17.11.2011

12.11.2011 El Calafate & Gletscher Perito Moreno / Argentinien

Wir landeten zur Mittagszeit in „El Calafate“, Zentrum des Tourismus für den Nationalpark Los Glaciares mit dem bekannten Gletscher Perito Moreno am Fuß der Anden.
Es ist eine rasch wachsende Kleinstadt im Südwesten Argentiniens in der Provinz Santa Cruz am Ufer des Lago Argentino auf etwa 200 Metern Höhe.
Der Name kommt von einem in der patagonischen Region häufig anzutreffenden Strauchgewächs, den Calafate-Sträuchern, einer Berberis-Art mit gelben Blüten und dunkelblauen Beeren.



Schaf-Attack



Man sagt, wenn man von dieser Beere isst, die nicht wie die Blüte gelb, sondern lila ist, so kommt man irgendwann zurück nach Patagonien. Es gefiel uns hier ja gut, also aßen wir.

Der Wind war auf einmal wie weggeblasen (obwohl er hier extrem sein soll)… und die Sonne schien kräftig. Einheimische in FlipFlops und kurzen Klamotten liessen uns erahnen, dass nun Frühling ist. Die „Meile“ (eigtl. ist es nur eine Strasse in Betrieb und touristisch ist) bietet alles Notwenige und einige nette Locations.
Nach einem kurzen Ess. und Einkaufsstopp düsten wir ca. 60 km gen Nationalpark, denn deshalb waren wir schließlich hergekommen. Für den Gletscher Perito-Moreno.
Der Perito-Moreno-Gletscher ist Teil eines riesigen kontinentalen Gletschergebietes in den Südamerikanischen Anden und Teil des als UNESCO Weltnaturerbe eingestuften Nationalparkes Los Glaciares. Er befindet sich in Patagonien im Südwesten Argentiniens in der Provinz Santa Cruz (Argentinien) und mündet in den Lago Argentino. Benannt wurde der Gletscher nach Perito Moreno, einem Erforscher Patagoniens. Heute gehört der Gletscher zu den größten Touristenattraktionen Argentiniens

Der etwa 30 km lange Perito-Moreno-Gletscher hat eine Fläche von rund 250 Quadratkilometern. Er ist einer der wenigen Gletscher, außerhalb der Antarktis und Grönlands, die auch heute noch wachsen. Woran das liegt, ist unter Experten umstritten. Regelmäßig brechen Teile der rund 74 Meter hohen (ab der Wasseroberfläche gemessen; Gesamthöhe ca. 170 m) und ca. 5 km in den Lago Argentino ab, was zu pittoresken Eisbergen und meterhohen Flutwellen im See führt.


Das Abbrechen dieser Teile nennt sich „kalben…“ und soll im Gesamt-Konzept der Gletscherbeschauung klasse sein. Einfach WOW...und das ohne anstrengendes Wandern. Kam uns gelegen. Uns tat noch alles Hüftabwärts weh. Nein, mehr als das.

Am „Lago Roca“, der bereits zum Park gehört und kostenlos zu nutzen ist, verbrachten wir unsere erneut-argentische Nacht. Ein grandioser Platz, der uns allerdings wegen Regen (!) und lauter Musik nicht ausschlafen liess. Auch hier feierte man bis tief in die Nacht und startete um 8:00 mit der Musik mit der man aufgehört hatte. Klar, es war Asado-day…

Genial war zu beobachten, dass die 3 Jungs neben uns ihr riesen Schlauchboot mit den Abgasen ihres Auto aufpusteten. Auf welche Ideen man so kommt.

Dann begaben wir uns auf den Weg in den Nationalpark. Wir waren echt gespannt. Die Landschaft war natürlich wieder irre schön, doch gleich zu Beginn ärgeren wir uns wieder…wir mussten auch hier den Touri-Bonus zahlen. Das Zehnfache. Argentinier und Einheimische, Rentner und Studenten zahlen weniger. Ist das in Deutschland auch so? Zahle ich im Heidepark als Niedersachse weniger als die von weither angereisten Touristen? Ich weiss es echt nicht, aber das geht hier überall so, und es nervt uns. So. Weiter ging es.
Was dann kam, war touristisch. Auto parken und in den Shuttlebus. Nach 5 Minuten standen wir vor einem Souvenirlädchen und Restaurant. Davor sah man ihn schon, den glänzenden Gletscher. Von nun an ging es auf Stegen (welche auf verschiedenen Höhen Balkone und Terrassen hatten) an dem atemberaubenden Kollos entlang. Das Wetter ärgerte uns anfangs mit Nieselregen und Wind, es änderte sich aber als die Touristenbusse abzogen und wir es uns langsam gemütlich machen konnten. Leider kalbte unser Kollege heute wenig. Und wenn er es tat, war es so schnell, dass man es nicht mit der Kamera hinterherkam…aber es war dennoch genial. Diese Grösse, diese Farben und dieses Getöse. Es rumpelt und grummelt die ganze Zeit. Wie ein Gewitter. Und dann KALBT er…wenn alles gut geht. Für unseren Geschmack hätte er mehr abkalben können, einen Sprengmeister sollte man bei den gepfefferten Touri-Eintrittspreisen mal engagieren, dass man auch was für sein Geld was bekommt. Aber auch ohne das, ist es tatsächlich sehr beeindruckend.







