27.08.2011

21.08.2011 Vallegrande & La Higuera / Bolivien

Es war nach wie vor kalt, heute mal 0 Grad. Wir sassen am Lagerfeuer und entschieden uns weiter zu reisen. Ein schöner Ort bei Kälte hält auf. Wir mussten schliesslich vorankommen. Wir waren ja nicht zum Vergnügen hier. Laut Piet sollte das Wetter am Dienstag besser und somit wärmer werden. Wir waren gespannt, ob er Recht behalten sollte.
Ein paar Kilometer höher auf 1.950 liegt El Fuerte. Eine Ruinenstätte der Inkakultur.
Auf dem Plateau südlich des Felsens fanden Archäologen zahlreiche Siedlungsreste aus der Zeit bis zu 1.500 v. Chr. Seit 1998 gehört es auch zum UNESCO Weltkulturerbe.
http://de.wikipedia.org/wiki/Fuerte_de_Samaipata


Nach zwei stündigem Rundgang machten wir uns auf den Weg nach Vallegrande.
Von Dort wollten wir der „Ruta del Ché“ folgen. Wir wussten, dass die Strassenverhältnisse ab dort etwas rustikal bis spektakulär werden.

Im Jahr 1967 wurde die Leiche von Ché von dem Ort La Higuera nach Vallegrande gebracht, ausgestellt, fotografiert und anschließend heimlich auf dem Flugplatz begraben.
http://de.wikipedia.org/wiki/Ruta_del_Che

Den Ort erreichten wir im Dunkeln. Er war etwas trostlos. Die Fahrt dorthin war soweit in Ordnung. Schlimmere Strassen würden folgen. Wir befanden uns auf 2.042 m. Ein passendes Hotel für Lord Höördie fanden wir nicht. Und ihn einfach so stehenlassen ohne Bewachung tun wir nicht ohne guten Grund. Wir wussten, dass es hier ein Restaurant von einem Deutschen gab. Ihn wollten wir nach einem Stellplatz befragen. Der Weg auf den Berg war steinig und anstrengend. Der Ausblick im Dunkeln aber bereits schon toll. Die Dame des Hauses bot uns an, den Hinterhof des "el Mirador" als Park-und Schlafstätte zu nutzen. Vor dem Kamin wärmten wir uns bei bolivianischen Köstlichkeiten und Spagetti Bolognese auf. Dazu gab es gegen die Höhenkrankheit einen heissen Coca Tee. Coca Blätter gibt s an jeder Ecke. Grosse Säcke überall am Wegesrand laden zum legalen Einkauf ein. Gegen die (zT. auch tödliche) Höhenkrankheit sollen sie helfen. Am besten ein Knäul in die Wangentasche legen und kauen…Arbeiter kauen den ganzen Tag auf ihnen rum.
Es macht etwas gleichgültig bzw. „tranquillo."

Die Nacht war schattig. Aber sicher, das war die Hautsache. Unsere Schlafsäcke taten einen wunderbaren Dienst. Nun ging es um 8:30 weiter. Die Inhaberin wies uns noch drauf hin, dass das Wetter schlechter werden sollte. Sogar Schnee sollte kommen. „Ob wir Schneeketten dabei hätten?“…Nein hatten wir nicht, ausserdem hatte der Holländer gesagt, es gäbe wieder Sonne. Was denn nun?
…Und ein Defender braucht im Übrigen keine Schneeketten. Er ist ein Panzer!
Das Fenster zum Hof
Vallegrande
Trockenbau
Stromleitungen mit Einlage
Montagfrüh

