01.08.2012

29.07.2012 León & Ocotal / Nicaragua

Das Prozedere „Ausstempeln“ in Costa Rica dauerte 1 Stunde. Aber auch nur, weil wir für die Ausreise Kopien unserer Auto-Importpapiere machen mussten und die „Bude“ mit dem Kopierer gerade Pause hatte. Daher warteten dort wir 20 min. Ansonsten muss man lediglich Mengen an sog. „Schleppern“ abschütteln, die einem bei dem Weg über die Grenze Helfen möchten und schon steht man in Nicaragua. Hoppla. Aber auch hier Schlepper, allerdings dreimal so viele.


Mit Freundlichkeit und „Nein Danke“ hatten wir sie von uns fern halten können.
Lediglich einer von ihnen biss sich fest, obwohl wir im mehrfach mitteilten, dass wir ihn nicht benötigen, da wir mit Sprache und Ablauf vertraut sind. Er war wie ein Schosshund, er lief vor und mit und nebenher und überhaupt. Er fand es vermutlich einfach cool, uns, die mit dem hier auffälligsten Auto über den doch etwas wirren Platz zu führen. Wir ignorierten ihn so gut es ging, doch ab und zu half er tatsächlich, bzw. hatte schon in der Schlange unseren Platz besetzt oder pfiff das passende Personal zu uns. Schlecht war er nicht, zumal er nicht im VORFELD eine krumme Summe genannt hatte, sondern erst mal arbeitete. Er bekam zum Schluss ein Handvoll Dollar, bedankte sich lächelnd per Handschlag und wünschte uns eine gute Reise.

Das etwas „ausführlichere“ Prozedere hier, welches ein paar Zwischenschritte mehr hatte, ging also doch recht schnell.
Die Panikmache war umsonst gewesen.

2 x 1,00 $ Eintritt zur Immigration
2 x 12,00 $ Eintritt in das Land
1 x 5,00 $ Eintritt für PKW Nummernschild
1 x 36,00 $ (Zoll) 1 x 17,00 $ Autoversicherung (min. 1 Monat)
1 x 3,00 $ Desinfektion aussen für PKW.
(Die oben genannten Preise können etwas höher sein als Wochentags.)

Die Währung CORDOBA wechselten wir zwar vor Ort, bezahlen ist aber mit Dollar möglich.
Kopien mussten wir das erste mal seit Langem keine machen.

Nun, völlig überrascht von viel Freundlichkeit, gemeinsamen Lachen mit der Beamtentruppe sowie einem Besuch im örtlichen DUTY FREE, waren wir exakt um 11:55, nach 1:55 Std. auf dem Weg in die neue (wenn auch nur kurze) Welt.

Desinfiktion
Hatte wiedermal nicht wehgetan…somit hatten wir unseren 26 ten Grenzwechsel vollzogen und befanden uns in Land 12 unserer Reise auf diesem Kontinent. Wir pesten also los.

Es war bedeckt bei 33 Grad. Die Strassen waren in erstaunlich guten Zustand, die Landschaft war grün, die Menschen am Wegesrand beim sonntäglichen Ausflug waren entweder verwirrt oder erfreut darüber uns zu sehen, guckten also etwas sprachlos oder winkten.

Der Staat Nicaragua liegt in Zentralamerika. Er grenzt im Norden an Honduras und im Süden an Costa Rica sowie im Westen an den Pazifik und im Osten an die Karibik. Nicaragua wird parallel zur Pazifikküste von einer Kette aktiver Vulkane durchzogen, weshalb es auch das Land der tausend Vulkane genannt wird. In Nicaragua leben etwa 5,68 Millionen Menschen (Stand 2007), von denen etwa 90 % in der Pazifikregion und im Managua-Gebiet leben. 


Wegen der hohen Arbeitslosigkeit gibt es in Nicaragua eine ausgeprägte Landflucht. Dabei ist die Hauptstadt Managua das wichtigste Ziel. Allerdings ist auch hier die wirtschaftliche Situation nicht wesentlich besser, und die Verstädterung bringt ihre eigenen Probleme mit sich. 


Fast 80 % der nicaraguanischen Bevölkerung lebten 2005 von unter 2 US$ pro Tag, rund 45 % von 1 US$ oder weniger. Der Nordwesten des Landes durchlebte 2005 eine Hungersnot, die immer noch nicht ausgestanden ist. Die Energiewirtschaft des Landes ist zu 70 % von Erdölimporten abhängig.
http://de.wikipedia.org/wiki/Nicaragua
Guter Asphalt...
...böser Asphalt
Bedingt durch das nebelige Wetter und die rennende Zeit fuhren wir nicht die Insel Ometepe an, die nur per Fähre zu erreichen ist, sondern die wohl schönste Stadt des Landes, genannt LEÓN. Lediglich eine Polizeikontrolle hielt uns an und maßregelte unser Fahrverhalten, welches unter normalen Umständen keinerlei Diskussion wert gewesen wäre, da es sich aber einen Sonntag handelte, wo gerne Menschen betrunken nach einen ausgedehnten Frühschoppen von der Kneipe auf die Strasse kullern oder Kinder vor das Auto springen, bat man uns heute BESONDERS vorsichtig zu fahren.

