20.06.2011

11.06.2011 Das Ziel vor Augen - Buenos Aires / Argentinien

Nach 41 Tagen sollte es dann aber wirklich soweit sein. Schon die Flussfahrt liess im Hintergrund die Stadt aufblitzen. Bald hätten wir es geschafft. Obwohl, lieber abwarten. Die Hoffnung stirbt zuletzt…und wer weiss, evtl. müssten wir dann doch nochmal „fix“ ankern…

Gegen Mittag fuhren wir an Buenos Aires VORBEI…Super Gefühl!

Wir mussten nun erst mal wenden und das war bei dem Verkehr und in der SPUR dort nicht so einfach. Wir bekamen schon Panik, da wir die Stadt schon wieder aus den Augen verloren.
Ein letztes Mal zum Mittagessen und eine ordentliche Portion Pasta, dann Fisch, dann Fleisch…puh. Bald war es geschafft.

Die ersten Taschen ins Auto verladen und dann ging die Einfahrt auch schon los.
Die Stadt näherte sich uns und wir bekamen eine Gänsehaut.
Michele und Kurti wurden sentimental, da dieses schöne Ereignis zu Ende war, Klaus machte 3 Kreuze und Volker saß gedanklich schon im Wagen und fuhr vom Schiff…Bei uns war es eine Mischung von Allem.

Da war SIE nun, auf die wir 41 Tage warten mussten. Die Stadt präsentierte sich bei knapp 20 Grad, blauem Himmel und Sonnenschein. Schöner hätte es nicht sein können.


Ein letztes Mal beobachteten wir das Prozedere beim Anlegen des Schiffes auf der Brücke. Auch der Master war happy, endlich angekommen zu sein…denn die Tortur, die wir durchgemacht haben, sei wohl nicht üblich. (Gibt es da eine Entschädigung?) Allerdings wurde, so Volkers Berechnung, die Reise mit jedem Tag, den wir länger auf dem Dampfer waren, billiger…wir hatten nun 1 Woche geschenkt bekommen…

Giuseppe gibt nochmal ALLES
Die Erleichterung ins Gesicht geschrieben!

Das Schiff legte an und wir beobachteten die NEUEN die erwartungsvoll mit Ihren Autos am Kai warteten. Es waren vier Personen. Zwei in unserem Alter, zwei in Klaus und Volkers Alter…
Unser Auto war beladen und wir warteten in unserer Kabine auf das GO vom Offizier Angelo.

Unsere schon Deutschland abgeschlossene KFZ Versicherung sollte der örtliche Agent mitbringen, Pässe mussten eingesammelt werden, durch den Zoll sollten wir auch noch.

Inzwischen war es 16:45. Dann ging alles ganz fix. „Vorsprechen“ bei den wichtigen Personen, Unterschriften, Korrekturen auf und von Papieren, einen Stapel gestempelter Sachen unter den Arm und los ging es. In 5 Min. sollten wir unten bei den Autos sein.

Wir wussten, dass die eine von unseren zwei Autobatterien leer war….(Weshalb spielt ja keine Rolle... ) Hatten wir immer noch eine volle.
Theoretisch…doch als Clemens das Auto und die zweite Batterie startete, tat sich nichts.
Doch, die Alarmanlage, lautstark.
Sehr laut.
Und immer wieder.
Auch nach 10 weiteren Versuchen.

Volker, den wir in HH eingeparkt hatten, verbreitete Panik und Hektik. Schrie Kurt an, er möge doch endlich losfahren. Der hatte allerdings von seiner „Finca" noch nicht alle Spanngute gelöst…und wurde nun auch hektisch.

Als er losfuhr und Agent, Volker und Klaus von außen und Michele im Auto gleichzeitig auf ihn einredeten, gab es einen Knall.
Der wiederum übertönte unsere Alarmanlage wenigstens für einige Sekunden.

Wir standen bei unserem Auto und sahen somit nicht, was geschehen war…vermuteten aber, dass er in die frisch geladenen VW Amaroks gebrettert sei, die neben uns festgezurrt waren.
So schlimm war es dann aber zum Glück nicht, eine Säule war eine Spur schmaler und die Markise von den Schweizern war nicht mehr am Auto…hingt noch an der Säule und schepperte dann zu Boden.
Die Stimmung war bombig…

Clemens saß im Auto und lass nochmal die Gebrauchsanleitung. Hatte er doch alles so gemacht, wie „geplant“…Kristinas Stimmung lief auf Hochtouren. Irgendwas zwischen lachen und heulen, toben und wieder nach oben gehen und die Sachen auspacken…

Damit Volker nicht vor Aufregung umkommt und die Gewissheit hatte, dass er noch durch den Zoll kommt, schoben wir alle unseren Lord Höördie zur Seite, damit er Platz hatte um heraus zu fahren...und wir unsere Ruhe. Das war die Verabschiedung von uns Sechsen nach sechs Wochen Fahrt.