Wir schlängelten uns die Serpentinen noch. Das GPS Höhenmeter stieg. Die Temperaturen fielen. Es war nebelig. Man sah die Hand - und den Abhang vor Augen nicht. Präzision war gefragt.
Es sah aus wie im Märchenland. Alles aus Zuckerwatte mit Eiszapfen…auf 3000 m Höhe.
Aber auch die Luft wurde enger.
Gegen Vormittag durchfuhren wir den Ort Pucaná…der nicht sonderlich gelungen war.
Von hier ging es zu unserem nächsten Ziel, der Hauptstadt Sucre, ehemals La Plata. Allerdings gab es noch eine weitere Route, den Weg La Higuera. dem Ort, der Ché zum Verhängnis wurde. Das bedeutete zwar für uns einem Umweg - inkl. "bolivianischer" Strassen, das nahmen wir aber in Kauf.
Willkommen in Pucaná
alle Mann anschieben
Wir folgten der „Pilgerroute“ um den letzten Ort des „el Comandante“ uns seiner Guerilla Anhänger zu erkunden. Ché und Anhang wollten hier die Lateinamerikanische Revolution starten. Wie bekannt, hat das Militär hat ihn und seine Anhänger gefunden und hingerichtet...

Die Berglandschaft und der Ausblick waren auch hier einfach grandios.
Hinter jeder Ecke kam wieder etwas neues Schönes. Wenig Gegenverkehr, vereinzelt mal ein LKW oder Kleinbus. Wie die die Berge hochkommen, ist bis heute ein Rätsel.

Gegen Mittag erreichen wir La Higuera. Ein Ort, der für und durch Ché lebt.
Eine Handvoll Menschen leben dort sowie Schweine, Rinder und Hunde.
Am Ort des Geschehens fanden wir eine überlebensgroße Büste, im ehemaligen Schulhaus vor dem er hingerichtet wurde, befindet sich eine Gedenkstätte. Pro Woche pilgern ca. 30-40 Leute in diesen kleinen, auf 2.000 m verlassenen Ort. Ebenfalls traffen wir dort eine Dame, die Ché kannte und damals alles miterlebt hat. Sie trägt ein Bild des Ché bei sich.
http://de.wikipedia.org/wiki/La_Higuera

Der Ché-Schrein

Zwei Franzosenpaare betreiben dort zwei kleine Hostel und Restaurant. Bei den 3 Jahre dort lebenden und Coca kauenden Franzosen "los amigos" geniessen wir eine warme Gemüsesuppe und heissen Coca Tee. Seit einem Jahr hat dieser Ort erst Strom…doch momentan sind die Stromleitungen durch Schnee und Eis „niedergelegt“…und das Notstromaggregat musste ran.
Los Amigos Nanou und Kriss
Gegen Nachmittag machten wir uns wieder auf die Socken. Den ganzen Nachmittag und Abend dort zu verweilen wäre zu viel gewesen. Somit suchten wir uns wieder eine schöne Strecke, die uns irgendwann in die Hauptstadt Sucre bringen sollte. Wieder Serpentinen hoch und runter, karge Berge, kurz danach üppig begrünt. Ein Fluss in der Nähe und zwischendrin im Nirgends fanden wir Baustellen.
Es war alles dabei.

Ein bepacktes Motorrad kam uns entgegen. Es war Kurt aus der Schweiz. Er kam gerade aus der Ecke wo wir hinmussten und warnte uns vor der weiteren Strecke. Obacht sei geboten und die nächste Stadt sei noch weit…
Pläuschchen...
...am Wegesrand

Wera & Friso
Wer findet das Gesicht?
Karte und GPS waren verloren, es wurde wiedermal Dunkel, als wir uns durch ein Flussbett den nächsten Berg rauf zogen. Wir entschieden einen Übernachtungsplatz zu suchen. Weiterfahren im Dunkeln macht bei den Strassenverhältnissen wenig Sinn.
Strasse
So fanden wir einen schönen, fast nicht einsehbaren Ort im Nirgends. Die Jungs kümmerten sich um das Lagerfeuer, die Mädels um das Essen. Zum Glück hatten wir in Samaipata deutschen Schinken, Salami, Brot und Schweizer Käse gefunden. Abgerundet mit nem Glaserl Vino, aus unseren echten Weingläsern, war das eine ziemlich feine Sache! Camping Deluxe lässt grüssen!
Lasset die Spiele beginnen!
Friso bei Käseplatte & Kaltgetränk
Uns könnt`s schlechter gehen 

