24.08.2011

14.08.2011 Santa Cruz de la Sierra / Bolivien

Früh machten wir uns auf um den Zoll zu finden. Danach wollten wir eine Werkstatt mit Namen „BAVARIA“ aufsuchen. Ein Deutscher würde uns sicherlich helfen können. Einige sagten uns, er sei sehr gut, aber nicht günstig. Lord Höördie war unser Wichtigster Mann und er brauchte Hilfe. Wir würden alles für ihn tun.

Die erste Zollstelle schickte uns weiter. Wir mussten durch die ganze Stadt. Zur Haupteinflugschneise der Stadt. Die Stadt war laut und dreckig. Nirgends etwas Grünes zu erkennen. Autofahren war hier eine Tortur. Man hupte immer. Auch wenn man sich nur einer Kreuzung näherte. Clemens tat es ihnen gleich, hupte und drängelte. Sonst würden wir den Anschluss verlieren…Angst hatte ich dabei nicht, es gehörte halt dazu.
Nun waren wir beim Hauptzoll. An den wartenden Schlangen von LKW´s fuhren wir vorbei. Wir suchten den genannten Ansprechpartner. Der lies und nach 30 Minuten Warten über seine Assistentin ausrichten, dass man uns hier nicht helfen kann.
Den Zoll hätten wir an der Grenze erledigen müssen. Hier haben sie nicht die passenden Papiere. Nach einem Hin- und Her und Clemens mit erhobener Stimme, liess sich der Seňor José persönlich blicken.
Mühsam verstand er, wie unsere Tour verlaufen war und warum wir nicht in San Mathias oder San Vincente beim Zoll gewesen waren, da die Polizei dort gesagt hatte, dass auch in Santa Cruz der Import unseres Autos machbar sei.
Wir brachten die Sache auf den Punkt:
Unser Auto dürfte ohne die Papier nicht auf die Strasse. Es könnte beschlagnahmt werden. Dass die Kollegen hier bei so etwas rigoros sind, wussten wir von zwei Deutschen. Papiere ungültig? Auto weg. Weg! Schwuppdiwupp.

Darauf wollten wir es eigentlich nicht ankommen lassen. WENN wir zur Grenze fahren würden, was lediglich von hier aus min. 700-800 Kilometer / one way sind, um den Zoll zu erledigen, wären wir illegal auf der Strasse. Allerdings kämen wir ohne Auto nicht voran und ggf. werden Motor und Chassisnummer dort kontrolliert.
Wie man es drehte und wendete, wir brauchten HIER eine Lösung, ohne das Auto bewegen zu müssen

Er gab uns Recht. Schwierige Sache. Verzwickt geradezu.
Es kam die Überlegung auf, über die Grenze in San Mathias, die geschlossen war, das Formular anzufordern. Die Herrschaften waren ja bei unserer Anreise im Streik gewesen. Heute zwar wieder im Büro, allerdings nun in der Mittagspause.

Wir sollten um 14:30 wiederkommen. Bis dahin vertrieben wir uns die Zeit gezwungenermaßen im Shoppingcenter und staunten über die günstigen Preise. Ebenfalls trafen wir dort unsere ersten Mennoiten. Sonst sahen wir sie meist in abgelegenen Orten oder auf der Strasse, meist in „Rudeln“. Sie grüssten nicht und gaben auch keine Auskunft. Sie waren unheimlich. Nun sassen sie in einem Fast Food Restaurant und schaufelten alles Ungesunde rein uns spülten es mit Cola runter. Die Männer und Jungs alle in blauer Latzhose, kariertem Hemd und Cap oder Cowboyhut. Die Frauen und Mädchen sahen aus wie vor 100 Jahren. Hässliche Kleider, Zopfkonstruktionen, blickdichte Strumpfhosen und „Alt Damen Schuhe“. Sie sahen irgendwie aus wie Albinos mit geistiger Behinderung. Ehrlich. Schön, ist anders. Es war kaum Leben in ihnen zu erkennen. Das kommt daher:
http://www.caiman.de/bolivien/mennoniten/mennoniten.shtml