Der Park an sich ist sehr schön, Toller See mit schwimmenden Eisblöcken, aber Torres del Paine´s Vielseitigkeit hatten wir noch im Hinterkopf…

Zwischenfrage: Hier fahren übrigens VW-alias „Volkswagen“ Reisebusse. Gibt es die auch bei uns?

Wir verbrachten noch einen Abend in el Calafate und frönten der Erfindung einer „Parilla“, bei bevor es in naher Zukunft für uns heisst: „Adios Argrentina…“

Dann machten wir uns auf nach el Chaltén, auf der Suche nach dem Nächsten WOW!...welches dort sicherlich mit wandern verbunden wäre

16.11.2011

09.11.2011 Puerto Natales & Torres del Paine / Chile

Nach ca. 250 km gut ausgebauter Strasse erreichten wir bei Sonnenschein das Städtchen “Puerto Natales.” Logischerweise bei Sonnenschein. Alles Andere wäre Quatsch.
Die Hafenstadt Puerto Natales ist eine Stadt mit 19.319 Einwohnern und liegt 247 km nordwestlich von Punta Arenas am Última-Esperanza-Fjord. Sie wurde im Jahre 1911 gegründet. Sie bildet die Ausgangsbasis für Exkursionen in den Nationalpark Torres del Paine und den Nationalpark Bernardo O’Higgins, sowie für Feuerland- und Patagonien-Touren.
http://de.wikipedia.org/wiki/Puerto_Natales
Man sah sofort, dass die geschäftstüchtigen Chilenen ihre Chance ergriffen hatten. Hotels, Hostels, Bars, Restaurants waren für jeden Geldbeutel zu finden.




Wie in San Pedro de Atacama war auch hier eine geniale Mischung. Meistens richtig nett, teilweise liebevoll gemacht. Gefiel uns irgendwie sehr gut. Wir beschlossen eine Nacht im Hostel zu verbringen, eines mit angrenzendem Café, in welchem wir am nächsten Morgen ein grandioses Frühstück (mit Rührei und selbstgemachtem Brot) erhalten sollten.
Es war fantastisch. Als DZ überliess man uns ein gesamtes Appartement, mit Flokati- teppichen und heissem Ofen…
Relativ früh, zu früh für die Supermärkte in Natales, machten wir uns auf zum ca. 100 km entfernten „Parque Nacional Los Glaciares“, welcher ebenfalls sehr spektakulär sein soll.
Im Norden grenzt dieser Nationalpark an Argentinien Im Westen liegt der Grey-Gletscher mit dem See Lago Grey, im Süden der Lago del Toro und im Osten der Lago Sarmiento de Gamboa. Die Nationalpark-Fläche umfasst 2420 km². Er ist durchzogen von bis zu beinahe 3000 m hohen Bergen, Gletschern, Fjorden und großen Seen.
Die „Torres del Paine“ sind das Wahrzeichen des Nationalparks. Dabei handelt es sich um drei nadelartige Granitberge, die zwischen 2600 und 2850 m hoch sind. Die Berge liegen etwa in der Mitte des Nationalparks..Der höchste Berg im Nationalpark ist der Cerro Paine Grande mit 3050 m.Große Teile des Nationalparks sind vergletschert. Der bekannteste Gletscher ist der Grey-Gletscher, der in den Lago Grey kalbt...(kalben?)

http://de.wikipedia.org/wiki/Nationalpark_Torres_del_Paine
Unser erstes Ziel war der Lago Grey, wo wir eine 3 stündige Wanderung unternahmen um einen Blick auf den Grey-Gletscher zu erhaschen. Hier machten wir zum ersten Mal Bekanntschaft mit dem patagonischen Wind, der so extrem war, dass man nur schwer vorankam. Der Wind hakte sich regelrecht unter uns und schob einen dahin wo er wollte und peitschte wie Faustschläge ins Gesicht. Zwischendrin Sonne extrem. Das hatten wir selbst während unseres 7 tägigen Aufenthalt auf Feuerland nicht erlebt.
Die schwimmenden Eisberge und später der Blick auf den (leider weit entfernten) Gletscher, waren es aber wert gewesen, sich dem Wind und Wetter Spektakel auszusetzen.


links von der Eisscholle laufen Menschen



Der gesamte Park ist tatsächlich wunderschön und vielseitig. Die Farben der Seen und Berge einfach nur wow! Friedliche Guanakos in Scharen am Wegesrand.
Ab heute weht ein anderer Wind!




Hoppala, fast gestolpert
Unterkünfte gibt es für jeden Geldbeutel. Von einfachen Refugios/Herbergen, Campingplätzen bis zu 5***** Häusern findet man alles. Auch einen wunderbaren Campingmöglichkeit, mit heissen und sauberen Duschen, idyllisch an einem Fluss gelegen, geschützt von Bäumen mit Blick auf die „Torres del Paine“…dem Aushängeschild des Parks.