19.08.2011 Samaipata / Bolivien

Wir ärgerten uns, dass wir in Güembe zu wenig Zeit hatten und nun das Wetter uns hängen liess. Zu gerne hätten wir tolle Fotos von den Vögeln und Schmetterlingen geschossen, leider Dank Zoll und Regen nicht machbar. So stieg die Vorfreude auf Galapagos...
Bolivianischer Wäschetrockner
Die Fahrt verlief fast problemlos. Ausser einer Polizeikontrolle. Der Polizist suchte den Stempel, das Formular von José sagte ihm nichts. Er konnte auch nicht lesen. Also ganze Geschichte von Vorne erklärt…Das konnte ja die nächsten Wochen heiter werden.
Die Landschaft wurde bergig. Wir sahen, wie der GPS – Höhenzähler nach oben schoss.
Über die Bergstrassen quälten sich neben uns auch Busse und LKW´s. Überholmanöver waren spannend. Wir erreichten den kleinen Ort Samaipata und steuerten direkt die Finca La Víspera an. Wir hatten gehört, dass es ein kleines Paradies sein sollte. Galt dies auch für Regenwetter? Begrüsst wurden wir auf Deutsch. Hurra, schon wieder ein „Ausreisser?“…es war Piet aus den Niederlanden, der hier sowohl ein Hotel, Cabaňas, Camping, Kräutergarten, Restaurant, Shop…auf die Beine gestellt hatte und betrieb. Vor 28 Jahren war er her gekommen.
Hier waren wir auf über 1.600 m Höhe. Bis dato unser Rekord auf der Reise.
http://de.wikipedia.org/wiki/Samaipata

Es war wirklich schön, auch bei Regenwetter. Glücklicher Weise gab es noch ein freies (warmes) Zimmer, sollten wir nicht im Auto schlafen wollen. Dazu eine Küche und ein privates Bad mit „europäischer“ Duschsituation. Es war kalt und bei der Vorstellung 3 Tage bei inzwischen 14 Grad und Regen im Auto zu sein, war so „naja“. Da das Zimmer auch nicht sehr viel mehr kostete, nahmen wir dankend an. Den Abend verbrachten wir in bunter Runde. Neben Wera und Friso waren noch Susan (Australien / Brisbane) und Philipe (aus Österreich / Wien) vor Ort. Die beiden waren mit Motorrad und einen Motorrad Gespann unterwegs und hatten sich erst auf der Tour kennen – und lieben gelernt. Es gibt sie noch die gute Romantik.

Tipps und Tricks wurden ausgetauscht, Speisen und Getränke auf den Tisch gebracht und geteilt. In San José hatten wir auch schon ein spannendes Paar getroffen: Belgierin & Spanier, die mit ihrer 3 jährigen Tochter auf dem Fahrrad (und im Cruiser) unterwegs waren…dazu im 7 Monat schwanger waren…nun wollten sie erst mal pausieren, bis das zweite Kind da sei. Nach ca. 4 Monaten sollte es dann weitergehen…täglich wurden ca. 60-80 km zurückgelegt. Geschlafen wurde meist in öffentlichen Einrichtungen wie Schulen, Kirchen etc. Seit das Mädchen 1 Jahr sei, sind die beiden mit ihr unterwegs.
Mir fehlen bis heute die Worte. Bei allem Respekt…

Schweizer sind ebenfalls reiselustig. Man trifft sie sehr oft, neben Franzosen!
Eine Familie im bunten, umgebauten Reisebus mit 4 (!) Kindern (5-17 Jahre)…die nebenbei unterrichtet werden. Manche verzichten auch auf Unterricht und schicken die Kinder nebenbei in die Schule, wenn sie mal eine Woche irgendwo stehen…