Davor durften wir noch unser Auto neben den beschlagnahmten parken.
Auf der Strasse war Lord Höördie ja illegal…
Zoll

Um 15:30 teilte man uns mit, dass wir selber in San Mathias anrufen und unser Anliegen vortragen sollten. Seňor José kam mit seinem Kollegen dort nicht weiter. Man reichte uns die Nummer auf einem Post-it und schubste uns in den überfüllten Innenhof, da wäre irgendwo ein Telefon. Der Beamte in San Mathias war unfreundlich und unkooperativ. Wenn wir was wollten, sollten wir dorthin kommen. Er nannte Clemens seine Geschäftszeiten. Wir sollten vorbeikommen.
Danach sassen wir erneut in dem lauten und Klimaanlagenverseuchten Zoll Wartezimmer und wollten Seňor José nun Dampf machen. Der Fernseher, der in voller Lautstärke mit dem bolivianischen Hans Meisers und Birte Karalus lief, schepperte, dass alle gegen anschreiben mussten. Ob das Telefon am Schreibtisch der Sekretärin klingelte war eigentlich Nebensache. Wenn sie nicht wie gebannt auf die Glotze guckte, quatsche sie mit einer vorbeikommenden Freundin oder lag in ihrem Stuhl als ob sie jeden Augenblick einschlafen wurde. Das Telefon war nur lästig und wurde nur widerwillig nach 90 Sekunden abgenommen. Völlig verwundert, dass niemand mehr dran war.

Es war für uns unvorstellbar, dass man uns hier, in der grössten Stadt des Landes nicht helfen konnte…José hatte sich nun heimlich durch die Hintertür von Hof gemacht. Somit wurden wir um 17:00 vom Sicherheitspersonal des Raumes verweisen.

Völlig gefrustet versuchten den Abend zu geniessen und fanden auch einen schönen Platz in der Stadt. Bei bolivianischen Köstlichkeiten fluchten wir auf das „unfähige“ Behördentum. Wera und Friso warteten auf Ersatzteile und waren den ganzen Tag in der Stadt unterwegs gewesen um 2 neue Reifen zu finden.

Am nächsten Morgen sassen wir wieder beim Zoll. Täglich grüsst das Murmeltier.
Wir hatten eine Idee. Warum rief José nicht bei der Grenze an, wo wir bereits schon mal waren und wo wir einen guten Eindruck hinterlassen hatten, bzw. im System gelistet waren.
Es wurde Kontakt zum Grenzort Puerto Suárez aufgenommen. Unnötig zu sagen, dass es genau die Idee war, die funktionierte. 3 Stunden später hatten wir unsere Unterlagen. Allerdings ohne Stempel. Wir sollten wir nach 2 Tagen nochmal erscheinen und einen Brief mitbringen, der beinhaltete, dass wir in Puerto Suárez über die Grenze gekommen wären und erst in Santa Cruz bemerkt hätten, dass man vergessen hätte uns einen Stempel zu geben. Das wäre zwar gleich zwei Mal gelogen. Aber so funktionierte das Land anscheinend.

Der anschließende Werkstattbesuch verlief gut. Am Tag darauf sollten wir das Auto abgeben und auch wieder fit abholen können.
Endlich konnten wir die Stadt mit anderen Augen betrachten. Nett war es. Teilweise wirklich schöne Ecken. Um die Plaza des 24 September waren viele Geschäfte, Restaurants und Bars. Märkte für Handwerk und Essen waren in den Seitenstrassen und Gassen ebenfalls zu finden.
Bei über 35 Grad roch es zwar in der versmogten Stadt nicht so prima, aber wir genossen es dennoch.
http://de.wikipedia.org/wiki/Santa_Cruz_de_la_Sierra

