19.06.2011

04.06.2011 Irgendwo im Rio de la Plata - Argentinien

Erst standen wir ewig zwischen all den wartenden Riesenpötten, doch dann bewegten wir uns doch. Verrückte Schiffswelt ist das! Heute kam vormittags ein freches Lotsenboot und brachte uns gleich zwei Lotsen, die das Schiff in den Rio de la Plata bugsierten. Wir fuhren also ein Stück in Richtung Ziel. Die Lotsen verliessen gegen Nachmittag wieder das Schiff. Wir schmissen erneut den Anker…
Also hiess es: WARTEN!

Die letzten Tage lagen wir nun mit Blick auf Buenos Aires in einer braunen Pampe umgeben von anderen Schiffen, die ebenfalls warteten. Wenn es erst mal in Stocken gerät, dann aber richtig.
Wir fragen uns was das die Reedereien wohl kostet? Tagelang rumzuliegen und die Mannschaft bei Laune zu halten und zu versorgen?

Wir erfuhren, dass es „more or less“ 15.000 – 20.000 US Dollar sind, die auf eine Reederei TÄGLICH bei Verspätung zukommen. Na dann - Herzlichen Glückwunsch.
Können die alle nicht anständig planen?

17 Stunden würde die Fahrt von hier nach Zarate durch den Fluss Parana andauern…vorausgesetzt, wir kämen mal in die Gänge.
Selbst die Crew war langsam genervt und nervös.
Hier gab es übrigens auch kein Taxiboot…

Clemens beugte vor und nahm sich den Smutje zur Brust. Er ging bei Antonio einkaufen…man wusste ja nicht, wie lange wir wirklich noch hier liegen würden und was noch so passieren sollte. Somit legte Clemens in unserer Kabine einen soliden Vorrat von italienischem Tafelwein an. Schlau bleibt schlau!

Don Clemento Vaudano und Klaus

01.06.2011 Stillstand vor Uruguay!

…unser Schiff legte erst um 5:00 morgens ab und mache sich auf den Weg nach Zarate in Argentinien. Die Fahrt sollte eigtl. 3 - 4 Tage dauern. Der VORLETZTE Hafen!
Am 02. Juni wunderten wir uns, dass keiner der Crew bei Mittagessen war. Es stellte sich heraus, dass wir die Maschinen stoppten und ankern mussten. Bis zum 05. Juni! (Gedanklich waren wir da schon in Buenos Aires!)
Wir waren gerade an Uruguay, Punta del Este vorbei und kurz vor Montevideo.

Punta del Este, Uruguay
Bei dem Satz „vier Tage ankern“, stellten sich bei uns die Nackenhaare auf. Das bedeutete, dass wir Clemens Geburtstag auf dem Schiff und nicht gemütlich wie gedacht in Buenos Aires feiern müssten. Zwar wären wir ggf. zu dem Zeitpunkt in Zarate, denn dort sollte es wenigsten eine Hafenpinte und 2-3 Kioske geben, die etwas Abwechslung boten, aber die ursprüngliche Planung war eine Andere.
Der Erste Ankunftstermin für Buenos Aires war 03. Juni. Der wurde aber schon in Brasilien auf den 05. Juni vertagt. Am 03. Juni sagte man uns, dass wir ggf. bis zum 07.Juni den Weg in Etappen nach Zarate antreten würden und ggf. dann Pfingsten in Buenos Aires eintreffen würden.
Da Zarate nur ca. 100 km von Buenos Aires entfernt lag, kam uns die Idee, dass wir dort bereits aussteigen könnten, denn in Zarate sollen wir mit Sicherheit ein paar Tage im Hafen sein. Dort gab es unendlich viele Autos zu Be-und Entladen. Die Crew graulte sich jetzt schon vor dem Hafen!
Aufgrund der aber bereits vor Beginn der Reise fertiggestellten Ladelisten, worin stand, dass Familie Zotlöterer mit ihrem Auto in Buenos Aires das Schiff verlassen würde, konnten wir nicht einfach mal so in runter, Ordnung muss sein.
Wir uns und entschieden, dann einfach die letzten Tage zu genießen und nochmal richtig zu „entspannen“.

Einfach mal entspannen...