Guanako-Durcheinander

TORRES DEL PAIN/E
Das Abendessen gestalteten wir aus den letzten frischen Zutaten und unseren gesammelten Vorräten.
Vollkornpasta mit Soja-Bolognese -
begleitet von Don.
Don David aus Cafayate
Wir hatten nun diese extrem hohen „Säulen“ von weitem gesehen, doch das reichte meinem Lieblingsehemann natürlich nicht. Es gab einen Aussichtspunt „Mirador del Torres“, welcher versprach, den nahegelegensten Blick auf die Türme zu bieten. Überhaupt und generell.
Der Weg dahin sei laut dem patagonischen „Trekking-Guide“ EASY & MODERATE. 4 Stunden „trekken“ und wir wären dort. Was solls, hörte sich ja nicht schlimm an.
Nach einem abwechslungsreichen Frühstück zwiebelten wir uns zusammen, kochten Wegzehrung und machten uns bei Sonnenschein um 10:29 auf.
Frühstück
Aller Anfang ist bekanntlich schwer. Das es mal ein Stück bergauf gehen sollte war mir ja klar, aber die erste Stunde machten wir nichts anderes. Von wegen „easy & moderate“. Ich verstand darunter etwas Anderes, biss aber die Zähne zusammen. Nach einer weiteren halben Stunde über Stock und Stein fand ich den Übersichtsplan des Parks, wo alle Ruten und Wanderwege skizziert und bewertet waren…12 Wege durch den Park gab es. Einer war facíl. (leicht) und einer war alta (hoch) alle anderen waren media. Easy & moderate wechselte schlagartig in media. 9,5 km (one way) Dauer: 4,5 Stunden.
Hallo? Das klang aber irgendwie anders, als gedacht. Ausser sitzenbleiben oder Handtuch werfen und umdrehen blieb mir nur noch: WEITERMACHEN. Auch wenn ich schon wusste, dass der Rückweg wahrscheinlich genauso furchtbar werden würde, biss ich Zähne und alles was ich konnte zusammen. Natürlich war es schön, es war sogar wunderbar schön.




Dennoch ging es hoch und runter und die Muskeln machten sich langsam bemerkbar. Zwar machten wir nur 1000 m Höhenmeter, aber durch das ständige auf und ab, durch Wald und Flussbetten, über Stock und Stein und Felsen.
V-Ast to go



Nach der „Baumgrenze“ kam der Wind. Dann Regen. Super Sache. Und ab da hiess es für uns: KLETTERN. Das letzte Stück (1 Stunde) war so steil und vor allem voller Felsen. Ich wusste nicht, ob ich lachen oder heulen sollte. Ich tat einfach beides. Wie auch die letzten Kilometer entschieden wir uns für: durchbeissen. Ich dachte an meine Tüte Gummibärchen im Rucksack. Vorausgesetzt ich schaffe diesen Aufstieg, bei inzwischen Wind und Regen, dann würde ich sie uns kredenzen. Seit Brasilien haben wir sie für eine besondere Situation aufgehoben…

Um genau 13:39 erreichten wir den Mirador. Schneller als gedacht. Pausen gab es nicht. Getrunken wurde im Gehen, pinkeln wurde vergessen. Durchmarsch. Was ich hab – das hab ich.
Der Aufstieg war wirklich der Horror, für mich weder easy & moderate, auch nicht media.
Einfach nur alta, Alter…aber das Ergebnis konnte sich sehen lassen!!!


Während wir unser Essen und danach die Gummibärchen reinschaufelten, fing es heftiger an zu regnen und zu stürmen. Es störte uns nicht, denn wir genossen einfach nur den Blick, denn der war atemberaubend und es entschädigte für alles…bis wir uns wieder um 14:35 auf den Heimweg machten. Dieser war eigentlich noch schlimmer. Das bergab machte uns wackelig auf den Beinen. Kein Schritt tat nicht weh. Der Wind nahm zu und bliess so stark, dass er Clemens fast den Abhang runtergeschubst hätte. Schotter flog durch die Gegend Zusammengekauert unter einem Busch mussten wir abwarten, bis er sich beruhigte.




geschafft...
Um 17:25 kamen wir wieder im Tal an und fielen uns in die Arme. Wir waren stolz wie Hulle. Gefeiert wurde das nach heisser Dusche bei Vino und Konservenkost. Gummibärchen waren ja leider alle.
Wir beschlossen ab heute ein neues Konzept einzuleiten, ab heute gilt nur noch „Wandern wegen Wow“…

Schon an Tag danach war er da - der Muskelkater. Fiese Kröte!
Wie auf Eiern erreichten wir nach einer sehr windigen Nacht auf zur noch windigeren Grenze und Zollstation „Cerro Castillo“, bevor wir wieder in Argentinien eincheckten.
Dort wartete auf uns der der „kalbende“ Gletscher Perito Moreno…