Frischer O-Saft für wenig Geld

Bolivien ist im Tourismus (hier) noch nicht erschlossen. Die Menschen begegneten uns meist scheu. Weder in Geschäften noch auf der Strasse wird man angesprochen. Kinder fahren nicht in Kinderwägen, sondern werden getragen. Entweder auf dem Rücken in einem hübschen bunten Tuch oder irgendwie…Kinderwägen sind zu teuer und sieht man nur selten in Geschäften.
Für uns sind die Preise günstig. Ein gutes Abendessen kostet für 4 Personen 30,00 €.
Ein Abendessen mit allem Zip und Zap für 2 Personen in einem örtlichem „Spitzenrestaurant.“ (geführt von einem Deutschen) 40,00 €.
Werkstattbesuche inkl. deutscher Ersatzteile sind allerdings kein Schnäppchen. Mein geliebtes Kilo frische Erbsen statt 8,00 € (Deuschland) für 1,50 €.

Am Donnerstag 18.08. sollte es nun weitergehen. Lord Höördie war topfit. Einen kurzen Abstecher zum Zoll mussten wir noch machen, danach im Shoppingcenter einkaufen um dann endlich „auf das Land“ zu kommen….denn wir hatten genug von dieser Stadt, obwohl sie eigentlich nichts dafür konnte.

Nachdem wir am Donnerstagvormittag erneut 1,5 Stunden beim Zoll auf unseren Stempel/Unterschrift warteten und man uns sagte, wir sollen am Nachmittag zurückkommen, dann erst wäre Seňor José da, wurden wir grantig. Nützte ja aber auch nichts, somit kämen wir auch nicht an den Stempel. Ohne diesen könnten wir zwar auch fahren, aber nur so lange, bis uns ein Polizist danach fragen würde. Im Schlimmsten Fall würde er uns dann zur nächsten Grenze jagen und das wollten wir als Sightseeingpunkt vermeiden.

Somit fuhren wir in das 15 Minuten entfernte Biocentro GÜEMBE. Ein Park, mit 15 Naturschwimmbecken, herrlichem Baum- und Pflanzenbestand sowie einem riesigen Vogel und Schmetterlings-Gehege sowie Schildkröten und einem Faultier. Hotel und Campingmöglichkeiten inklusive. E war traumhaft und wunderschön. Geschmackvoll und liebevoll hergerichtet. Das wir von dort am Nachmittag nochmal in die Stadt mussten, entsprach nicht unserem Plan. Wir wollten das Erste Mal einfach 2 Tage in der Sonne liegen, an nichts denken und auch nichts tun.

Unnötig zu sagen, dass auch am Nachmittag beim Zoll niemand in die Puschen kam. Es interessierte auch niemanden, dass wir weiter wollten und seit Montag warteten. Die Sekretärin stellte auf Durchzug und kauerte sich hinter ihren PC und lauschte dem Shoppingkanal im TV. Morgen früh wäre José da. Heute wird das nix. Keiner möchte das unterschreiben. Nun war unsere Wut maßlos. Wir fluchten auf dieses Land, wäre ja klar, dass aus diesem Land nichts werden kann. Wir wollten abbrechen. Einfach auf dem schnellsten Weg nach Argentinien fahren. Aber hier befand sich ja der Salar der Uyuni, der grösste Salzsee der Welt. Den wollten wir nicht auslassen, nur weil das Land und seine Behörden nicht in der Lage sind, irgendwas hinzubekommen.
Tag der Flagge
frischer Fisch war gestern

Wir landeten gegen Nachmittag im Park, konnten gerade noch unser Auto parken und zur Nacht „herrichten“ als es dunkel wurde. Den Abend verbrachten wir vor dem Lagerfeuer. Wir bekamen Besuch von der „Chefetage“. Vater und Sohn. Mit deutsch-ungarischen Wurzeln.
Die beiden mochten die Behörden ebenfalls nicht, denn als Blonder wurde man hier direkt verurteilt.
http://www.biocentroguembe.com/deu_index.html

Am frühen Morgen ging es ohne Frühstück direkt wieder in die Stadt. Wenn alles gut gehen würde, wollten nach dem Zollbesuch zurückkommen und endlich mal einen Tag in der Sonne rumgammeln. Bis dato hatten wir nur Bauarbeiterbräune.
Freundlicherweise fing es vormittags an zu schütten. Temperaturwechsel von 32 auf 16
Grad. Olé. Das war wohl ein Zeichen. Ich sah meinen „Pooltag“ dahinschwimmen.

