08.11.2011

05.11.2011 Enstancia Harberton - Ushuaia / Argentinien

Auch in dieser Region war die LR Defender Dichte sehr hoch. Da wir einen leichten Plattfuss verspürten, suchten wir Hilfe in einer der zahlreichen örtlichen Werkstätten. Über eine Stunde „frickelte“ man an Lord Höördie herum und präsentierte einen kleinen frechen Nagel. Der Reifen wurde für 7,00 geflickt und wir konnten weiter und mussten noch keinen Ersatzreifen „anbrechen.“
Nun machten wir Kultur und begutachten 3 Museen in der Stadt.
Hervorzuheben ist lediglich das Gefängnismuseum / Museo del Presidio.
Die Geschichte der Strafanstalten auf Feuerland beginnt gegen Ende des XIX. Jahrhunderts mit der Eröffnung des Militärgefängnisses. Dieses wurde auf den Inseln der Staaten, in San Juan de Salvamento, und später in Puerto Cook betrieben
Zuerst war es ein Gefängnis für Wiederholungstäter, die erste Gruppe Insassen kommt im Jahre 1896, jedoch später wurden auch Hochkriminelle mit lebenslangen oder sehr langen Haftstrafen dort eingesperrt.
Später, im Jahre 1902, wurde das Gefängnis aus humanen Gründen in die Stadt Ushuaia verlegt. Es wurde von den Gefangenen selbst errichtet, welche 18 Jahre dafür brauchten.
In den 380 Einzelzellen der fünf Häuser wurden zu Hochzeiten zwischen 600 und 800 Gefangene untergebracht.
Heutzutage ist das Gebäude Sitz mehrerer Museen für Kriminologie und Schifffahrt in den südlichen Meeren. So befindet sich dort das "Museo Policial" (Polizeimuseum), das "Museo Antártico" (Antartikmuseum), das "Museo Marítimo" (Seefahrtsmuseum) und das "Museo Penitenciario y Cárceles del Mundo" (Gefängnismuseum und Gefängnisse der Welt).

MS Desdemona aus HH
Danach verliessen wir die Stadt über die Ruta 3 die wir gekommen waren und bogen auf eine Schotterpiste ab. Diese führte uns zur „Estancia Harberton“ welche 85 Km östlich von Ushuaia liegt. Es ist die erste Estancia Feuerlands. Das erste Haus der Insel….und sie liegt noch etwas südlicher als Ushuaia…

Die Anreise durch die alten Wälder und Moorlandschaften war wieder toll. Was für Farben! Hier sahen viele von Flechten befallene Bäume (tun aber nichts) und auch unseren ersten „Flaggen-Baum / Flag Tree“. Hier pfiff es wirklich wie Hechtsuppe.
Flag-Tree
Die Estancia Harberton hat eine wunderbare Geschichte, die man uns in einer 1,5 stündigen Führung über das Gelände und durch die Gemäuer mitteilte…