Das war übrigens der einzige Kontakt zur Polizei in diesem Land, nach dem attraktiven Polizisten an der Grenze, der eine vermeintliche Autokontrolle nach 30 Sekunden abbrach und das Auto als „sauber“ befand.

Die Hauptstrassen des Landes sind in echt gutem Zustand. Die PanAm (hier C1) führt fast schnurstracks gen Norden. Der Weg an die Pazifikküste ist ebenfalls gut ausgebaut, da sich hier inzwischen internationale Hotelketten sowie weiterer Tourismus angesiedelt haben.

Landschaftlich sieht es auch hier so grün und bergig wie in Panama und Costa Rica. Es fällt auf, dass weitaus weniger Autos im Einsatz sind. Kleinbusse sind mit Mensch, Tier und Möbeln beladen, viele Pferdegespanne, Fahrräder und Fussgänger sind unterwegs. Hier leben endlich wieder richtige Cowboys, die in Jeans und mit Hut über Wald und Wiese oder auch Strasse reiten oder ihre Herden treiben. Die Städte am Wegesrand wirken relativ klein.
Es sind lediglich Ortschaften. Die Häuser sind meist schlicht. Oftmals auch sehr schlicht. Also arm. Aber: auch hier gilt: zwar keine Tür in den Angeln, kein fliessend Wasser, schlafen auf einem Laken auf dem Lehmfussboden aber eine Satellitenschüssel auf dem Dach haben…
Abgelegen von alle dem finden sich oftmals richtig grosse Anwesen oder Haciendas.
Wir liessen die Hauptstadt Managua rechts liegen und steuerten LEÓN an.


León, vollständig Santiago de los Caballeros de León, ist die Provinzhauptstadt des gleichnamigen Verwaltungsbezirkes León im Westen Nicaraguas. Die Stadt hat ungefähr 158.000 Einwohner und liegt unweit des Pazifischen Ozeans und ist ein Zentrum des Erdnuss- und Zuckeranbaus. León wurde 1524 von Francisco Hernández de Córdoba gegründet. Das erste León (León Viejo) befand sich allerdings ca. 30 Kilometer vom heutigen entfernt. Nach einem Ausbruch des Momotombo, der die Stadt schwer traf, wurde León in der Nähe der indigenen Siedlung Subtiaba neu gegründet. Die Ruinen des alten León gehören heute als León Viejo zum UNESCO-Weltkulturerbe.
http://de.wikipedia.org/wiki/Le%C3%B3n_(Nicaragua)

Schon bei Durchfahren waren wir begeistert von diesem kleinen, ursprünglichen Bunten Fleck in der grünen Bergwelt. Hier gefiel es uns auf Anhieb. Eine sichere, schöne und saubere Bleibe für uns fanden wir auch: Endlich konnten wir mal die Österreicher unterstützten.

Wir schlenderten am Frühabend durch die Stadt, eine wunderschöne Kolonialstadt. Viele Gebäude, die in den Revolutionsjahren zerstört wurden, sind bis heute noch nicht restauriert bzw. wiederaufgebaut worden. Trotz bröckelndem Putz ist es hier nett und ursprünglich. Den Abend genossen wir in einem schönen Restaurant vor der Kathedrale.
Nacatamal
http://de.wikipedia.org/wiki/Nacatamal
Gallo Pinto  (Reis mit Bohnen) Bananen und gekochtes Rindfleisch
http://www.cuisimonde.com/die-kueche-nord-und-mittelamerikas-
und-der-karibik/mittelamerika/die-kueche-nicaraguas.html
köstliche Litschis fürn Appel und n Ei
Saftbar
Liquados (Fruchtsäfte mit Milch, Zucker und Wasser)

Nach einem Stadtbummel am Vormittag ging es dann leider schon weiter in die Nähe der Grenze zu Honduras. Denn auch hier müssen wir durch.
Die Fahrt durch das Land war wieder heiss, grün und schön.
Es gab auf den Strassen immer etwas zu sehen, was eine Fahrt logischer Weise recht angenehm macht.
Kindersitz
und das Bett MUSS mit
Cowboy on Tour
MmM
Mann mit Machete

