Die erste Zollstelle schickte uns weiter. Wir mussten durch die ganze Stadt. Zur Haupteinflugschneise der Stadt. Die Stadt war laut und dreckig. Nirgends etwas Grünes zu erkennen. Autofahren war hier eine Tortur. Man hupte immer. Auch wenn man sich nur einer Kreuzung näherte. Clemens tat es ihnen gleich, hupte und drängelte. Sonst würden wir den Anschluss verlieren…Angst hatte ich dabei nicht, es gehörte halt dazu.
Nun waren wir beim Hauptzoll. An den wartenden Schlangen von LKW´s fuhren wir vorbei. Wir suchten den genannten Ansprechpartner. Der lies und nach 30 Minuten Warten über seine Assistentin ausrichten, dass man uns hier nicht helfen kann.
Den Zoll hätten wir an der Grenze erledigen müssen. Hier haben sie nicht die passenden Papiere. Nach einem Hin- und Her und Clemens mit erhobener Stimme, liess sich der Seňor José persönlich blicken.
Mühsam verstand er, wie unsere Tour verlaufen war und warum wir nicht in San Mathias oder San Vincente beim Zoll gewesen waren, da die Polizei dort gesagt hatte, dass auch in Santa Cruz der Import unseres Autos machbar sei.
Wir brachten die Sache auf den Punkt:
Unser Auto dürfte ohne die Papier nicht auf die Strasse. Es könnte beschlagnahmt werden. Dass die Kollegen hier bei so etwas rigoros sind, wussten wir von zwei Deutschen. Papiere ungültig? Auto weg. Weg! Schwuppdiwupp.
Darauf wollten wir es eigentlich nicht ankommen lassen. WENN wir zur Grenze fahren würden, was lediglich von hier aus min. 700-800 Kilometer / one way sind, um den Zoll zu erledigen, wären wir illegal auf der Strasse. Allerdings kämen wir ohne Auto nicht voran und ggf. werden Motor und Chassisnummer dort kontrolliert.
Wie man es drehte und wendete, wir brauchten HIER eine Lösung, ohne das Auto bewegen zu müssen
Er gab uns Recht. Schwierige Sache. Verzwickt geradezu.
Es kam die Überlegung auf, über die Grenze in San Mathias, die geschlossen war, das Formular anzufordern. Die Herrschaften waren ja bei unserer Anreise im Streik gewesen. Heute zwar wieder im Büro, allerdings nun in der Mittagspause.
Wir sollten um 14:30 wiederkommen. Bis dahin vertrieben wir uns die Zeit gezwungenermaßen im Shoppingcenter und staunten über die günstigen Preise. Ebenfalls trafen wir dort unsere ersten Mennoiten. Sonst sahen wir sie meist in abgelegenen Orten oder auf der Strasse, meist in „Rudeln“. Sie grüssten nicht und gaben auch keine Auskunft. Sie waren unheimlich. Nun sassen sie in einem Fast Food Restaurant und schaufelten alles Ungesunde rein uns spülten es mit Cola runter. Die Männer und Jungs alle in blauer Latzhose, kariertem Hemd und Cap oder Cowboyhut. Die Frauen und Mädchen sahen aus wie vor 100 Jahren. Hässliche Kleider, Zopfkonstruktionen, blickdichte Strumpfhosen und „Alt Damen Schuhe“. Sie sahen irgendwie aus wie Albinos mit geistiger Behinderung. Ehrlich. Schön, ist anders. Es war kaum Leben in ihnen zu erkennen. Das kommt daher:
http://www.caiman.de/bolivien/mennoniten/mennoniten.shtml
Davor durften wir noch unser Auto neben den beschlagnahmten parken.
Auf der Strasse war Lord Höördie ja illegal…
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| Zoll |
Um 15:30 teilte man uns mit, dass wir selber in San Mathias anrufen und unser Anliegen vortragen sollten. Seňor José kam mit seinem Kollegen dort nicht weiter. Man reichte uns die Nummer auf einem Post-it und schubste uns in den überfüllten Innenhof, da wäre irgendwo ein Telefon. Der Beamte in San Mathias war unfreundlich und unkooperativ. Wenn wir was wollten, sollten wir dorthin kommen. Er nannte Clemens seine Geschäftszeiten. Wir sollten vorbeikommen.