Auch auf die Gefahr hin, dass ihr denkt, wir seien bekloppt: Wir warteten erneut 3 (!!!) Stunden, als José entgeistert fragte, was wir hier noch wollten…anscheinend ging er davon aus, dass wir schon alles hatten…
Um 13:30 verliessen wir mit Papier, Stempel und einem Haufen neuer grauer Haare, den Hof, nachdem wir insgesamt über 16 Stunden gewartet hatten…

Der Tag wurde dadurch gekrönt, dass wir kein Diesel bekamen.
„Autos mit Ausländischem Kennzeichen dürfen wir nicht betanken“…
Dass wir nicht immer so viel bekamen, wie wir wollten war uns bereits bekannt oder mehr bezahlten wie die Einheimischen, aber so Garnichts?

Das „Schlupfloch“ war dann, dass wir unsere Kanister füllen durften. Diese könnten wir ja auch für einen Bolivianer organisieren. Also nicht für uns.
Die Kanister mussten wir davor wider Mal im Regen auf der Strasse vom Autodach hieven und ins Auto umfüllen…mit den leeren Kanistern zur Tankstelle….

Liebe auf der ersten Blick

Mit Dieselfahne an Händen und Klamotten, bei Regen und Sturm machten wir uns auf.
Nur weg aus dieser Stadt. Nächstes Ziel war die Ortschaft „Samaipata“ in den Bergen.
Für 100 Kilometer sollten 3 Stunden Fahrt anstehen.

18.08.2011

13.08.2011 San José de Chiquitos / Bolivien

Zuerst fuhren wir nach San Miquel, wo wir die schönste Jesuiten Kirche vorfanden. Der Weg dahin war schwer und staubig. Es waren nur 30 Kilometer, doch die erreichten wir erst nach über 1 Stunde. Danach ging es weiter nach San Rafael. Auch hier ein schmuckes Kirchen- Überbleibsel sowie furchtbare Strassen. Dort bemerkten wir, dass wir ein Problem mit unserem vorderen linken Stossdämpfer hatten. Friso, im „richtigen“ Leben auch Landyfahrer, sagte mit fachmännischem Auge, dass wir vorsichtig weiterfahren sollten. Eine andere Chance hatten wir auch nicht. Dieser Ort war klein. Mini klein. Selbst in San Ignacio weigerte man sich Ersatzteile zu bestellen.
Manche Dinge gab es einfach nicht.
Lord Höördie mit Kumpel Sprinterli
Tante Tina hat Lolli verteilt

Somit blieb uns nichts anderes übrig, als den Weg nach San José anzusteuern.
Knapp 100 Kilometer sollten es sein. Wir hüpften los. Dank unserer Stossdämpfer wurde Lord Höördie nun zum Lowrider alias Flummi bzw. PingPong. Die Strassen wurden nicht besser. Im Gegenteil. Noch immer Hitze, Staub und Schlaglöcher. Mühevoll kamen wir voran. Irgendwann bemerkten wir, dass es an unserem Auto mächtig schepperte. Es wurde schlimmer. Ein Blick unter das Auto besagte, dass der Stossdäpfer komplett aus allen Angeln gefallen war. Nix hielt mehr.
Also Vorsichtig weiterfahren. Bei angehender Dunkelheit. Die Gegend war trostlos und es gab nichts wo wir hätten anhalten, bzw. übernachten können. Das Auto dort stehenlassen? Ginge, wäre dann aber am nächsten Tag weg oder mindestens ausgeschlachtet.
Das GPS zeigte noch über 5 Std. nach San Josè an…keine leichte Kost für einen Samstagabend. Wir dachten daran, was wir anstelle dieser Tour gerade machten könnten…Wetten dass auf dem Sofa, letzten Abend auf dem Maschseefest geniessen…
Das Essen an Bord wurde knapp. Unterwegs konnte man nicht „mal so eben etwas
kaufen“..daher kämpften wir mit Erdnüssen, Crackern uns Müsliriegeln.