Zwei Frauen aus Deutschland (ca. 50 Jahre), gestartet vor 1,5 Jahren in Alaska…weitere 1,5 Jahre sollen folgen. Mit Ihrer Allradfreien VW Caravelle hatten sie bis heute KEINEN Cent für die Übernachtung ausgegeben. Das sollte auch so bleiben…

So, nun aber wieder zu uns.
Am nächsten Morgen fühlte sich Clemens bei Tageslicht wie in der Heimat Österreich. Berge. Hübsche Berge. Berge bei 3 Grad. 3! Trés! Wir geht das? Vorgestern waren es noch über 30 Grad! Piet sagte, die Kältefront dauert höchstens bis Dienstag. Mal sehen, ob er Recht haben sollte.

Ein Feuer loderte, es war gemütlich.
Clemens muckelte am Auto und versuche den roten Sand aus dem Auto zu bekommen. Nachdem ich die Schubladen und den „Küchenkrempel“ im Auto sortiert hatte, kümmerte ich mich um kaputte Hosen, Hemden etc. Also ein „fast normaler“ Samstag mit Auto-und Haushaltspflege.
Lord Höördie auf Finca la Víspera
Bei der Arbeit  -  Blog schreiben
Wera´s köstlicher Glühwein im August

Das örtliche Fitnessstudio
Am Nachmittag erkundeten wir den Ort. Auf dem örtlichen Mercado wollten wir Hackfleisch für die obligatorische Wochenend-Bolognese kaufen.
Da die „Kühlkette“ trotz eisigen Temperaturen aus Clemens` Sicht beim örtlichen „Fleischhauer“ unterbrochen war (das Fleisch hatte in der Tat eine merkwürdige Farbe und einen Haufen Fliegen) und uns mehrere abgetrennte Rinderköpfe entgegensprangen, disponierten wir um auf all'arrabbiata…

24.08.2011

14.08.2011 Santa Cruz de la Sierra / Bolivien

Früh machten wir uns auf um den Zoll zu finden. Danach wollten wir eine Werkstatt mit Namen „BAVARIA“ aufsuchen. Ein Deutscher würde uns sicherlich helfen können. Einige sagten uns, er sei sehr gut, aber nicht günstig. Lord Höördie war unser Wichtigster Mann und er brauchte Hilfe. Wir würden alles für ihn tun.

Die erste Zollstelle schickte uns weiter. Wir mussten durch die ganze Stadt. Zur Haupteinflugschneise der Stadt. Die Stadt war laut und dreckig. Nirgends etwas Grünes zu erkennen. Autofahren war hier eine Tortur. Man hupte immer. Auch wenn man sich nur einer Kreuzung näherte. Clemens tat es ihnen gleich, hupte und drängelte. Sonst würden wir den Anschluss verlieren…Angst hatte ich dabei nicht, es gehörte halt dazu.
Nun waren wir beim Hauptzoll. An den wartenden Schlangen von LKW´s fuhren wir vorbei. Wir suchten den genannten Ansprechpartner. Der lies und nach 30 Minuten Warten über seine Assistentin ausrichten, dass man uns hier nicht helfen kann.
Den Zoll hätten wir an der Grenze erledigen müssen. Hier haben sie nicht die passenden Papiere. Nach einem Hin- und Her und Clemens mit erhobener Stimme, liess sich der Seňor José persönlich blicken.
Mühsam verstand er, wie unsere Tour verlaufen war und warum wir nicht in San Mathias oder San Vincente beim Zoll gewesen waren, da die Polizei dort gesagt hatte, dass auch in Santa Cruz der Import unseres Autos machbar sei.
Wir brachten die Sache auf den Punkt:
Unser Auto dürfte ohne die Papier nicht auf die Strasse. Es könnte beschlagnahmt werden. Dass die Kollegen hier bei so etwas rigoros sind, wussten wir von zwei Deutschen. Papiere ungültig? Auto weg. Weg! Schwuppdiwupp.