Die Stadt OCOTAL ist klein und staubig, aber liebenswert.
Freundlich und hilfsbereit war man auch hier zu uns.
hier wird Werbung noch GROSS geschrieben (und selbst gemalt)
endlich wieder spontane, gut und günstige Handwerker
Reifen auswuchten fürn Heiermann
Das Highlight war, als wir unser Auto und uns sicher im Ortgrössten Hotel FRONTERA abstellten, dass ein Camerateam vom lokalen Sender uns entdeckte und befragte. So eine spannende Geschichte liess sich der rasende Reporter Marvin natürlich nicht nehmen uns so kam es, dass wir vor laufender Kamera die „BANDERA von Nicaragua“ an unser Auto anbrachten, danach Clemens einen Schwank aus unseren Reiseerlebnissen preis gab und wir zum Schluss zu dritt auf Löördies Motorhaube saßen und Marvin uns mit großen Augen zuhörte und sich über seine für ihn „einzigartige“ Story freute.

Das war ein schöner und lustiger Abschluss und wir waren traurig, nur so kurz in diesem schönen und freundlichen Land gewesen zu sein.
Die Zottis in den 18:00 Nachrichten
"Gringos viajan"
Nach einem traditionellem Frühstück besuchte uns Marvin und brachte uns zum "Sender."
eher deftig ;)) aber ausgewogen

Hier stellte er uns den Chef des Senders vor, der in seinem schicken Wohnhaus das gesamte Studio etc. eingerichtet hat. Hier überspielte man uns den Bericht „Gringos viajan“…danach nahmen wir den rasenden Reporter ein Stück mit in Richtung Grenze, wo er einen morgendlichen Interview-Termin hatte. Erst mal hielten wir aber kurz am Kiosk, er brauchte eine Stärkung…und zog sich um 9:05 ein kühles Bierchen auf. Fast verständlich, denn es waren schon über 30 Grad...und das Wurst, Bohnen  Bananengemisch vom Frühstück vermeldete Sodbrennen.
Studio (und Leinwand)
Eierkartons dämpfen nach wie vor gut
man zeigt uns "unseren" Bericht
..und danach wurde eine gesamte Region nach Clemens benannt...
Wir erreichten die staubige und auf ca. 1.350 gelegene Grenze um kurz vor 9:30. Auch hier das gleiche Bild. LKW`s wohin wir sahen…an denen wir auch hier vorbei fuhren und direkt vorm Schlagbaum zum Stehen kamen. Ab da ging es „los“…an jedem Fenster ein andere Beamter, um die herum Schlepper und Geldwechsler, die alle schlau dazwischen quatschten, wie auch Kinder und Mütterlein, die versuchen Obst und/oder Bananenchips zu verkaufen. Getoppt wurde das alles von Ziegen und Strassenhunden inmitten der kleinen Wellblech-und Holzbarracken die sich als Migration, Zoll und Polizeistation erwiesen.
Es sah alles so schlimm und unstrukturiert aus, aber das „Auschecken“ erledigten wir in Minuten, da uns die freundlichen Brummifahrer an der langen Schlange beim Zoll vorbei winkten. Hach, wie nett das war.
Nur 100 m weiter und wir standen schon in Honduras.

Nun waren wir aber echt gespannt, was uns hier erwarten würde…in dem Land, in dem die Polizisten und Beamten als die korruptesten des gesamten Kontinents gehandelt werden…

Info:

Das Potential für einen genialen, abwechslungsreichen Urlaub ist definitiv in Nicaragua da.
Denn auch hier gibt es zahlreiche Nationalparks, Vulkane und eine gigantische Tierwelt. Ebenfalls die noch im Vergleich zu Costa Rica und Panama unentdeckte Pazifik und Karibikküste und die Insel Ometepe, die mit ihren zwei Vulkanen zu einem echten Highlight auf diesem Landstrich gehören soll... 

Nicaragua ist noch nicht versaut, es ist noch ursprünglich. Und es ist arm.
Trotz Armut soll es hier sicher sein. Wir fühlten uns sicher.
Die großen Raubzüge finden wohl eher weiter „nördlich“ statt.
Es ist „tranquillo“ und „gesund“, so selbst die Einheimischen. 

Preislich ist es hier natürlich auch noch ursprünglicher, obwohl der Dieselpreis mit 1,00 $ / l relativ hoch ist, dafür sind Restaurantbesuche und das Einkaufen günstiger als in Costa Rica und Panama.

Ein schönes Land, es ist (noch) so jungfräulich.
Wir hoffen, dass das noch eine Weile so bleibt und wir eines Tages wiederkommen können, denn Nicaragua ist bei unserem nächsten Besuch in Zentralamerika definitiv Nummer 1 auf unserer „to do Liste.“ Darauf stossen wir an:
Macuá = Flor de Cana (Rum, hier weiss)
mit Guaven, Orangen und Zitronensaft
"zarte" 477 km haben wir insgesamt zurückgelegt

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