13.08.2012

09.08.2012 Tenosique / Mexico

Es war heiss. Irre heiss. Bei der Migration im klimatisierten Räumchen, wo der extra geweckte Stempelmeister extrem schnell seinen Dienst machte, tropften uns die Schweisstropfen auf die auszufüllenden Unterlagen. Nach der rekordverdächtigen schnellen Stempelei stürmten gleich 5 mexikanische Männer auf unser Auto.
Hier fand nun die FUMATION statt, was so viel heisst wie Desinfektion des Autos.
Aber nicht wie sonst in Form einer Art Waschanlage, nein hier lief ein kleines, zahnloses Männeken in viel zu grossen Gummistiefeln mit einer Art Kärcher um das Auto und bespritze die Reifen. Die anderen 4 Männlein, teilweise in Uniform, mit grande Pistola und Flinte, oder aber Jeans, Cowboyschuhen, hatten die Hände in den Taschen und beobachten schnalzend ihren Kollegen am Kärcher. Frucht, Gemüse und frischen Vorräte aus unserem Kühlschrank gingen dann zu Person Nummer 6, alias „El Doctore“…in der Zwischenzeit mussten wir am angrenzenden Schalter für den Kärchereinsatz bezahlen: 60,00 Pesos (ca. 3,60 €) die aber NUR in bar und in PESOS angedrückt werden konnten.

Nun hatten wir extra ein paar US Dollar auf der Hand, da diese Währung IMMER geht und wir auf mexikanischer Seite noch keine Wechselmännchen gesehen hatten. Das war dem Oberkärcherchef egal. Pesos oder kein Weiterkommen. Also wackelten wir bei gleichbleibender Hitze über die Grenze durch das Niemandsland und suchten dort einen Geldwechsler. Ein kleiner Bub von 14 Jahren aber mit einem dicken Bündel an Kohle konnte aushelfen. Hurra. Danach ging es zum neuen Zollgebäude, wo wir von einer Handvoll attraktiver Burschen in dunkelblauer Uniform begrüsst wurden. Sie waren interessiert zählten alle Deutschen Prominenten auf die sie kannten…Angefangen bei Steffi Graf….

Auch waren sie stolz wie Hulle, dass sie die Österreichische Flagge auf unserem Auto erkannten und sie nach Europa zuordneten und nicht wie man andere nach Australien. (Austria & Austalia) Der Zollbeamte war nett. Aber nur kurz. Denn er teilte uns mit, dass für unsere „Permiso de Importacion Temporal“, Erlaubnis für temporären Import des Löördie eine Kaution von 300,00 US sowie 49,00 US Bearbeitungsgebühr hinterlegen bzw. bezahlen müssten. DAS wiederum wussten wir natürlich schon von anderen Reisenden und wedelten brav mit einem Fächer diverser Kreditkarten. Er Kopf schüttelte mit dem Kopf und teilte uns freundlich mit, dass das NORMALERWEISE ja schon so ginge, aber in diesem Falle nicht, WEIL WIR HIER IN EL CEIBO wären. Dieser kleine, noch feine Grenzübergang hat kein Internet und somit auch kein Kreditkartendingsbums. Auf die Frage, weshalb wir nicht in der Landeswährung Peso zahlen könnten sagte er uns, dass die meisten importierten Fahrzeuge aus den USA kommen und daher der Dollar für dieses Unterfangen vom Gesetzt vorgeschrieben sei.. Basta.

Nun hatten wir blöderweise KEINEN Dollar Bündel oder Goldesel im Auto, da wir uns auf die Kreditkartennummer verlassen hatten. Nach Guatemala zurück? Schlecht, da bereits alles ausgestempelt und erledigt war, die nächsten 150 km gen Landesmitte war auch kein Ort mit Auswahl an Bankomaten die uns Dollar hinterherwarfen. Der Zollmann tat wenigstens so, als bedauere er diese Situation, gab uns aber folgenden Tipp: 60 km weiter liegt die Kleinstadt „Tenosiqie“…dort sollten wir hinfahren und Geld aus dem Automaten ziehen, dann wechseln und die 60 km zurückkommen. Das der Löördie somit „illegal“ im Land sei, spielte er ab. Das sei eine Notsituation und in diesem Radius würde uns nichts passieren. Wie schüttelten einfach nur den Kopf, hinterliessen demnach weitere Schweisstropfen auf seinem marmorierten Tresen und verliessen wütend das Gelände mit quietschenden Reifen. Mit uns kann man es ja machen. Es dauerte nicht lange und wir rasten in die erste Militärkontrolle…auch das noch. Hier wollte man auch eine „Revisión" durchführen und das Auto auf Drogen und Waffen kontrollieren. Wir stiegen aus und guckten in 6-8 Gewehrläufe. An die Situation müssen wir uns erst wieder gewöhnen (nach Kolumbien).