Es tat sich allerdings die nächsten 15 Min. auch nix. Im Geiste riefen wir schon bei Kristina Eltern an, mit der der Frage nach den Sicherheitscodes, die in Unterlagen in Hannover lagen.

Aber dann kam er, der Mann der Stunde: THE DRIVER, alias Vincenzo. Der Mann der Autos.

Er erklärte uns, dass es schon JEDES Auto anbekommen hat…Erst waren wir beim Ausdruck KURZSCHLIESEN etwas skeptisch…allerdings lagen unsere Nerven blank und wir mussten ihm vertrauen…alternativ auf dem Schiff bleiben, bzw. das Auto in den Hafen rollen und auf den Notdienst warten…und wie der in Argentinien am Pfingstsamstag arbeitete, war uns schleierhaft.
Vincenzo wurde aber Mann des Tages, bzw. der Woche, ja überhaupt Mann des Monats...und so kam es, dass in Italienisch-Österreichischer Zusammenarbeit das Auto ansprang!

Unser Held VINCENZO!

the driver / trattorista (Staplerfahrer)
Einige Umarmungen und Küsse bei laufendem Motor später, rollten wir dann vom Schiff. Anhalten ging nicht. Auch nicht im Zoll, nirgends. Wir rollten um kurz nach 18:00 durch das Terminal und waren endlich angekommen!

Nun ging unsere Reise auf dem Landweg weiter!
Wir hatten die Anreise überstanden und wir waren nur 41 Tage älter!

19.06.2011

09.05.2011 Boden unter den Füssen! - Zarate / Argentinien

Da standen wir nun, inmitten von über 15.000 Autos.
Unsere Crew war schon fleissig als wir uns nach dem Frühstück zu Fuss auf den 3,5 km Weg in die Stadt (oder das Dorf?) machten. Erst mal mussten wir aber 1,5 km Parkplatz überqueren um zum Gate zu kommen. Im Schlepptau hatten wir: Klar, den Klaus.

Zárate ist eine Stadt im östlichen Argentinien, in der nördlichen Provinz Buenos Aires. Die Stadt liegt am Río Paraná und hat 101.271 Einwohner. Zárate ist vor allem ein Sitz der Schwerindustrie, wird aber wegen seiner Lage am Fluss auch von Touristen, besucht…warum auch immer. Auch der Handel ist wichtig, denn hier befindet sich die südlichste Brücke über den Río Paraná, der Complejo Zárate-Brazo Largo, der gleichzeitig die kürzeste Verbindung zwischen Buenos Aires und Montevideo in Uruguay ist. Einige Kilometer nördlich von Zárate befindet sich das Kernkraftwerk Atucha, das größte Atomkraftwerk Argentiniens.
Da gingen wir nun dahin und freuten uns über festen Boden unter den Füssen, eine leichte Brise wehte, aber es gab Sonnenschein. Es führte nur eine Straße nach Zarate - „Downtown.“ Wir hofften, dass es im Ortskern anders aussehen würde, als der Weg dahin.
Es war eine eher ärmliche Region. Kaputte Häuser und Straße, Schlaglöcher, kleine Kinder im Dreck auf der Strasse, Hunde in allen Farben und Grösse sowie deren Fäkalien machten den Weg in die Stadt zum Spießrutenlauf. Hin und wieder ein Laden, bzw. auf jeden Fall einen Metzger.
An jeder Ecke Fleisch. Hurra! Denn das war von Beginn an NICHT Antonios Steckenpferd gewesen...und er machte es dennoch 2 x täglich...

Je weiter wir gingen, umso besser wurden die Häuser, die Straßenverhältnisse, die Geschäfte. Und auf einmal standen wir in einer kleinen, netten Stadt. Es gab Banken, Geschäfte, Cafés und Restaurants, sogar ein Internetcafé wo wir endlich wieder Kontakt zu der Außenwelt aufnehmen konnten. Den Tag verbrachten wir mit Essen, unserem ersten STEAK (klar!) und Besichtigung der Stadt. Viel gab es nicht zu sehen, aber wir vergnügten uns in einem Café mit Wlan.

Es tat wirklich gut, mal etwas anders zu sehen, zu essen, zu trinken, das könnt ihr uns glauben!
Das gleiche Programm tätigten wir noch am Tag darauf.