Irgendwann sahen Wera und Friso, die sich unserem Tempo angepasst hatten und uns freundlicherweise nicht von der Seite wichen, nicht mehr im Rückspiegel. Über Walkie-Talkie erfuhren wir, dass sie ein Problem hatten. Langsam hüpften wir zurück… uns sahen die beiden unter Ihrem Auto. Ein Vorderreifen war hinüber. Der letzte Ersatzreifen wurde gezückt. Die beiden waren im Reifenwechsel flott und unschlagbar. Dennoch hiess es nun „tranquillo“…denn hier wollten wir alle nicht stehenbleiben….

Nach 6 Stunden hatten wir 100 Kilometer hinter uns gebracht. Wir standen in San José vor der Villa des Franzmannes. Nur noch heiss duschen und mollig ins Bett….wenn er denn ein Plätzchen für uns haben sollte. Vorab konnten wir ihn nicht über unsere Ankunft informieren, da wir spontan in San Raphael entschieden hatten zu kommen und die nördlichen Jesuiten Missionen auszulassen.

Bolivien – irgendwas ist immer! … in dem Fall war niemand im Hotel, ausser der Koka-kauende Gärtner. Ich wollte schreien.
Nach langem hin und her erreichten wir den Chef Jerome. Er kam angepest und erkannte uns sofort. Vera und Friso bekamen einen wunderschönen Stellplatz im Garten am Pool, wir „unser“ altes Zimmer. Nach unserem obligatorischem Ankunftsbierchen und heisser Dusche fielen wir alle ins Koma.

Nach einem grandiosen Frühstück wollte ich es mir heute mal gemütlich machen. Ob ihr es glaubt oder nicht, einen ganzen Tag rumgammeln am Pool etc. hat es noch nicht gegeben. Nicht! Reisen ist anstrengend. Das hatten wir uns eigentlich anders vorgestellt.
Und auch heute blieben wir vor der Entspannung verschont. Es war Sonntag und die Jungs entschieden, heute nach Santa Cruz aufzubrechen. Im Montagsverkehr würde die Fahrt nicht besser sein. Über 250 Kilometer erwarteten uns.
Da der Morgen aber ohne Komplikationen verlief, mussten wir ja etwas für die Statistik „Bolivien - irgendwas ist immer“ erledigen. Das Gelände wurde nicht verlassen, ohne eine Fussballgrosse Schildkröte, die sich unter einem Auto versteckt hatte, eine „Panzerlage“ kürzer zu machen. Wir hoffen bis heute, dass der alte Dinosaurier wieder fit ist.

Die Strasse nach Santa Cruz sollte gut sein. Teilweise.
Nur ein „Stückchen“ wäre Erdstrasse.
Von wegen. Wiedermals quälten wir uns über die schlechte Strasse. Durch Baustellen.
Die Hitze war unerträglich, das Klappern und Hüpfen des Autos auch.
Am liebsten hätte ich geschrien. Half uns aber auch nicht weiter.