Danach sassen wir erneut in dem lauten und Klimaanlagenverseuchten Zoll Wartezimmer und wollten Seňor José nun Dampf machen. Der Fernseher, der in voller Lautstärke mit dem bolivianischen Hans Meisers und Birte Karalus lief, schepperte, dass alle gegen anschreiben mussten. Ob das Telefon am Schreibtisch der Sekretärin klingelte war eigentlich Nebensache. Wenn sie nicht wie gebannt auf die Glotze guckte, quatsche sie mit einer vorbeikommenden Freundin oder lag in ihrem Stuhl als ob sie jeden Augenblick einschlafen wurde. Das Telefon war nur lästig und wurde nur widerwillig nach 90 Sekunden abgenommen. Völlig verwundert, dass niemand mehr dran war.
Es war für uns unvorstellbar, dass man uns hier, in der grössten Stadt des Landes nicht helfen konnte…José hatte sich nun heimlich durch die Hintertür von Hof gemacht. Somit wurden wir um 17:00 vom Sicherheitspersonal des Raumes verweisen.
Völlig gefrustet versuchten den Abend zu geniessen und fanden auch einen schönen Platz in der Stadt. Bei bolivianischen Köstlichkeiten fluchten wir auf das „unfähige“ Behördentum. Wera und Friso warteten auf Ersatzteile und waren den ganzen Tag in der Stadt unterwegs gewesen um 2 neue Reifen zu finden.
Am nächsten Morgen sassen wir wieder beim Zoll. Täglich grüsst das Murmeltier.
Wir hatten eine Idee. Warum rief José nicht bei der Grenze an, wo wir bereits schon mal waren und wo wir einen guten Eindruck hinterlassen hatten, bzw. im System gelistet waren.
Es wurde Kontakt zum Grenzort Puerto Suárez aufgenommen. Unnötig zu sagen, dass es genau die Idee war, die funktionierte. 3 Stunden später hatten wir unsere Unterlagen. Allerdings ohne Stempel. Wir sollten wir nach 2 Tagen nochmal erscheinen und einen Brief mitbringen, der beinhaltete, dass wir in Puerto Suárez über die Grenze gekommen wären und erst in Santa Cruz bemerkt hätten, dass man vergessen hätte uns einen Stempel zu geben. Das wäre zwar gleich zwei Mal gelogen. Aber so funktionierte das Land anscheinend.
Der anschließende Werkstattbesuch verlief gut. Am Tag darauf sollten wir das Auto abgeben und auch wieder fit abholen können.
Endlich konnten wir die Stadt mit anderen Augen betrachten. Nett war es. Teilweise wirklich schöne Ecken. Um die Plaza des 24 September waren viele Geschäfte, Restaurants und Bars. Märkte für Handwerk und Essen waren in den Seitenstrassen und Gassen ebenfalls zu finden.
Bei über 35 Grad roch es zwar in der versmogten Stadt nicht so prima, aber wir genossen es dennoch.
http://de.wikipedia.org/wiki/Santa_Cruz_de_la_Sierra
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| Frischer O-Saft für wenig Geld |
Bolivien ist im Tourismus (hier) noch nicht erschlossen. Die Menschen begegneten uns meist scheu. Weder in Geschäften noch auf der Strasse wird man angesprochen. Kinder fahren nicht in Kinderwägen, sondern werden getragen. Entweder auf dem Rücken in einem hübschen bunten Tuch oder irgendwie…Kinderwägen sind zu teuer und sieht man nur selten in Geschäften.
Für uns sind die Preise günstig. Ein gutes Abendessen kostet für 4 Personen 30,00 €.
Ein Abendessen mit allem Zip und Zap für 2 Personen in einem örtlichem „Spitzenrestaurant.“ (geführt von einem Deutschen) 40,00 €.
Werkstattbesuche inkl. deutscher Ersatzteile sind allerdings kein Schnäppchen. Mein geliebtes Kilo frische Erbsen statt 8,00 € (Deuschland) für 1,50 €.
Am Donnerstag 18.08. sollte es nun weitergehen. Lord Höördie war topfit. Einen kurzen Abstecher zum Zoll mussten wir noch machen, danach im Shoppingcenter einkaufen um dann endlich „auf das Land“ zu kommen….denn wir hatten genug von dieser Stadt, obwohl sie eigentlich nichts dafür konnte.
