21.01.2012

26.12.2011 Santiago / Chile

Die zwei Tage vor Abflug auf die Osterinsel haben wir von Santiago schon etwas „genascht“ aber so richtig konnten wir in zwei Tagen die Stadt nicht einordnen…Auch sagt jeder etwas anderes über die Hauptstadt mit ca. 6 Mio. Einwohnern. Kulturell kann sie mit Buenos Aires nicht mithalten und Lima ist wohl wesentlich kolonialer, aber wir machten uns unser eigenes Bild. Zudem hatten wir das große Glück, dass meine Eltern uns kurz vor Sylvester besuchen kamen. Danach sollte es gemeinsam (und Mietwagen) gen Norden gehen. Es war fabelhaft sie nach genau 8 Monaten zu sehen, sogar hatte der Deutsch-Österreichische Weihnachtsmann ein paar schöne Geschenke mitgeliefert. Es ist sehr schön, wenn man auch in/aus der Ferne bedacht wird. Herzlichen Dank an diejenigen.
We are family!
Schuhe putzen und Eis schlecken
Eis mit Bums
ältere Dame am Wegesrand
Das Wetter war brütend heiß, teilweise über 30 Grad. Glücklicherweise ging meist ein laues Lüftchen, was es recht angenehm machte. Die meisten Menschen befinden sich sowieso bei der Klimaanlage im Inneren der Häuser und Restaurants. Somit gab es draußen mehr Platz für uns. Im Übrigen scheint dieses angenehme Windchen um dieser Jahreszeit nicht normal. Sonst meistens nur brütend unter der extremen Smog-Glocke, die man im Inneren aber nicht wirklich spürt. Abends hingegen konnte man schon mal etwas Langärmliges gebrauchen.
Schon allein das Studieren des Stadtplans machte uns kirre. Eingebettet zwischen den Anden und der Küstenkordillere ist das „Konzept“ nicht sofort ersichtlich. Normalerweise haben wir uns nun an die simplen Blöcke alias Quadras / Blöcke gewöhnt. Hier war es anders. Irgendwie keilförmig. Man wohnt auch nicht im Centrum…auch nicht wenn man Gast in dieser Stadt ist. Es herrscht auch hier die Stadteilkultur, diverse Viertel die alle etwas anders sind. Kulturell, modern, edel oder ausgehwütig. Für alle scheint etwas dabei zu sein. Besonders nett ist es in Providencia, kleine muckelige und schicke Restaurants, viele Wohnhäuser sind vom Feinsten, breitere Bürgersteige. Noch etwas schicker geht es dann in Las Condes, dem Finanz-und Hotelviertel zu. Wolkenkratzer, top modern, Spitzenrestaurants und Geschäfte. Ein Stück weiter in Vitacura präsentieren sich Louis Vuitton, Hermes etc in superschicken Vorstadt Häusern mit hübschen Vorgärten. Könnte auch irgendwo in Hamburg sein.
top modern...

...und alt und grau
Begrünte Häuserfassaden sind in
Denkmal an der Plaza
Kathedrale
Ebenfalls gibt es diverse Einkaufs –bzw. Erlebniscentren. Sie gleichen den Malls der USA. Auch aßen wir hier unser bestes chilenisches Steak. Natürlich in einem argentinischen Grillrestaurant, wo denen es mehrere gibt. Obwohl man die Nachbarn nicht mag, isst man dann doch gerne deren Steaks.
Happening Buenos Aires
Je weiter am Hügel liegend, desto besser die Lage. So sagte man uns.
Von fast überall sieht man die Berge, die sich hinter den gewalteigen Hochhäusern immer wieder zeigen. Besonders hübsch bei Sonnenauf-oder Untergang.
Die Innenstadt ist typisch für diesen Kontinent. Laut, hektisch und dennoch ab und zu einen kleine Oase zum Entspannen. Diverse Grünflächen, die von vielen zur Siesta unter dem Baum genutzt werden, befinden sich in naher Umgebung. Auch hier in Santiago befinden sich leider eine Menge Strassenhunde.