Nach über 3 Stunden auf der ungemütlichen Strasse, kamen die letzten 165 Kilometer auf befestigter Strasse. Da fühlte sich Lowirider Höördie dann sichtlich wohler und peste mit 75 km/std hinter Sprinterli her. Glücklicher Weise hatten unsere „Ostfriesen“ ein GPS mit aktueller Karte und Friso kämpfte sich souverän durch den nächtlichen Grosstadt Dschungel in Santa Cruz, Clemens tat es ihm Gleich und hupte und drängelte was das Zeug hielt…bis wir vor einem Hotel standen. Jetzt musste nur noch ein passender Parkplatz gefunden werden….Um 22:00 sassen wir bei Ankunftsbier im Innenhof des Hotels. Wir wussten, dass morgen ein Tag der Organisation werden würde…Auf uns wartete der Zoll sowie eine Werkstadt, die sich mit Land Rovern uns Stossdämpfern auskennen würde…

11.08.2011 San Ignacio de Velasco / Bolivien

Wir hörten von Wera und Friso per SMS das es an der Grenze nicht ganz „rund“ läuft. Sie mussten beim Zoll an der Grenze übernachten um dann vor einer verschlossenen Grenze zu stehen. Die Bolivianer hatten sie dicht gemacht. Spontan. So halt. Nix zu machen. Der Grund war lachhaft.

Wir versuchten dennoch unser Glück um 7:00 früh.
Keine Chance. Nix. Nickes. Zero. Glatte 6. Nullinger.
Die netten Brasilianischen Polizisten erklärten und skizzierten uns eine neue Möglichkeit. Einen Weg durch das Hinterland. 300 Kilometer Asphaltstraße, der Rest (die Zahl war nicht bekannt) war „unbefestigt“, über Schotterpisten, durch den Dschungel…irgendwo in der Pampa wäre noch ein Schlupfloch nach Bolivien.

Das sollten wir versuchen. Ansonsten müssten wir zurück nach Corumbá.
Und das wäre seeeehr weit.
Unsere Stimmung stieg.

Das unsere Pässe bereits ausgestempelt und unser Auto schon in Brasilien abgemeldet war stellte sich als Problem dar, wenn wir nun noch durch das Land cruisten. Offiziell waren wir ja nicht mehr da. Aber den Behördenkram nochmal zu machen, fanden wir echt uncool und zeitaufwendig. Zudem man uns nicht sagen konnte, welche „Migrations-und Zollsituation“ wir im Dschungel vorfinden würden.

Clemens, schlau wie er ist, machte unser Problem zu dem eines Anderen. Nämlich zu dem der Polizei. Sollte uns jmd. anhalten möge er doch bitte den Zoll und die Polizei in Cáceres anrufen. Ansprechpartner und Telefondurchwahl hatten wir uns geben lassen…

Los ging´s. Wieder 90 Kilometer zurück durch die Walachei. Bei 40 Grad Hitze ist Autofahren mit Zeitdruck eine furchtbare Geschichte. Wir wussten nicht, wie lange die Strecke durch den Dschungel gehen würde. Unser GPS fand in Bolivien nur grosse Städte.
Bis zur ersten Abzweigung fanden wir per GPS…der Rest ging nur mit Durchfragen und „richtig tippen“ und "Schnick Schnack Schnuck"...

Sicherheitshalber tankten wir noch einmal in Brasilien. Per SMS hatten uns Wera und Friso schon mitgeteilt, dass auch hier Benzin/Diesel in San Mathias / Bolivien ausverkauft sei.

Das die Strecke die Route für Drogenkuriere war, machte unsere Stimmung nicht besser.
Die offizielle Strecke über San Mathias bzw. auch der Schleichweg den Friso und Wera nahmen, waren ebenfalls alle nicht „unbelastet“.

Die Geschichten die ich über Bolivien, Ihre Drogengeschichten und verschleppten und ausgeraubten Touristen gehört hatten, versuchten wir einfach auszublenden.

ein Häuslein steht im Walde
konnte uns leider keine Auskunft geben

 Über 6 Stunden hörten wir Talkrunden aus dem deutschen und österreichischem Radio etc. um abgelenkt zu sein. Bei dem Gedanken, dass wir in der Region ohne Sprit oder mit Panne liegenbleiben sollten, bekam ich eine Gänsehaut. Die Zivilisation war schlagartig beendet. Von hier an hiess es, die nächsten xxx Kilometer „frei Schnauze“. GPS und Landkarte waren überfordert.

