15.06.2011

2010 / 2011 Idee und Umsetzung - Hannover

Die Idee
Der Gedanke eine "Auszeit" zu nehmen, kam uns schon auf dem Rückflug unserer Flitterwochen in Panama, im September 2010. Das Land und die Lebensfreude, einfach das Leben dort - hatte uns fasziniert. Umso schockierender der alltägliche Trott, der uns sehr schnell wieder hatte.

So wie bis jetzt weitermachen? Wir brauchten einen neuen Plan….und zwar einen GUTEN!
Clemens kam eines Abends nach Hause und hatte DIE Idee.
Der gesellschaftlichen "Matrix" für ein Jahr entfliehen und einen anderen Kontinent erkunden, mal etwas ganz anderes machen. Danach würden wir sehen, zu welchen Erkenntnissen wir gekommen sind.

Der Lateinamerikanische Kontinent hat uns beide schon lange interessiert und fasziniert. Somit war der Ort des Geschehens ohne jegliche Diskussion gewählt.

Honeymoon Suite / San Blas / Panama

Ohne, dass wir Details, Routen etc. festlegten, stießen wir bei einer gut sortierten Käseplatte mit Rotwein auf das Kommende an. Der Mut und die Entscheidung standen an erster Stelle. Der Rest würde sich schon ergeben.

Die ersten Recherchen begannen, Familie und eine Handvoll Freunde wurden in unseren Plan, bzw. die Überlegung eingeweiht. Die einen glaubten, dass wir es nicht tun -, der andere befürchtete, dass wir es wirklich tun würden. Einige hielten uns für mutig, die anderen für verrückt.

Aber wir ließen uns nicht abbringen. Zwei Dickköpfe auf dem Weg, einen Traum zu verwirklichen.

Das Konzept
Clemens tägliche Pendelzeiten von Hannover nach Hamburg und Retoure wurden nun im Weltenbummlerforum im Internet verbracht. Abends saßen wir bis spät in die Nacht vor unseren Laptops machten uns schlau, bzw. noch schlauer.

Ende November eröffnete Clemens Kristina seine neueste Überlegung: Die Überfahrt nach Südamerika sollte mit einem Frachtschiff von statten gehen. Somit könnten wir ein Auto aus Deutschland mitnehmen und bereits bei der Anreise kommt etwas "Fernfahrer" bzw. "Matrosenstimmung" auf.

Ein Autos als D/Ösis in Südamerika zu kaufen, stellte sich nämlich als äußerst schwierig heraus.
Und ein Auto, welches in Kolumbien, Chile etc. steht über das Internet zu kaufen, ohne es vorher gesehen oder gefahren zu haben fanden wir doch spontan etwas kritisch. Man kauft eher ungern die Katze im Sack.

Dann doch lieber eine "gemütliche" Frachtschiffreise...über ca. 34 Tage, mit mehreren Stopps auf verschiedenen Kontinenten, unser Auto sicher an Bord ist und wir auf der Reise noch  entspannen, bzw. chillen könnten...bevor es dann im Auto über den neuen Kontinent ginge...

Eine Kreuzfahrt dorthin? Können wir auch noch später erledigen! Im Flieger in unser Abenteuer starten? Laaaaaaangweilig!

Es lebe der Rock`n Roll!...und wenn nicht jetzt - wann dann?

Anfang Dezember hatten wir eine Italienische Reederei gefunden, die Frachtschiffreisen nach Südamerika anbot. Auf der Internetseite stand geschrieben:
"BUCHEN SIE HEUTE IHRE FRACHTSCHIFFREISE FÜR 2012!"

2012? Hallo? Das war aber noch etwas sehr lange hin und passte nicht wirklich in unser Konzept.
Clemens wollte eigtl. schon Ende Januar 2011 aufbrechen...was uns dann aber doch etwas zu spontan erschien…obwohl es das perfekte Wetter für Südamerika wäre…

Wir nahmen Kontakt auf und erkundigten uns nach einem Schiff im "Frühjahr 2011".
Bis dahin hätten wir Zeit, alles vorzubereiten, zu kündigen, zu verkaufen, einzulagern etc.

Die Antwort kam prompt aus Italien, bzw. von einer Hamburger Agentur:
Am 20.April 2011 fährt die Grande San Paolo von Hamburg nach Buenos Aires/Argentinien.

Die Eckdaten passten. Somit wurde der Kahn gebucht. Von nun an tickte die Uhr...Allerdings erst mal gemütlich. Denn vor 2011 machten wir nicht viel...denn trotz sämtlichen Berichten, dass andere "Globetrotter" 1 Jahr für die Vorbereitungen benötigen, waren wir uns irgendwie sicher, dass es auch in einem viertel Jahr zu schaffen sein musste....so hofften wir.

 GRANDE SAN PAOLO

To do`s
Auto kaufen
Auto Umbauten, Anmeldung, Versicherungen etc.
Wohnung kündigen, Nachmieter finden
Jobs kündigen
Unsere Autos verkaufen
Hausrat/Hausstand verkaufen, bzw. einen Teil einlagern
Flohmarkteilnahmen
Versicherungen kündigen, ändern, neue zulegen etc.
Impfungen, Arztbesuche
Outdoor Dinge kaufen
Reisekonto/s einrichten
Grobe Reiseroute planen
Umzug organisieren
Lager für Einlagerung finden
Geld sparen
Abschied nehmen
usw. usw.