Wir sollten gegen Nachmittag zurück sein, denn gegen Abend sollten wir endlich nach Buenos Aires aufbrechen.

Unsere Sachen hatten wir so gut wie gepackt und nochmal den Luxus der Waschmaschine/Trockner genossen...

Also WIR wären dann soweit…

08.06.2011 Bewegung auf dem Rio Parana - Argentinien

Heute an Clemens 39.Geburtstag, nach 38 Tagen Frachtschiffreise und nach 6 Tagen vor Anker im Rio de la Plata, machten wir uns wirklich auf nach Zarate.

Unser Versuch, in Zarate das Schiff vorzeitig zu verlassen und von dort die ca. 100 km nach Buenos Aires zu fahren, ist trotz persönlicher Bemühungen von Guiseppe alias Master gescheitert. Zarate ist lediglich auf Autos und nicht auf Passagiere vorbereitet. Wir bleiben also bis Ende der Reise an Bord. Was man angefangen hat, soll man bekanntlich auch zu Ende bringen…

Trotz geschmälerter Speisensituation konnte Kristina ihrem Gatten einen Geburtstagskuchen kredenzen, den die Küchencrew zum Frühstück überreichte und wir alle ein Liedchen anstimmten.
So kam wenigstens etwas Geburtstagsstimmung auf.


Gegen 10:00 setzte sich das Schiff doch mal in Bewegung. Schön, das vertraute Gefühl von lauten, brummenden Motoren zu hören. Bei eisigem Wind und Sonnenschein fuhren wir den Fluss Rio Parana hoch. Planmäßig sollten wir gegen Abend ankommen. More or less, ist ja klar.



Die Flussfahrt war wirklich schön. Vorbei an schicken oder einfachen Anwesen am Fluss, Menschen die trotz Kälte angelten, Polizisten auf Jet Skis in Skijacken, die das Wasser sicherten, da Frau Präsidentin Cristina Kirchner das „Zaratenische“ Gaswerk einweihte (So entnahmen wir am Tag drauf aus der Tagespresse).





Gegen 16:30 kamen wir an. Ausser einem Parkplatz, mit Unmengen von Autos, sahen wir nicht viel. Eine Anlegestelle, die allerdings belegt war. Der Fluss war so schmal, doch wir mussten drehen. Ein kleiner Schlepper schleppte, was das Zeug hielt und kämpfte wie ein Terrier. So lange, bis wir umgedreht im Flussbett lagen und die Rampe angelegt werden konnte. Trotz dieses riesen Parkplatzes mit über 15.000 Fahrzeugen, war es dem Hafen nicht möglich, einen Kai mit mehreren Anlegern zu kreieren. Wir wurden an mehreren kleinen Pontons festgemacht, die Rampe einfach fix an Land gelegt. Ob das gut geht? Schließlich sollten in den kommenden Tagen 1000 Fahrzeuge ent- und 2000 beladen werden.
Es dauert daher noch etwas, bis sämtliche Formalitäten (Zoll etc.) begannen. Schließlich, waren wir das erste Mal auf argentinischen Boden.

Kein Anlegeplatz für uns...

Autos...


VIELE Autos. Wir können die Dinger nicht mehr sehen!
Da der „Ausgang“ sich daher auf die Nachtstunden verzögerte und wir den Weg sowie die Taxisituation nicht einschätzen konnten, beschloss Clemens auf seinen Geburtstag bei dem uns bekannten itali. Qualitätswein VAUDANO in der Offiziersmesse anzustoßen. Die üblichen Verdächtigen waren gekommen: Klaus und Volker. Naja und Kristina und Vaudano.

04.06.2011 Irgendwo im Rio de la Plata - Argentinien

Erst standen wir ewig zwischen all den wartenden Riesenpötten, doch dann bewegten wir uns doch. Verrückte Schiffswelt ist das! Heute kam vormittags ein freches Lotsenboot und brachte uns gleich zwei Lotsen, die das Schiff in den Rio de la Plata bugsierten. Wir fuhren also ein Stück in Richtung Ziel. Die Lotsen verliessen gegen Nachmittag wieder das Schiff. Wir schmissen erneut den Anker…
Also hiess es: WARTEN!

Die letzten Tage lagen wir nun mit Blick auf Buenos Aires in einer braunen Pampe umgeben von anderen Schiffen, die ebenfalls warteten. Wenn es erst mal in Stocken gerät, dann aber richtig.
Wir fragen uns was das die Reedereien wohl kostet? Tagelang rumzuliegen und die Mannschaft bei Laune zu halten und zu versorgen?