In England wurde 1844/5 unter einer Brücke ein Findelkind gefunden. Da auf seinem Gewandt ein T sichtbar war, wurde das Kind Thomas Bridges (Bridges=Brücken) genannt und wurde von einem Missionar-Ehepaar adoptiert. Im Alter von 13 Jahren zog die Missionars-Familie auf die Falklandinseln (nähe Feuerland) um mit dein Eingeborenen zusammenzuarbeiten. Thomas erlernte leicht die Eingeborenensprache Yahgan. Mit 21 Jahren gründete er die Mission in Ushuaia und war der erste Europäer, der erfolgreich in Feuerland lebte. Unter anderem erarbeitet Thomas ein Wörterbuch, Yahgan / Englisch. Da nur noch sehr wenige Ureinwohner von Feuerland leben, ist dieses Wörterbuch das einzige übrig gebliebene sprachliche Zeugnis. Als er sein 40stes Altersjahr hinter sich hatte, gelangte er mit der Bitte, Land für sich und seine Familie zu erhalten an den Argentinischen Kongress (Präsident Roca). Er bekam ein schönes Landstück (20'000 HA) und nannte es nach dem Herkunftsort seiner Frau, Harberton (GB). Thomas lies in England ein Haus bauen, dies wieder Stück für Stück abbauen, die Teile nummerieren, und verschiffte es nach Feuerland. Somit kam wohl das erste Fertighaus nach Südamerika. Despard, eines seiner fünf Kinder, baute selber Boote. Eines, Baujahr 1901 und bis 1960 in Betrieb, kann immer noch besichtigen werden und ist noch in erstaunlich gutem Zustand. Despard und sein Bruder Lucas hielten sich mit Bootsrennen fit. Sie traten gegen die Marine und gegen die Matrosen vieler Segler, die vorbeikamen an. Die Estancia hielt Schafe und verdiente mit der Wolle ihr Geld. Da der Wollpreis vor einigen Jahren in den Keller gesunken ist und sich nicht mehr erholt hat, hat auch die Estancia Harberton mit der Schafzucht aufgehört und lebt nun vom Tourismus. Der heutige Besitzer der Estancia Harberton, Thomas Goodall, gehört zu vierten Generation der Bridges Familie und lebt wie seine Vorfahren auf der Estancia.
Man führte uns auch durch die Werkstätten und ehemaligen Scherstationen. Der Garten blühte voller bunter Blumen, die allerdings damals aus England ihren Weg hier her fanden und nicht „feuerländischer“ Natur sind. Im Dezember wird es erst spät am Tag Dunkel. Genauer gesagt um 23:00. Dadurch werden die Früchte im angelegten Garten weit aus süsser. Auch uns war schon aufgefallen, dass es in der Region verhältnismäßig lange hell war.
Hof von Harberton
Köstlichkeiten im "Teehaus"
Ebenfalls war auf dem Gelände ein Museum zu finden. Das „MUSEUM ACATUSHÚN“
Es zeigt ca. 2.200 Arten der Unterwasserwelt und 2.000 Arten von Vögeln und Pinguinen. In der ersten Abteilung des Museums hebt sich die Sammlung vollständiger Skelette südlicher Vögel wie Kondoren, Kormorane, Arktische Pinguine, Enten und Möwen hervor. Auch wird eine große Zahl von Skeletten von Orkawalen, dem seltenen Hektordelfin (eines der sieben Exemplare, die auf der Welt ausgestellt werden) und der glatte Delfin, der keine Rückenflosse besitzt und einer der schnellsten Schwimmer ist…
Ebenfalls war auf dem Gelände ein Museum zu finden. Das „MUSEUM ACATUSHÚN“
Es zeigt ca. 2.200 Arten der Unterwasserwelt und 2.000 Arten von Vögeln und Pinguinen. In der ersten Abteilung des Museums hebt sich die Sammlung vollständiger Skelette südlicher Vögel wie Kondoren, Kormorane, Arktische Pinguine, Enten und Möwen hervor. Auch wird eine große Zahl von Skeletten von Orkawalen, dem seltenen Hektordelfin (eines der sieben Exemplare, die auf der Welt ausgestellt werden) und der glatte Delfin, der keine Rückenflosse besitzt und einer der schnellsten Schwimmer ist…

Das Museum wurde von Natalie Prosser-Goodall (Ehefrau eines Familienmitglieds) auf die Beine gestellt. Es war mehr als beeindruckend, wie liebevoll und interessant es hergerichtet war. Sie wohnt noch heute auf dem Gelände und erfreut sich über Besucher.
Der Twistet Tree eignet sich zum bestens Bootbau
...und so wächst er in der Natur
Hat der was mit Essen zu tun?
Indian Bread
Zum gesamten Gebiet gehören 3 Campinggebiete in den Wäldern, die man als Besucher nach vorheriger Anmeldung nutzen darf.

Somit suchten wir uns ein schmuckes Plätzchen; merkten allerdings früh, dass wir die einzigen waren die sich registriert hatten. Es war Samstag und anscheinend ist es der Camping-Samstag für die auf Feuerlandlebenden Argentinier.

Die Campingareale waren überfüllt und somit nisteten wir uns an einer Lagune namens Victoria ein.
Es hätte so schön sein können. War es auch. Anfangs.
Fuego-Clemens war behände mit der Holzsuche und beim Stapeln von Ästen und Scheiten und errichtete ein Feuer vom Feinsten für seine Frau. Sie hatte in der Zeit frischen Salat und warme Speisen zubereitet. Man blickte auf die Lagune und die dahinterliegenden Berge, erfreute sich an der herumfliegenden und tollenden Fauna.
Wahrend sich Clemens
um das Feuer kümmert...
...kümmere ich mich um unsere Gäste!
 (Sah erst am nächsten Tag, auf dem Foto, WAS da  sass...)
Bis Bass dröhnte und Motoren brummten. 2-3 argentinische Familien genossen ebenfalls an der Lagune die Natur, allerdings mit lauter Musik, klar und fröhlichen Kindern, auch klar.

Die Kinder pesten mit Mini-Quads durch die Gegend. Ziemlich cool.
(Warum hatte ich als Kind eigentlich kein Mini-Quad?)

Die Quads waren laut und das Geräusch Nerv tötend.
(Deshalb hatte ich als Kind wohl kein Mini-Quad…)

Dann qualmte es. Clemens` Feuer wirkte so klein, als wir durch die Büsche den „Scheiterhaufen“ der anderen sahen.

Die Musik lief die ganze Nacht. Bis 5:00 Uhr.