Darauf wollten wir es eigentlich nicht ankommen lassen. WENN wir zur Grenze fahren würden, was lediglich von hier aus min. 700-800 Kilometer / one way sind, um den Zoll zu erledigen, wären wir illegal auf der Strasse. Allerdings kämen wir ohne Auto nicht voran und ggf. werden Motor und Chassisnummer dort kontrolliert.
Wie man es drehte und wendete, wir brauchten HIER eine Lösung, ohne das Auto bewegen zu müssen

Er gab uns Recht. Schwierige Sache. Verzwickt geradezu.
Es kam die Überlegung auf, über die Grenze in San Mathias, die geschlossen war, das Formular anzufordern. Die Herrschaften waren ja bei unserer Anreise im Streik gewesen. Heute zwar wieder im Büro, allerdings nun in der Mittagspause.

Wir sollten um 14:30 wiederkommen. Bis dahin vertrieben wir uns die Zeit gezwungenermaßen im Shoppingcenter und staunten über die günstigen Preise. Ebenfalls trafen wir dort unsere ersten Mennoiten. Sonst sahen wir sie meist in abgelegenen Orten oder auf der Strasse, meist in „Rudeln“. Sie grüssten nicht und gaben auch keine Auskunft. Sie waren unheimlich. Nun sassen sie in einem Fast Food Restaurant und schaufelten alles Ungesunde rein uns spülten es mit Cola runter. Die Männer und Jungs alle in blauer Latzhose, kariertem Hemd und Cap oder Cowboyhut. Die Frauen und Mädchen sahen aus wie vor 100 Jahren. Hässliche Kleider, Zopfkonstruktionen, blickdichte Strumpfhosen und „Alt Damen Schuhe“. Sie sahen irgendwie aus wie Albinos mit geistiger Behinderung. Ehrlich. Schön, ist anders. Es war kaum Leben in ihnen zu erkennen. Das kommt daher:
http://www.caiman.de/bolivien/mennoniten/mennoniten.shtml

Davor durften wir noch unser Auto neben den beschlagnahmten parken.
Auf der Strasse war Lord Höördie ja illegal…
Zoll

Um 15:30 teilte man uns mit, dass wir selber in San Mathias anrufen und unser Anliegen vortragen sollten. Seňor José kam mit seinem Kollegen dort nicht weiter. Man reichte uns die Nummer auf einem Post-it und schubste uns in den überfüllten Innenhof, da wäre irgendwo ein Telefon. Der Beamte in San Mathias war unfreundlich und unkooperativ. Wenn wir was wollten, sollten wir dorthin kommen. Er nannte Clemens seine Geschäftszeiten. Wir sollten vorbeikommen.
Danach sassen wir erneut in dem lauten und Klimaanlagenverseuchten Zoll Wartezimmer und wollten Seňor José nun Dampf machen. Der Fernseher, der in voller Lautstärke mit dem bolivianischen Hans Meisers und Birte Karalus lief, schepperte, dass alle gegen anschreiben mussten. Ob das Telefon am Schreibtisch der Sekretärin klingelte war eigentlich Nebensache. Wenn sie nicht wie gebannt auf die Glotze guckte, quatsche sie mit einer vorbeikommenden Freundin oder lag in ihrem Stuhl als ob sie jeden Augenblick einschlafen wurde. Das Telefon war nur lästig und wurde nur widerwillig nach 90 Sekunden abgenommen. Völlig verwundert, dass niemand mehr dran war.

Es war für uns unvorstellbar, dass man uns hier, in der grössten Stadt des Landes nicht helfen konnte…José hatte sich nun heimlich durch die Hintertür von Hof gemacht. Somit wurden wir um 17:00 vom Sicherheitspersonal des Raumes verweisen.