Hinter jeder Kurve erhoffen wir uns eine Stadt oder ähnliches. Wenn niemand da ist, kann man auch niemanden nach dem Weg fragen, ausser, man hält ein seltenes entgegenkommendes Auto an. Die 3 Gestalten im Auto hatten die Wangentaschen voller Kokablätter, was hier allerdings normal ist. Die Augen waren auf „halb 8“…und Feuerrot.

Clemens fragte, welche Abzweigung der T-Kreuzung Richtung Grenze sei. Bevor wir die Antwort bekamen, wollten die 3 Geschäftsleute wissen, ob auf dem Weg von dem wir kamen, Polizei war…“Nein, Niemand da“…und als das ausgesprochen war, fiel uns ein, dass diese freudigen Zeitgenossen nun eigtl. alles mit uns anstellen konnten…

Bevor ich in völlige Panik verfiel drehte ich „Tietjen Talkt“ lauter und versuchte, die wunderschöne Natur zu geniessen. Es war abwechslungsreich. Sandstrassen, Wellblechpisten, roter Schotter…alles ausser „richtige Strassen. Bäume, Steppen, Dschungel. Selten ein Tier, ausser Vögel. Aber wir vermuten: einen kleinen schwarzen Puma, der über die Strasse huschte haben wir gesehen…Alternativ war es nach zu viel Stunden in einem überhitztem Auto eine Fatamorgana.

Plötzlich kam ein Haus. Dort erkundigen wir uns wieder nach dem Weg…die Dame sagte, dass wir bald da seien…und dann standen wir an der ersten Militärkontrolle. Im Nichts. Man notierte Namen und Kennzeichen, fragte woher und wohin wir unterwegs sein…liess uns dann aber ziehen…
Mitten im nirgends, eine weitere Kontrolle nach mehren Kilometern. 5 junge Burschen, bewaffnet mit Maschinengewehren. Ein Schlagbaum, der mit Strippe und mit Sand befüllten Dosen manövriert wurde. Sie waren verwundert, Touristen anzutreffen, auf der Route verirrten sie sich selten. Während ich mich der Kontrolle aller unser Unterlagen hingab, musste Clemens mit 3 von Ihnen unser Auto auf Drogen untersuchen lassen. Sobald er eine Tür öffnete, lud der eine sein Gewehr durch. Logischerweise fanden sie nix außergewöhnliches, sie waren lediglich verwundert, über so viele Klamotten…nach weiteren „Stunden“, Schlaglöchern und Staubwolken, erreichten wir Posten Nummer 3…“nur noch 20 Kilometer“….es nahm einfach kein Ende und es wurde wieder dunkel…

Über Stock und Stein erreichten wir den Ort San Ingacio.
http://de.wikipedia.org/wiki/San_Ignacio_de_Velasco

Erdstrassen und sehr einfache Hütten hiessen uns willkommen. Im Zentrum, der Plaza fanden wir eine wunderschöne Kirche der Jesuiten sowie 3 Hotels. Und einem weissen Sprinter aus Cuxhaven. Laut einer SMS waren Wera und Friso noch auf „Ihrer“ Route in einem anderen Ort…doch die SMS hatte Verspätung und die beiden waren schon hier. Die Freude war gross. Wir checkten im besten Hotel des Örtchens ein. Ein sehr geschmackvolles und fast „luxuriöses“ bolivianisches 5**** Haus ein. Für 37,00 € bekamen wir ein Zimmerchen mit Klimaanlage, Minibar und regulierbarer Dusche.

Den Abend genossen wir zu viert bei örtlichem Burgerspezialisten und tauschten die neusten Erfahrungen in Bezug auf Bolivien aus. Vera und Friso hatten auch schon Einiges durchgemacht. Ihr Sprinter 4 x 4 kämpfte sich ebenfalls wie Höördie über die schlechten Pisten und in den letzten Tagen hatten sie bereits 3 kaputte Reifen zu verzeichnen.