Die Umsetzung
Wir kündigten alles, was es zu kündigen gab und begaben uns so langsam auf Autosuche. Was war das richtige Auto für uns? Eine Antwort fanden wir nicht wirklich. Jeder sagte etwas anderes…und bis dato fuhren wir dann doch etwas andere Autos…

Das „ursprüngliche“ Konzept, täglich ein Hotel, Pension etc. anzusteuern, wurde überdacht. Ein Bett dabei zu haben und vor allem IM Auto zu haben, wurde uns doch ans Herz gelegt. So fanden wir nach recht kurzer Suche unser Auto: Einen Land Rover Defender. Mit kleinen Raffinessen bereits als "Camping-Ähnliches" Fahrzeug umgebaut. Sehr gut erhalten, gut in Schuss. Super cool dazu. Einen richtigen Camper oder umgebauten LKW fanden wir für unsere erstes Abenteuer dann doch etwas überrieben und sprengte auch unser Budget, ebenfalls fanden wir so ein großes Auto etwas zu „unsportlich“ , schließlich schwebten und Bilder/Orte vor, wo wir überall hin pesen wollten!

Somit holten wir am 21.01.2011 unsere neue "Bleibe" aus einem Hamburger Vorort ab.
Zu der feierlichen Taufe am Tag darauf waren unser lieber Freund Basti, Susanne und Karlheinz sowie zwei Heißluft Föns, in die Scheune von Familie Verfürth erschienen.

Pünktlich um 12:00 ließen wir die Korken knallen und Clemens taufte unser erstes Baby: LORD HÖÖRDIE

Davor befreiten wir „ihn“ von ca: 36 Jack Wolfskin - Tatzen - sowie Oma und Opa on Tour-Aufklebern und ließen „ihn“ erst mal atmen.

"Oma und Opa on Tour"
Clemens hatte das große Glück von seiner Firma bereits am 19. Februar freigestellt zu werden.
Kristina hatte das große Glück bis Ende März weiter arbeiten zu dürfen.

Somit mussten nun dringend einige Dinge angeschubst und organisiert werden. Clemens verbrachte seinen freien Tage damit, in Südamerika Versicherungen etc. abzuschließen, eine Spedition für Umzug und Einlagerung zu finden, Unterlagen für die Reederei zusammensuchen, Umbauten an Lord Höördie durchführen, Ersatzteile besorgen, Werkstattbesuche in Hamburg...langweilig war ihm also nicht.

Früh morgens besuchten wir Ärzte und Ämter, Abends philosophierten wir darüber, welche Strecke wir einschlagen wollten und welche Möbel, Klamotten, Hausstand verkauft, welche verschenkt und welche eingelagert werden sollten. Der Rest ging an zwei Wochenenden mit uns auf den Flohmarkt...

Flohmarkt - die Zweite
An den Wochenenden absolvierten wir "Drills/Trainings: GPS Kurs, Offroad-Training, Landy-Wartungskurs um in anstehenden Situationen, das Fahrzeug unter Kontrolle zu haben. Hoffentlich möge uns das gelingen, bzw. erst gar nicht so weit kommen.

Offroad Training



Schrauberlehrling
Clemens und Andi am rum-muckeln
Wir erfuhren Anfang April, dass unser Schiff 9 Tage Verspätung haben sollte. Damit hatten wir bereits nach unseren Recherchen gerechnet...aber nun waren wir ab dem 15.04. wohnungslos. Zu unserem Glück fanden wir bei Kristinas Eltern großzügigen Unterschlupf. Unsere restlichen Sachen, die wir nicht mitnehmen würden, hatten wir entweder verkauft oder von über 40m³ auf 13m³ reduziert und eingelagert. Bis zur Wohnungsübergabe, wohnten wir 3 Tage auf der LuMaTra...ohne alles, der Umzug war ja schon gelaufen...

Proben für den Ernstfall....

...der letzte Rest vom Schützenfest!
Endspurt
Bis Mitte April hatten wir (fast) alles erledigt. Was wir bis dahin nicht hatten, haben wir heute auch noch nicht. Es kam wie es kommen musste, das Schiff hatte abermals Verspätung angekündigt und war auf der Rückreise von Brasilien auf dem Weg nach Emden. Am 02.05.2011 sollte es dann aber wirklich in Hamburg losgehen. Ein paar Tage vorher hielten wir die Tickets in den Händen und erfuhren, dass wir am Montag zwischen 10:00 und 11:00 im Freihafen, Schuppen 48, sein sollten.

Nachdem sich Captain Carlos (alias Karlheinz Vefürth) in sämtliche Marineblogs und Netzwerke eingeloggt und eingeschlichen hatte, konnten wir sehen, wo das Schiff unterwegs war, wie schnell es fuhr, sowie den  nächsten Hafen…und dann legte es tatsächlich in Hamburg an...


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