Wir erfuhren, dass es „more or less“ 15.000 – 20.000 US Dollar sind, die auf eine Reederei TÄGLICH bei Verspätung zukommen. Na dann - Herzlichen Glückwunsch.
Können die alle nicht anständig planen?

17 Stunden würde die Fahrt von hier nach Zarate durch den Fluss Parana andauern…vorausgesetzt, wir kämen mal in die Gänge.
Selbst die Crew war langsam genervt und nervös.
Hier gab es übrigens auch kein Taxiboot…

Clemens beugte vor und nahm sich den Smutje zur Brust. Er ging bei Antonio einkaufen…man wusste ja nicht, wie lange wir wirklich noch hier liegen würden und was noch so passieren sollte. Somit legte Clemens in unserer Kabine einen soliden Vorrat von italienischem Tafelwein an. Schlau bleibt schlau!

Don Clemento Vaudano und Klaus

01.06.2011 Stillstand vor Uruguay!

…unser Schiff legte erst um 5:00 morgens ab und mache sich auf den Weg nach Zarate in Argentinien. Die Fahrt sollte eigtl. 3 - 4 Tage dauern. Der VORLETZTE Hafen!
Am 02. Juni wunderten wir uns, dass keiner der Crew bei Mittagessen war. Es stellte sich heraus, dass wir die Maschinen stoppten und ankern mussten. Bis zum 05. Juni! (Gedanklich waren wir da schon in Buenos Aires!)
Wir waren gerade an Uruguay, Punta del Este vorbei und kurz vor Montevideo.

Punta del Este, Uruguay
Bei dem Satz „vier Tage ankern“, stellten sich bei uns die Nackenhaare auf. Das bedeutete, dass wir Clemens Geburtstag auf dem Schiff und nicht gemütlich wie gedacht in Buenos Aires feiern müssten. Zwar wären wir ggf. zu dem Zeitpunkt in Zarate, denn dort sollte es wenigsten eine Hafenpinte und 2-3 Kioske geben, die etwas Abwechslung boten, aber die ursprüngliche Planung war eine Andere.
Der Erste Ankunftstermin für Buenos Aires war 03. Juni. Der wurde aber schon in Brasilien auf den 05. Juni vertagt. Am 03. Juni sagte man uns, dass wir ggf. bis zum 07.Juni den Weg in Etappen nach Zarate antreten würden und ggf. dann Pfingsten in Buenos Aires eintreffen würden.
Da Zarate nur ca. 100 km von Buenos Aires entfernt lag, kam uns die Idee, dass wir dort bereits aussteigen könnten, denn in Zarate sollen wir mit Sicherheit ein paar Tage im Hafen sein. Dort gab es unendlich viele Autos zu Be-und Entladen. Die Crew graulte sich jetzt schon vor dem Hafen!
Aufgrund der aber bereits vor Beginn der Reise fertiggestellten Ladelisten, worin stand, dass Familie Zotlöterer mit ihrem Auto in Buenos Aires das Schiff verlassen würde, konnten wir nicht einfach mal so in runter, Ordnung muss sein.
Wir uns und entschieden, dann einfach die letzten Tage zu genießen und nochmal richtig zu „entspannen“.

Einfach mal entspannen...

...chillen konnten wir ja zu Hause!

War allerdings nicht so einfach. Wir wollten nicht mehr. Ehrlich. Über 15 Bücher waren gelesen, Filme/Serien geguckt, Routen erstellt, ausgeschlafen waren wir auch und wir kannten alle Gesichter und Geschichten unserer „Insassen“. Wir wollten zurück in das normale Leben.

Als der Koch nachfragte, ob wir lieber Bier statt Wein wollten, wurde klar, dass die Vorräte knapp wurden. Seit Tagen hatte es keine Orangen, Kiwis, Salat, einen Apfel oder irgendwas Frisches gegeben. Wir erfuhren, dass wir in Santos hätten Nachschub bekommen sollten…da aber der Koch in der Hafenkneipe versackte, verpasste er den Lieferanten…(erfuhren wir später)
Wir beschlossen, uns auf das Schlimmste einzustellen. Umso schöner, wenn es dann doch nicht sooo schlimm werden würde. Somit genossen wir eine steife Brise bei meist schönem Sonnenschein und dem Blick auf Montevideo...(Nein, es gab KEIN Taxiboot dort hin!)

Der Hintergrund der Verzögerung war, dass noch zwei Schiffe im Hafen von Zarate lagen und sowohl unseren Stellplatz, als auch Stellplätze für die PKW´s versperrten. Hiess, alle Fahrzeuge die wir ausladen mussten, hatten dort noch keinen Platz…