Völlig gefrustet versuchten den Abend zu geniessen und fanden auch einen schönen Platz in der Stadt. Bei bolivianischen Köstlichkeiten fluchten wir auf das „unfähige“ Behördentum. Wera und Friso warteten auf Ersatzteile und waren den ganzen Tag in der Stadt unterwegs gewesen um 2 neue Reifen zu finden.

Am nächsten Morgen sassen wir wieder beim Zoll. Täglich grüsst das Murmeltier.
Wir hatten eine Idee. Warum rief José nicht bei der Grenze an, wo wir bereits schon mal waren und wo wir einen guten Eindruck hinterlassen hatten, bzw. im System gelistet waren.
Es wurde Kontakt zum Grenzort Puerto Suárez aufgenommen. Unnötig zu sagen, dass es genau die Idee war, die funktionierte. 3 Stunden später hatten wir unsere Unterlagen. Allerdings ohne Stempel. Wir sollten wir nach 2 Tagen nochmal erscheinen und einen Brief mitbringen, der beinhaltete, dass wir in Puerto Suárez über die Grenze gekommen wären und erst in Santa Cruz bemerkt hätten, dass man vergessen hätte uns einen Stempel zu geben. Das wäre zwar gleich zwei Mal gelogen. Aber so funktionierte das Land anscheinend.

Der anschließende Werkstattbesuch verlief gut. Am Tag darauf sollten wir das Auto abgeben und auch wieder fit abholen können.
Endlich konnten wir die Stadt mit anderen Augen betrachten. Nett war es. Teilweise wirklich schöne Ecken. Um die Plaza des 24 September waren viele Geschäfte, Restaurants und Bars. Märkte für Handwerk und Essen waren in den Seitenstrassen und Gassen ebenfalls zu finden.
Bei über 35 Grad roch es zwar in der versmogten Stadt nicht so prima, aber wir genossen es dennoch.
http://de.wikipedia.org/wiki/Santa_Cruz_de_la_Sierra

Frischer O-Saft für wenig Geld

Bolivien ist im Tourismus (hier) noch nicht erschlossen. Die Menschen begegneten uns meist scheu. Weder in Geschäften noch auf der Strasse wird man angesprochen. Kinder fahren nicht in Kinderwägen, sondern werden getragen. Entweder auf dem Rücken in einem hübschen bunten Tuch oder irgendwie…Kinderwägen sind zu teuer und sieht man nur selten in Geschäften.
Für uns sind die Preise günstig. Ein gutes Abendessen kostet für 4 Personen 30,00 €.
Ein Abendessen mit allem Zip und Zap für 2 Personen in einem örtlichem „Spitzenrestaurant.“ (geführt von einem Deutschen) 40,00 €.
Werkstattbesuche inkl. deutscher Ersatzteile sind allerdings kein Schnäppchen. Mein geliebtes Kilo frische Erbsen statt 8,00 € (Deuschland) für 1,50 €.

Am Donnerstag 18.08. sollte es nun weitergehen. Lord Höördie war topfit. Einen kurzen Abstecher zum Zoll mussten wir noch machen, danach im Shoppingcenter einkaufen um dann endlich „auf das Land“ zu kommen….denn wir hatten genug von dieser Stadt, obwohl sie eigentlich nichts dafür konnte.

Nachdem wir am Donnerstagvormittag erneut 1,5 Stunden beim Zoll auf unseren Stempel/Unterschrift warteten und man uns sagte, wir sollen am Nachmittag zurückkommen, dann erst wäre Seňor José da, wurden wir grantig. Nützte ja aber auch nichts, somit kämen wir auch nicht an den Stempel. Ohne diesen könnten wir zwar auch fahren, aber nur so lange, bis uns ein Polizist danach fragen würde. Im Schlimmsten Fall würde er uns dann zur nächsten Grenze jagen und das wollten wir als Sightseeingpunkt vermeiden.