Als wir um 8:00 aufstanden, war es heiss und sonnig. Was man uns immer wegen des schlechten Wetters „gewarnt“ hatte…

Es war auch ruhig. Wir genossen das Frühstück in der Stille.

Bis um 9:00 die Musik wieder dröhnte. Dann wurden die Quads gestartet…und dann kamen weitere Autos. Mit Menschen. Sie gingen alle auf Holzsuche.
Und bald qualmte der gesamte Wald.
Auch hier gab es den ASADO-Sonntag.
Wir düsten weiter.

03.11.2011 Parque Tierra del Fuego - Ushuaia / Argentinien

In Ushuaia gab es einige Campingmöglichkeiten. Wir wählten „La Pista del Andino“, welcher fussläufig (3 km) zur Stadt lag und einen wunderbaren Blick über die Stadt, die Berge und den Beagle Kanal bot. Ushuaia hatte sich Clemens weniger touristisch und ich mir wesentlich kleiner vorgestellt. Der Vorteil von „Sponanbesuchen“ ist, dass man sich nicht vorbereitet. So wird man überrascht. Die Stadt hat eigtl. alles was man so braucht. Es besteht ebenfalls die Möglichkeit Touren in die Antarktis oder/und Kap Horn zu machen. Ob mit einem Segelschiff oder einem Cruiser, die Touren dauern einige Tage und sind relativ teuer. Wir haben tatsächlich darüber nachgedacht, aber kein Abfahrtsdatum passte und ausserdem müssen wir ja langsam gen Santiago de Chile. Die Antarktis muss also warten. Kap Horn auch. So schnell sind die beiden da ja nicht von dannen.
Wir fuhren die Ruta 3, die wir nun schon ewig fuhren, bis zum Ende. Dann kam nichts mehr.
Sie endet nämlich im Parque Nacional „Tierra del Fuego.“
Der Nationalpark Tierra del Fuego ("Nationalpark Feuerland", span. Parque Nacional Tierra del Fuego) ist der südlichste Nationalpark Argentiniens. Das 630 km² große Schutzgebiet befindet sich im Südosten der Insel Feuerland, 18 km von der Stadt Ushuaia entfernt. Der Park wurde 1960 mit dem Hauptziel gegründet, die südlichsten subantarktischen Wälder zu schützen.
Es ist einer der argentinischen Nationalparks, neben dem UNESCO Naturreservat Valdés, der über eine Meeresküste verfügt, da er im Süden vom Beagle-Kanal begrenzt wird. Zu den landschaftlichen Attraktionen im Nationalpark zählen Gletscher, tiefe Täler und Schluchten, Flüsse und Seen sowie Torfmoore. Die Laguna Negra ist ein Beispiel für ein Torfmoor, das noch in der Entstehung begriffen ist. Innerhalb des Nationalparks gibt es eine Vielzahl von ausgeschilderten Wanderwegen, die zu verschiedenen Aussichtsplätzen oder besonderen Landschaftsformationen führen.


Hier verbrachten wir zwei Tage, wanderten kilometerweise (!) durch die wirklich schöne Natur, besuchten Biber-Lodges und die Grenze Chiles.
Bi-ba-Biberbau
Das Wetter war wie immer auf unserer Seite. Windig war es natürlich zwischendrin schon, aber  sonnig.
Abends campierten wir am Seeufer und Feuerteufel Clemens errichtete ein grandioses Lagerfeuer. Bei Vino und warmen Füssen genossen wir die Ruhe, den Blick auf den See und die verschneite Berge.
Es hätte wirklich schlimmer sein können…und wir freuten uns wie so oft über unsere Entscheidung, diesen Kontinent auf diese Weise zu bereisen..

03.11.2011

31.10.2011 Feuerland & Ushuaia / Argentinien

Nur 60 km entfernt gen Süden lag die Chilenische Grenze, die wir „kurzfristig“ überqueren mussten. Ein Teil von Feuerland gehört zu Chile, der andere zu Argentinien.
Feuerland (spanisch Tierra del Fuego, ins Deutsche übersetzt „Land des Feuers“) ist eine Inselgruppe an der Südspitze Südamerikas. Vom Festland ist Feuerland durch die Magellan-strasse getrennt. Die Inselgruppe hat eine Landfläche von 73.746 km², davon die Hauptinsel Isla Grande de Tierra del Fuego 47.000 km² und rund 251.000 Einwohner (Stand: 2006). Im östlichen, argentinischen Teil leben etwa 130.000 Menschen, im westlichen, chilenischen Teil etwa 7.000 Menschen. Feuerland wurde 1881 durch den Meridian 68° 36′ westlicher Länge in einen östlichen Teil für Argentinien (heute die Provinz Tierra del Fuego) und einen westlichen Teil für Chile (heute die Magallanes) aufgeteilt.
http://de.wikipedia.org/wiki/Feuerland

Um nach Ushuaia zu kommen, mussten wir also heute aus Argentinien raus, in Chile ein und dann wieder in Argentinien einreisen. Eine „Toleranzzone“ wie zwischen Paraguay und Brasilien gibt es bei den beiden befeindeten Ländern nicht. Die Chilenen mögen angeblich sowieso keinen ihrer Nachbarn. Bolivien nicht, weil sie ihnen den Zugang zu Meer weggenommen haben, Argentinien nicht, da sie im Falklandkrieg den Engändern geholfen haben, Peru auch nicht. Irgendwas ist halt immer.