Nachdem wir am Donnerstagvormittag erneut 1,5 Stunden beim Zoll auf unseren Stempel/Unterschrift warteten und man uns sagte, wir sollen am Nachmittag zurückkommen, dann erst wäre Seňor José da, wurden wir grantig. Nützte ja aber auch nichts, somit kämen wir auch nicht an den Stempel. Ohne diesen könnten wir zwar auch fahren, aber nur so lange, bis uns ein Polizist danach fragen würde. Im Schlimmsten Fall würde er uns dann zur nächsten Grenze jagen und das wollten wir als Sightseeingpunkt vermeiden.
Somit fuhren wir in das 15 Minuten entfernte Biocentro GÜEMBE. Ein Park, mit 15 Naturschwimmbecken, herrlichem Baum- und Pflanzenbestand sowie einem riesigen Vogel und Schmetterlings-Gehege sowie Schildkröten und einem Faultier. Hotel und Campingmöglichkeiten inklusive. E war traumhaft und wunderschön. Geschmackvoll und liebevoll hergerichtet. Das wir von dort am Nachmittag nochmal in die Stadt mussten, entsprach nicht unserem Plan. Wir wollten das Erste Mal einfach 2 Tage in der Sonne liegen, an nichts denken und auch nichts tun.
Unnötig zu sagen, dass auch am Nachmittag beim Zoll niemand in die Puschen kam. Es interessierte auch niemanden, dass wir weiter wollten und seit Montag warteten. Die Sekretärin stellte auf Durchzug und kauerte sich hinter ihren PC und lauschte dem Shoppingkanal im TV. Morgen früh wäre José da. Heute wird das nix. Keiner möchte das unterschreiben. Nun war unsere Wut maßlos. Wir fluchten auf dieses Land, wäre ja klar, dass aus diesem Land nichts werden kann. Wir wollten abbrechen. Einfach auf dem schnellsten Weg nach Argentinien fahren. Aber hier befand sich ja der Salar der Uyuni, der grösste Salzsee der Welt. Den wollten wir nicht auslassen, nur weil das Land und seine Behörden nicht in der Lage sind, irgendwas hinzubekommen.
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| Tag der Flagge |
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| frischer Fisch war gestern |
Wir landeten gegen Nachmittag im Park, konnten gerade noch unser Auto parken und zur Nacht „herrichten“ als es dunkel wurde. Den Abend verbrachten wir vor dem Lagerfeuer. Wir bekamen Besuch von der „Chefetage“. Vater und Sohn. Mit deutsch-ungarischen Wurzeln.
Die beiden mochten die Behörden ebenfalls nicht, denn als Blonder wurde man hier direkt verurteilt.
http://www.biocentroguembe.com/deu_index.html
Am frühen Morgen ging es ohne Frühstück direkt wieder in die Stadt. Wenn alles gut gehen würde, wollten nach dem Zollbesuch zurückkommen und endlich mal einen Tag in der Sonne rumgammeln. Bis dato hatten wir nur Bauarbeiterbräune.
Freundlicherweise fing es vormittags an zu schütten. Temperaturwechsel von 32 auf 16
Grad. Olé. Das war wohl ein Zeichen. Ich sah meinen „Pooltag“ dahinschwimmen.
Auch auf die Gefahr hin, dass ihr denkt, wir seien bekloppt: Wir warteten erneut 3 (!!!) Stunden, als José entgeistert fragte, was wir hier noch wollten…anscheinend ging er davon aus, dass wir schon alles hatten…
Um 13:30 verliessen wir mit Papier, Stempel und einem Haufen neuer grauer Haare, den Hof, nachdem wir insgesamt über 16 Stunden gewartet hatten…
Der Tag wurde dadurch gekrönt, dass wir kein Diesel bekamen.
„Autos mit Ausländischem Kennzeichen dürfen wir nicht betanken“…
Dass wir nicht immer so viel bekamen, wie wir wollten war uns bereits bekannt oder mehr bezahlten wie die Einheimischen, aber so Garnichts?
Das „Schlupfloch“ war dann, dass wir unsere Kanister füllen durften. Diese könnten wir ja auch für einen Bolivianer organisieren. Also nicht für uns.
Die Kanister mussten wir davor wider Mal im Regen auf der Strasse vom Autodach hieven und ins Auto umfüllen…mit den leeren Kanistern zur Tankstelle….
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| Liebe auf der ersten Blick |
Mit Dieselfahne an Händen und Klamotten, bei Regen und Sturm machten wir uns auf.
Nur weg aus dieser Stadt. Nächstes Ziel war die Ortschaft „Samaipata“ in den Bergen.
Für 100 Kilometer sollten 3 Stunden Fahrt anstehen.

















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