Somit fuhren wir in das 15 Minuten entfernte Biocentro GÜEMBE. Ein Park, mit 15 Naturschwimmbecken, herrlichem Baum- und Pflanzenbestand sowie einem riesigen Vogel und Schmetterlings-Gehege sowie Schildkröten und einem Faultier. Hotel und Campingmöglichkeiten inklusive. E war traumhaft und wunderschön. Geschmackvoll und liebevoll hergerichtet. Das wir von dort am Nachmittag nochmal in die Stadt mussten, entsprach nicht unserem Plan. Wir wollten das Erste Mal einfach 2 Tage in der Sonne liegen, an nichts denken und auch nichts tun.

Unnötig zu sagen, dass auch am Nachmittag beim Zoll niemand in die Puschen kam. Es interessierte auch niemanden, dass wir weiter wollten und seit Montag warteten. Die Sekretärin stellte auf Durchzug und kauerte sich hinter ihren PC und lauschte dem Shoppingkanal im TV. Morgen früh wäre José da. Heute wird das nix. Keiner möchte das unterschreiben. Nun war unsere Wut maßlos. Wir fluchten auf dieses Land, wäre ja klar, dass aus diesem Land nichts werden kann. Wir wollten abbrechen. Einfach auf dem schnellsten Weg nach Argentinien fahren. Aber hier befand sich ja der Salar der Uyuni, der grösste Salzsee der Welt. Den wollten wir nicht auslassen, nur weil das Land und seine Behörden nicht in der Lage sind, irgendwas hinzubekommen.
Tag der Flagge
frischer Fisch war gestern

Wir landeten gegen Nachmittag im Park, konnten gerade noch unser Auto parken und zur Nacht „herrichten“ als es dunkel wurde. Den Abend verbrachten wir vor dem Lagerfeuer. Wir bekamen Besuch von der „Chefetage“. Vater und Sohn. Mit deutsch-ungarischen Wurzeln.
Die beiden mochten die Behörden ebenfalls nicht, denn als Blonder wurde man hier direkt verurteilt.
http://www.biocentroguembe.com/deu_index.html

Am frühen Morgen ging es ohne Frühstück direkt wieder in die Stadt. Wenn alles gut gehen würde, wollten nach dem Zollbesuch zurückkommen und endlich mal einen Tag in der Sonne rumgammeln. Bis dato hatten wir nur Bauarbeiterbräune.
Freundlicherweise fing es vormittags an zu schütten. Temperaturwechsel von 32 auf 16
Grad. Olé. Das war wohl ein Zeichen. Ich sah meinen „Pooltag“ dahinschwimmen.

Auch auf die Gefahr hin, dass ihr denkt, wir seien bekloppt: Wir warteten erneut 3 (!!!) Stunden, als José entgeistert fragte, was wir hier noch wollten…anscheinend ging er davon aus, dass wir schon alles hatten…
Um 13:30 verliessen wir mit Papier, Stempel und einem Haufen neuer grauer Haare, den Hof, nachdem wir insgesamt über 16 Stunden gewartet hatten…

Der Tag wurde dadurch gekrönt, dass wir kein Diesel bekamen.
„Autos mit Ausländischem Kennzeichen dürfen wir nicht betanken“…
Dass wir nicht immer so viel bekamen, wie wir wollten war uns bereits bekannt oder mehr bezahlten wie die Einheimischen, aber so Garnichts?

Das „Schlupfloch“ war dann, dass wir unsere Kanister füllen durften. Diese könnten wir ja auch für einen Bolivianer organisieren. Also nicht für uns.
Die Kanister mussten wir davor wider Mal im Regen auf der Strasse vom Autodach hieven und ins Auto umfüllen…mit den leeren Kanistern zur Tankstelle….

Liebe auf der ersten Blick

Mit Dieselfahne an Händen und Klamotten, bei Regen und Sturm machten wir uns auf.
Nur weg aus dieser Stadt. Nächstes Ziel war die Ortschaft „Samaipata“ in den Bergen.
Für 100 Kilometer sollten 3 Stunden Fahrt anstehen.