Oase in der Stadt
Kapelle über den Dächern der Stadt


alt trifft neu
Mercado Central
Besonders bunt und laut geht wie üblich im „Mercado Central“ - der Markthalle zu. Ähnlich wie in Boliviens Hauptstadt Sucre ist alles brav separiert. Eine Obst/Gemüse/Blumenhalle, die bereits gewaltige Ausmasse hat sowie ein grandioses Angebot. Über die Strasse folgen dann die Fisch und Fleischhalle, neben Gewürzen, Trockenobst. Im „Nebenflügel“ dann Kunstwerk, Flohmarkt und Eisenwaren. Vermutlich gibt es alles. Man muss nur die Muße haben – und sich durchkämpfen, ab und zu durch den Mund atmen…In der Fischhalle ging ich (der „Fischliebhaber“) in FlipFlops durch Fischreste und Fischblut…einfach ein Erlebnis das Alles. Natürlich gibt es in diesen Hallen jede Menge kleine Büdchen wo man essen kann. Man muss ich aber „etwas“ locker dafür machen, wenn man genauer in die Küche etc. schaut. Schmecken tut es und preislich gesehen einfach unschlagbar.
In der Fischhalle gibt es natürlich auch etwas bessere „Restaurants“ wo die grossen Schalentiere und Weiteres auf den Tisch kommen. Hier schlemmten sich mein Vater und Clemens durch die Speisekarte.
Ab durch die Mitte
Fisch gibts!

Fast überall in Chile sind nur neue Autos unterwegs. Kaum Schrottkarren in Sicht. In Santiago fahren allerdings auch gerne mal ein Ferrari, Porsche oder die Limousine von SAMSUNG durch die Strassen.

Hierzu ist zu sagen, das (vermutlich) in fast Südamerika Ratenkauf IN ist…selbst im Supermarkt oder auf der Tankstelle wird man gefragt ob man direkt oder in 2-3 Raten zahlt…das gilt fast überall..
Wie fast jede Stadt hat die Hauptstadt auch einige Besonderheiten. Ein grandioser Ausblick auf die Berge und den „Cerro San Cristóbal“ und das Flair im Viertel Bellavista mit vielen Bars, Clubs und Restaurants und Geschäften. Hier werden von den Barbesitzern „Kabel / Bänder“ zur Befestigung von Handtaschen an den Stuhl verteilt, sodass die Taschendiebe keine Chance haben. Fanden wir klasse. Aufgepasst und mitgedacht!


Bellavista
Der/das Tischbett - falls jmd. bei Essen einschläft...

Unser Kennzeichen
Eine Besonderheit sind die „Kaffee mit Beinen“ = Café von Piernas. Eine bzw. mehrere Ketten, wo ausschließlich Damen mit knapper Bekleidung den Service bzw. Ausschank von Espresso und Café machen. Damen und Besucher sind nicht anrüchig, es scheint – laut Hörensagen - gut besucht und günstig zu sein. Es gibt primär Stehplätze an der Bar. Mitten in der Innenstadt sind diese Filialen zu finden. Frauen haben übrigens auch Zutritt.
Ein weiteres Highlight war der Aufenthalt in der Kneipe „Läusehöhle“ (La Piojera), welche im Centrum liegt. Sie schaut auf eine 90jährige Tradition zurück…es ist furchtbar laut und es riecht nach Wein und saurem Bier…und teilweise Schlimmeren. Spezialität ist hier „Chicha“ (süßer chilenischer Cidre) oder „Terremotto“ (Erdbeben) …was Wein mit Eiscreme ist. Klingt furchtbar – ist es auch. Der Dritte allerdings geht dann ganz gut. Andere Länder – andere Sitten. Sägemehl auf dem Boden saugt das Verkleckerte auf. Wir wurden hier sehr herzlich und freundlich empfangen und bedient. Auch hier wagte sich mein Vater mit Clemens an chilenische Köstlichkeiten…diesmal Schweinshaxe. Schon gegen Mittag unter der Woche war es brechend voll. Ein kommen und gehen. Taxifahrer, Geschäftsleute, Touristen etc. die sich fix auf ein Getränk treffen…und meistens ist es der „Terremotto“…
Café und Beine gibts drinnen


Terremotto und Chicha (vLnR)
Die Stadt ist wirklich sehr gegensätzlich, es gibt alles. Restaurants in allen Lagen und Klassen, Nachtleben für alle Geschmacksrichtungen, Galerien und Museen. Man kann sogar wählen zwischen dem Wochenende beim Skifahren oder doch lieber am Meer. Beide Programmpunkte sind in kurzer Distanz zu erreichen. Und vor der Stadt tummeln sich diverse Weingüter. Auch für jeden (Geldbeutel) etwas dabei.


Büdchen
Überall gelbe Schlüpper vor Sylvester zum Verkauf
(Trägt man in der Sylvesternacht, soll Geld bringen)
Schon irgendwie genial. Und der Blick auf die Landkarte lässt erkennen, dass alle Strassen nach Santiago führen…
Santiago erhält von uns - ganz klar – ne 1 mit Sternchen. Man sollte sich aber etwas Zeit nehmen. In 2 Tagen kann die Stadt nur schwer überzeugen. Zu gross und zu vielseitig ist sie. Uns hat sie überzeugt. Wir kommen gerne wieder. Hasta luego!

http://de.wikipedia.org/wiki/Santiago_de_Chile