An der Grenzstation bekamen wir einen „Laufzettel“. 6 Stationen mussten wir abgrasen…Argentinische Migration, argentinischer Zoll…dann auf zum chilenischen Migrationsschalter und weiter zum Zoll. So, das hätten wir. Nun kam nur noch die Lebensmittelkontrolle. Frische Nahrungsmittel durften auch hier nicht eingeführt werden. Glücklicherweise haben wir davon gewusst und waren davor nicht einkaufen…
Mit Hund durchsuchte man unser Auto…unseren Köder „angebrochene Butter und Käse“ übersah man grosszügig, suchte aber weiter. 1 Stunde zerpflückte ein junger Mann unser Auto, liess uns sogar die PVC Säcke vom Dach hieven und sie durch so einen Durchleuchtungsapparat schieben…Er fand nix. Noch nicht mal unser frisch gebackenes Brot, welches sich „doppelt betuppert“ in der Dreckwäsche befand.
Zum vierten Mal innerhalb der letzten 6 Montage bestiegen wir ein Schiff. In dem Fall war es mal wieder eine Fähre. Die Fähre brachte uns innerhalb von 20 Minuten durch die Magellanstrasse nach „Tierra del Fuego = Feuerland.“ 123 km später checkten wir an der Grenzstation „San Sebastian“ wieder in Argentinien ein. Die Landschaft auf Feuerland war irgendwie…? Genau gleich. Während wir so dahin fuhren, überlegten wir, wie wir uns das hier so vorgestellt hatten…

Nach 400 anstrengenden Tageskilometern landeten wir in der Grossstadt Rio Grande. Hier verirren sich nur Angler, Geschäftsleute oder Reisende auf dem Weg nach Ushuaia die noch mal einkaufen und tanken wollen. Schön war es hier nämlich nicht wirklich.
Wir hingegen wollten wir übernachten. Der örtliche Campingplatz war geschlossen oder runtergekommen. Ein Hotel musste her. Aber nicht sehr einfach, da auch dieser Ort sehr beliebt war…Nach über 2 Stunden Suche fanden wir über eine Empfehlung eines etwas ausserhalb. Eine weitere Empfehlung brachte uns zu trockenem Fleisch, stinkendem Fisch und verkochtem Gemüse. Die Stadt konnte nicht mehr punkten. Die hatten wir gefressen.

Weiter ging es nach einem Supermarktbesuch bei Sonnenschein und auch tatsächlich „Wärme“. Auf die Frage, wie die Wetterprognose für die kommenden Tage ist, entgegnete ein Einheimischer lachend: „Hier ist nichts sicher, gerne auch mal alle vier Jahreszeiten an einem Tag“…also war das kein Gerücht.

Die Landschaft war erst flach und eintönig, doch kurz vor dem Örtchen „Tolhuin“ in welchem es die sehr angesagte Bäckerei la Union gibt, änderte sich die Natur auf Knopfdruck.
Bäume, ja ganze Wälder, Hügel und Seen. Das war irgendwie schon „feuerländischer“…
Gegen Mittag des 1. Novembers erreichten wir nach genau 6 Monaten Reise die „südlichste Stadt der Welt!“

Ushuaia ist die südlichste Stadt Argentiniens und liegt am Beagle-Kanal. Die Stadt ist aber mit 54° 48' südlicher Breite weiter vom Südpol entfernt als etwa Moskau mit 55° 44' nördlicher Breite vom Nordpol. Das Wort "Ushuaia" kommt aus der Sprache der Ureinwohner Yámana und bedeutet
Alte Bekannte
Aber war es das, was wir uns unter „FIN DEL MUNDO – Ende der Welt“ vorgestellt hatten?

An unserem ersten Tag erlebten wir die 4 Jahreszeiten tatsächlich innerhalb von 2 Stunden und aßen endlich ein "Buenos Aires-typisches" Steak, welches wir nur Dank der Empfehlung von Jessica aus HH fanden.

Nicht schlecht hier so am Ende der Welt…und meistens mit strahlendem Sonnenschein!


***Fortsetzung folgt***