...chillen konnten wir ja zu Hause!

War allerdings nicht so einfach. Wir wollten nicht mehr. Ehrlich. Über 15 Bücher waren gelesen, Filme/Serien geguckt, Routen erstellt, ausgeschlafen waren wir auch und wir kannten alle Gesichter und Geschichten unserer „Insassen“. Wir wollten zurück in das normale Leben.

Als der Koch nachfragte, ob wir lieber Bier statt Wein wollten, wurde klar, dass die Vorräte knapp wurden. Seit Tagen hatte es keine Orangen, Kiwis, Salat, einen Apfel oder irgendwas Frisches gegeben. Wir erfuhren, dass wir in Santos hätten Nachschub bekommen sollten…da aber der Koch in der Hafenkneipe versackte, verpasste er den Lieferanten…(erfuhren wir später)
Wir beschlossen, uns auf das Schlimmste einzustellen. Umso schöner, wenn es dann doch nicht sooo schlimm werden würde. Somit genossen wir eine steife Brise bei meist schönem Sonnenschein und dem Blick auf Montevideo...(Nein, es gab KEIN Taxiboot dort hin!)

Der Hintergrund der Verzögerung war, dass noch zwei Schiffe im Hafen von Zarate lagen und sowohl unseren Stellplatz, als auch Stellplätze für die PKW´s versperrten. Hiess, alle Fahrzeuge die wir ausladen mussten, hatten dort noch keinen Platz…

31.05.2011 Im größten Hafen Südamerikas - Santos / Brasilien

Die Stadt liegt ca. 75km südöstlich von São Paolo an der Atlantikküste. Bei der Einfahrt am Mittag kam sie nicht schön daher…. Auf der einen Uferseite sahen wir fast ausschließlich Slums, teilweise brennende Häuser, auf der anderen eine Großstadt, die von weitem nicht wirklich viel versprach, sie sollte allerdings 500.000 Einwohner haben…
Die Hafenkais haben eine Länge von insgesamt 13 Kilometer, die Lagerhallen eine Gesamtfläche von rund 500.000 m².  Riesige Lagerhäuser reihten sich an den Werften auf, Schiffe aus aller Welt, auch in unseren Dimensionen lagen rings herum.
Das Wetter hier war schon etwas kühler und bewölkter. Wir stellten fest, dass wir dem Südamerikanischen Winter näher kamen, was uns aber nach den letzten sonnigen Wochen nicht störte.

Heimatgefühle kamen auf

Ofen kaputt
Wir warteten bis Lotsen, Agenten etc. ihre Aufgaben erledigt hatten und wir somit freien Ausgang hatten, Offizier Angelo, alias „man oft he passport“ alle Formalitäten mit dem Zoll und der Passkontrolle erledigt hatte. So einfach kamen wir nicht von Bord, eine Listen mit unseren Namen musste am Gate hinterlegt sein, Pässe gescheckt etc.

Der örtliche Agent nannte und einen angeblich schönen Stadtteil und teilte uns mit, dass wir bloß mit dem Taxi fahren sollten. Angeblich ist diese Gegend rund um den Hafen besonders gefährlich, bzw. die „gefährlichste“ Stadt Brasiliens. Hach, wie aufregend. Und wir mitten drin!

Mit diesen Infos machten wir uns diesmal zu zweit auf Achse. Klaus hatte inzwischen sein komplettes Tagesprogramm auf „schlafen“ ausgeweitet, Kurt und Michele fanden eine Großstadt am Nachmittag uninteressant und stachen mit ihren Feldstechern auf Vogelsuche durch die Hafengegend.
Volker hatte das Schiff seit Hamburg noch nicht verlassen.