Man nahm unsere Daten auf, uns einer von ihnen spazierte mit einer Art Wünschelroute an unserem Auto entlang. Nachdem wir, schweissgebadet, in Shorts und Flipflops der Runde Frage und Antwort standen, liess man uns weiterfahren und wünschte uns eine gute Fahrt. Die Stadt Tenosique ist eine Stadt, die sicherlich so in den Reiseführern beschrieben wird: „Dieser Ort eignet sich lediglich, um sich am Wochenende mit der Dorfgemeinschaft einen auf die Lampe zu giessen“. Doof, dass wir an einem Donnerstag kamen. Die Banken die wir nach 60 km in 45 Min. Bleifuss angesteuert hatten, waren geschlossen. Durch die Scheibe schrie man mir zu, dass ich morgen früh um 9:00 wiederkommen sollte. Aha. Es war 16:00. Zwar fanden wir ein paar Bankomaten wo wir anfingen Pesos abzuheben, steuerten aber dann aber beginnendem Platzregen und Gewitter das Hotel „LUZ DEL LUNA“ an, wo man einen grossen Parkplatz für Löördie und ein sauberes Zimmer für uns hatte. Unsere erste Nacht in Mexico hatten wir uns anders vorgestellt. Bzw. WO ANDERS. Eigentlich wollten wir schon an den Pyramiden in Palenque sein. Wir versuchten das Beste draus zu machen. Gelang fast. Bei „Charly“ gegenüber feierten wir unser Land Nummer 15 bei Fachitas, Burger und Coronita. (Kaum zu glauben, wie günstig es hier ist)

Auch hier ging abends die Welt fast unter…solche Sturzbäche und Gewitter haben wir seit Ewigkeiten nicht mehr vernommen. Da wir wussten, dass in Süd-und Mittelamerika bei Banken IMMER eine Schlange ist, wollten wir clever sein um schon um 8:30 auf der Matte stehen. So clever waren 35 andere auch. Also standen wir brav in Reihe, zwischen Mütterlein, Väterlein, Obtverkäufern, Geschäftsleuten, Cowboys. Wohin ich sah, sah ich Goldzähne. In Guatemala hatten wir es vereinzelt gesehen, hier scheint es der Trend schlecht hin. Andere fahren dicke Autos, hier versilbert oder vergoldet man sich die Zähne, wenn man zeigen möchte, das man was hat. Plötzlich ging alles recht schnell und schwupps hatte ich ein Bündel Dollarnoten in der Hand und war selig. Clemens versuchte noch sein Glück am anderen Schalter um uns eine Autoversicherung zu besorgen. Laut unseren Infos sei diese obligatorisch. Bei Banken kann man sie nur abschliessen wenn man dort ein Konto hat. Wir fanden die berühmten drei Buchstaben und hielten bei der AXA.

Hier war man zwar bemüht und legte sofort los, während wir im Strassenimbiss nebenan bei LA DONA MARIA eine Yucatan-Spezialität namens PANUCHO assen. Frittierte Maisfladen, gefüllt mit gerupftem Fleisch, verfeinert mit allerlei Salaten und Soßen. Nach dem zweiten Maisfladen kümmerte sich Clemens um das AXAmännchen, ich blieb ich bei Maria, ungefähr 100 Jahre, ihrer Tochter und Enkelsohn. Sie weihten mich in das Geheimnis ihre Panuchos ein und verrieten wir sogar das Originalrezept für die figurfreundlichen und extrem köstlichen Maisfladen.

Die AXA wollte uns lediglich einen 3 Monatsvertrag für eine horrende Summe überlassen und somit stiegen wir nach 1 Stunde ohne Versicherung, dafür mit Marias Rezept ins Auto und pesten davon…auch auf der Rückreise mussten wir sowohl Polizei und Militär Rede und Antwort stehen. Beim Zoll wurden wir von den Jungs schon mit einer LaOla begrüsst, unsere Importpapiere und Plakette hatten wir innerhalb von 7 Minuten. Eine Versicherung sein in Mexico nicht Pflicht. Aha.

Nun fuhren wir gut ausgebaute Strecke zum DRITTEN Mal, es war immer noch heiss und die recht einsame Bergwelt ringsherum grün uns saftig. Zum Glück hatte grad ein Schichtwechsel stattgefunden und somit sprachen wir erneut bei Militär und Polizei vor. Hach. Manchmal kommt es auch dicke.

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