht feiern.
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| Der "Salon" |
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| "Unser" Masterbedroom |
Nach einem "Ciao" in die Runde, Besichtigung der "Speisesituation" und vor allem in die Küche bei ANTOOOOOOOOOOOOOOOOONIO machten wir uns per Shuttle wieder auf den Weg zum Terminal.
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| Speiseraum / Casino |
Dejan teilte uns mit, dass wir unsere Autos direkt verladen sollten. Das hatte den Vorteil, dass wenn wir um 18:00 (! neue Zeit) den Hafen verließen und wir schon das Fahrzeug geparkt hatten, das Auto bis Buenos Aires nicht mehr bewegen müssten. Bei manchen Überfahrten mussten die Passagier-Fahrzeuge stets ganz vorne an der Rampe stehen und das Auto in jedem Hafen von Board fahren…und abends wieder rein. Wir nicht. Glück gehabt!
So fuhren wir in "Kolone" mit Volker und Klaus unseren Lord Höördie auf Etage 6.
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| Volker`s umgebauter Toyota |
Im Anschluss liessen wir uns wieder zum Terminal fahren um endlich in Ruhe mit Kristina`s Eltern etwas essen zu gehen, denn sie standen seit 9:30 vor dem Terminal und verfolgten das Geschehen und stellten sich dem eisigen Wind im Hafen. Gegen 15:30 setzten sie uns wieder uns vor dem Terminal ab, denn um 16:00 sollten wir auf dem Schiff sein. Der Weg und die Sicht zum Schiff waren leider nur uns bestimmt. So mussten wir die beiden leider vor dem Eingang verabschieden.
Arme hoch und Abfahrt...mit einem lachenden und einem weinenden Auge fuhren wir durch den Hafen auf unser Schiff hinzu. Es war soweit: Wir traten den Weg an, zu unserer Reise, in die neue Welt.
Nun waren wir an Bord, richteten unsere Kabine ein und putzten, kühlten wir unsere "eisernen" Reserven.
Wir lasen im Vorfeld, dass die Passagiere zum Essen stets "a Glaserl Wein" bekommen sollten, doch man wusste ja nie und vorallem WAS... Schilder auf den Gängen besagten, dass für die Crew ein striktes Drogen- und Alkoholverbot von Schiffseigentümer ausgesprochen wurde. „You have been warned!“
Abendessen gab es um Punkt 18:00. Von Wein war nichts zu sehen, obwohl wir so einen kleinen für den Kreislauf vertragen hätten...so tranken wir halt Wasser und italienische Fanta.
Nach dem "Vier Gänge" - Menü bekamen wir eine (Kurz-)Einweisung vom Sicherheitschef NAZIR. Wann und wo wir auf die Brücke durften und wann nicht, was im Falle des Falles so zu tun war. Der richtige „Drill“ würde noch folgen.
Das spanische "mas o menos" übersetze man im italienischen bzw. der englischen Schiffssprache mit: "more or less", z.B. wurde es gerne bei Thema Abfahrtszeit mit eingebunden.
Wir bemerkten gegen kurz vor 20:00, dass sich etwas an Deck tat. Schnell alarmierte Kristina per SMS Wegposten im Hamburger Hafen, die sich zum Winken an der Elbe positioniert hatten.
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| Autos |
Die Ladeluke schloss sich. Ruhig ging es von statten. Kein Geschreie, kein Gewackel und somit machte sich die Grande San Paolo auf ihren Weg durch den Hamburger Freihafen. Relativ schnell passierten wir die Cap San Diego. Vor einigen Wochen standen wir noch davor und fanden sie schon mächtig. Als wir aber nun, eingemummelt, auf dem Deck standen und auf die Cap San Diego herunter sahen, wurde doch schnell klar, dass unser Schiff eine andere Dimension hatte...auch die AIDA Blue, die wir im Kreuzfahrtterminal liegen ließen, war "überschaulich" und die Passagiere am Sonnendeck winkten, uns vier Passagieren, freudig (- oder bemitleidend?) entgegen, bzw. zu uns hoch.
Da die Thermojacken noch gut verpackt waren, probten wir bereits jetzt " Prinzip Zwiebel", um auch nichts von der Ausfahrt zu verpassen.
Am Altonaer Kaispeicher, Kristina`s jahrelanger Arbeitsstätte, erklang Musik - "Junge komm bald wieder" und einige liebe, ehemalige Kollegen (Danke, Renki und Timo!!!) winkten vom Balkon.
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| Da sind wir :) |
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Musik in unseren Ohren!
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Diesen Schreck gerade verdaut, kam die nächste Wink- und Schreiattacke am Willkommens Höft. Zwar waren wir zu spät dran, sodass die Italienische Hymne nicht erklang, aber eine Italienische Flagge wurde gehisst und Kristina`s Studi. Kollegin Maike hüpfte und winkte.
Mit einem dicken Tränchen im Auge versuchten wir dennoch die Ausfahrt zu genießen.
Gegen 21:00 verkrochen wir uns in die "Kabine. Irgendwie unwirklich. Alles.
Wir wussten nicht, ob wir lachen oder weinen sollten.
Wir entschieden uns dann stattdessen für schlafen…denn der Tag war aufregend genug, das Wochenende davor wurde noch ausgiebig gefeiert, die Wochen und Monate davor waren anstrengend…
Erschöpft wurden wir sanft in den Schlaf gebrummt, da lediglich das Summen der Motoren zu hören war. Kein Gewackel zu spüren. Hoffentlich würde das so bleiben. Wir schliefen, so gut wie lange nicht mehr, und vor allem fast durch. Bis um 7:00 der Wecker klingelte. Das erste Frühstück wollten wir nicht verpassen...