Umso mehr freuten wir uns zu zweit Santos zu erkunden und liefen mutig drauf los. Entlang durch den Hafen, begleitet von Blicken der Arbeiter, suchten wir den Ausgang / Gate. Da unser portugiesisch leider nur spanisch beinhaltete, machten wir dem Wachmann verständlich, ob er uns ein Taxi rufen könnte. Konnte er. Nämlich sich selber. Da er gerade dabei war Feierabend zu machen und in die Stadt fuhr, konnte er sich so noch ein paar Dollar / Real dazu verdienen. Wir fühlten uns (relativ sicher) und fuhren los. Die Altstadt, in dem der Hafen liegt, ist wirklich nicht alt zu romantisch. Umso beeindruckter waren wir von den Stadt Santos, da sie, im Vergleich zu Vitoria, eine richtige, moderne Stadt war. Zwischen Mc Donalds und Subway waren moderne Einrichtungshäuser, Kleidungsgeschäfte, zwei grosse Shoppingcentren, etliche Restaurants, Bars und Cafés. Am Ende der Strasse sahen wir eine Strandpromenade, die es laut Insiderwissen mit Rios Copacabana aufnehmen kann, aber sicherer und sauberer ist. Das klang doch hübsch

 Kurzum: Das Schlaraffenland. Das, was man sich nach 4 Wochen Frachtschiffreise einfach nur wünschen konnte. Naja, wir zumindest! Wir bummelten die Straßen hoch und runter und querfeldein. Obwohl es bereits langsam dunkel wurde, fühlten wir uns nicht unwohl. Es war noch eine Menge auf den Straßen los. Von Armut oder/und Kriminalität war hier nichts zu sehen oder zu spüren.
Wir machten und auf zum Strand nun stellten fest, dass bei 18 Grad Außentemperatur kein Brasilianer im Meer war... Der Strand war sehr weitläufig und vor allem sauber und gepflegt. Begrünung, Palmen, Lauf und Fahrradwege und Sportanlagen am Wegesrand.

Wir suchten uns ein nettes Straßenrestaurant und tranken unsere erste Caipi. WAR DIE LECKER! Endlich waren wir in Brasilien angekommen. Dazu ein Sandwich de Lomo und die Welt war wiedermals gut zu uns.

na endlich!...doppelt hält besser!

Eigentlich würden wir immer noch dort sitzen, Caipi trinken und Bife de Lomo essen, wenn nicht die Taxifahrt angestanden hätte. Unsere Orientierung sagte uns zwar, wo wir lang mussten, doch wollten wir nicht zu spät den örtlichen Taxifahrer aufsuchen. Wir fanden einen der auch freudig losfuhr. Auch auf unsere Beschreibung hin, in Richtung Hafen... Allerdings war er dann verloren und kreuzte völlig planlos durch die Gegend. Keine Ahnung und kein Navi. Hurra.

Zum Glück hatten wir etwas Puffer eingeplant. Unser Schiff sollte gegen 2:00 ablegen, wir gegen 0:00 dort sein. Nach geschlagenen 45 Minuten (statt 20 Min) fanden WIR dann endlich unser Gate und unser Schiff.

Wenn man nicht alles selber macht!

29.05.2011 Ein Lotsenleben!

Natürlich warteten wir auch diese Nacht auf den Lotsen.
Im nächsten Leben werde ich auch Lotse/Pilot auf Frachtschiffen, da hat man wirklich die Macht und staubt auf jedem Schiff Geschenke ab...
Was in den Häfen an die wichtigen Leute verteilt wird...tststs.... In Müllsäcken tragen sie ihre Geschenke raus. In manchen Länder mehr, in anderen weniger…dann trifft man sich nach dem Anlegen zu ein nettes Stelldichein beim Master und macht die Formalitäten, wie Zoll, etc. und nimmt Gastgeschenke entgegen.

Der Pilot verlässt nach dem Anlegen wieder über die Strickleiter das Schiff und hüpft mit seinem Müllbeutel in sein Bötchen und rauscht ab.

So, aber nun zur Abfahrt aus Rio.
Sie verzögerte sich auf die Vormittag. Weshalb genau wissen wir nicht. Der 1. Offizier sagte uns am Vortag, dass wir pünktlich (in der Nacht) aus Rio losmüssten, da wir sonst im Hafen von Santos Probleme bekämen und vor dem Hafen 2 Tage ankern müssten. Hurra, das wäre ja eine Gaudi!

Santos ist der größte Hafen Südamerikas, wo wir natürlich nicht fehlen durften und die Stellplätze rar sind. Lotsen bestimmt auch.

Wir sollten lediglich 8 - 10 Stunden nach Santos fahren, in die alte Kaffee-Hafenstadt. Sie liegt 70 km südöstlich von São Paulo und hat 500.000 Einwohner.

Als wir am Zuckerhut vorbei waren, änderte sich das Wetter und somit auch der Seegang. Es schaukelte. Und es sollte sich weitere zwei Tage einschaukeln. In der Kabine flogen die Sachen aus den Regalen, im Kühlschrank die Getränke. Das erste Mal wurden die Tische im Speiseraum mit Plastikbechern eingedeckt. Wein und Wasser mussten wir festhalten oder austrinken…


langsam wird es ungemütlich!
Nachdem wir bei dem Wellengang die Küste hoch und runter fuhren, bekamen wir irgendwann das Zeichen, dass wir Richtung Hafen kommen sollen…naja, 8 Stunden fühlen sich anders an.

Wir sind etliche Stunden Santos Küste hoch und runter gefahren, da wir bei dem Wellengang nicht ankern konnten…so viel zum Thema „Schaukeln“. Seekrank wurde zum Glück von uns beiden keiner...

28.05.2011 Rio mein Rio - Rio de Janeiro / Brasilien

Gegen 16:00 standen wir im Hafen von Rio de Janeiro. Das Wetter bei der Einfahrt in den Hafen war durchwachsen. Zwischen Wolken und Nieselregen, konnte man die Stadt dennoch gut erkennen. Den Corcovado und den Zuckerhut, die Copacabana und Ipanema sahen wir aus der Ferne und machten Lust auf einen Stadtbummel durch Brasiliens zweitgrößte Metropole, von der man schon so vieles gehört hatte.
Im administrativen Stadtgebiet leben rund 6,3 Millionen Menschen. Die Metropolregion hat 11,9 Millionen Einwohner. Da könnten sie uns doch wenigstens für einen Abend aufnehmen!


Das Problem an Frachtschiffreisen ist, dass Landgänge nicht planbar sind, da man nie weiß, wann man vom Schiff kommt und wenn man darf, erst dann erfährt, wann man wieder da sein muss, bzw. wann das Schiff weiterfahren wird…

In Rio standen wir nun am Nachmittag mit Wolkenbehangenen Himmel und der Gewissheit, dass es wir relativ weit weg von der Stadt waren und das Gate, wo wir ggf. ein Taxi fänden, ein Fussmarsch über das Hafengelände versprach. Mitternacht sollten wir zurück sein. Um 2:00 sollte es weitergehen.

Gegen Kristinas Willen wurde der Stadtbummel abgesagt, bzw. wären wir beiden einzigen gewesen, die sich in den Abendstunden durch den Hafen in die Stadt begeben hätten begeben müssen...und davon wurde uns abgeraten.
Somit widmeten wir uns wieder dem Alltag, dem Zusehen der Be-und Endladung…
Schon beeindruckend, wie schnell und rege das alles von statten geht. Die Logistik ist sicherlich hochinteressant. Obwohl wir erfahren haben, dass die Logistik nicht auf dem Schiff sondern von der Reederei gemacht wird. Heißt, „unsere Jungs“ bekommen fertige Pläne für die Be-und Endladung der Fahrzeuge und Container und der verschiedenen Decks. Dennoch eine Wahnsinnsaufgabe, was die dort bewerkstelligten. Und dabei zu uns immer freundlich, selbst wenn wir im größten Chaos auf der Rampe auftauchten oder heimlich ein anderes Deck aufsuchten. Ein netter Gruß oder ein Winken ist immer drin.
In Rio herrschte bei der Be-und Endladung ein „gesittetes“ Chaos. 1000 Fahrzeuge wurden neu beladen, nur 500 ließen wir dort. Jedes Fahrzeug welches von Bord ging, wurde von den örtlichen Mitarbeiten auf Schäden kontrolliert….BMW´s, Smarts und Mercedes die ab Werk an die örtlichen Händler gingen. Beladen wurden - klar, VW´s.


Gedanklich zerrten wir von dem schönen Tag in Vitoria. Laut Clemens wurde Rio, ausser die Caipi, sowieso überbewertet. Somit freuten uns auf den nächsten Stopp und auf eine schöne Ausfahrt bei Nacht...