Am nächsten Morgen mussten mir zur Migration unseren Einreisestempel holen. Das war noch alles machbar. Leider erfuhren wir von der Polizei, hingegen der Info des Militärpostens, dass wir in diesem Ort keinen Zoll finden würden. Entweder fuhren wir ein Stück zurück nach San Vincente oder weiter Richtung Santa Cruz, welche mit über 1,5 Mio Einwohnern die Grösste Stadt Boliviens war. Da San Vincente nicht auf unserem Weg war und Friso und Wera uns von dieser Horrorstecke erzählten, (100 km = 4 Std) entschieden wir uns am Samstag uns auf San José de Chiquitos zu machen. Hier waren wir schon und wollten bei den Franzosen einen Zwischenstopp einlegen. Von da wären es weiter 250 Kilometer nach Santa Cruz.

Den restlichen Tag verbrachten wir mit einer ausführlichen Autowäsche (aussen und innen = 5,00 €) bummeln und „Entspannung“. Am Abend gingen wir zu Vera und Friso, die mit Sprinterli in der Casa Suiza standen und machten bei Weras brasilianischen Kochkünsten einen Schlachtplan für die kommenden Tage.
Kinder werden zum Schulausflug abgeholt...

 

Das örtliche Stadion
 








16.08.2011

09.08.2011 Cuiabá und Cáceres / Brasilien

Wera und Friso mussten heute das Land verlassen. Nein, eigtl. nur Wera, da ihr Visum heute auslief und die Behörden bei so etwas sehr streng sind. Da Friso ein guter Ehemann ist, beschloss er sie zu begleiten ;) Die beiden sind auch auf dem Weg nach Bolivien. In der 90 km von der Grenze entfernten Stadt Cáceres muss man bereits die Ausreise- und Zollformalitäten erledigen. Die beiden werden also vorfahren. Wir verabredeten uns locker für die kommende Zeit in Bolivien. Wir beschlossen, noch einen Abstecher nach Bom Jardim in der Nähe der Stadt Cuiaba zu machen um dort in einer glasklaren Quelle zu schnorcheln. Die Fahrt dorthin wurde zum Kampf. Rote Sandpisten machen uns bei der Hitze das Leben schwer. Es qualmt so sehr, dass man die Hand vor Augen nicht sehen kann. Zwischendrin sind Baustellen, die aber nicht wirklich angekündigt wurden und man schlagartig vor Gruben und zwischen Baugeräten steht. Wir kämpften uns durch, zwischen Pferdefuhrwerken und Baggern. Überall ist dieser Rote Sand. Im Auto, auf der Haut und selbst die Zähne knirschen.

In Bon Jardim sagte man uns, dass auch hier im Vorfeld gebucht werden muss….zur Erhaltung der Natur, dürfen täglich nur eine bestimmte Anzahl von Menschen zugelassen werden.
So langsam kam unser Blut zum kochen. Sollte dieser Tag umsonst gewesen sein? Zugegeben die Natur war wirklich wunderschön, aber der Weg hier hin staubig, steinig und vor allem heiss. Nun sollten wir auch dafür belohnt werden….fand ich.

Wir fanden unsere Quellen und bekamen auch noch unsern Personal Guide, mit dem wir ins Wasser stiegen. Man schnorchelte 1,5 Stunden durch glasklares Wasser, 200 kleine Quellen brodelten unter uns. Umgeben von Fischen, die bunt und meistens sehr gross waren…zudem waren es viele. Als der Guide Futter in unsere Richtung warf, wäre ich fast in Ohnmacht gefallen, da war der Einstieg zuvor ins Wasser durch ein paar Hundert Fische dagegen ein „Klacks“.....denn wer mich kennt, weiss dass Schnorcheln nicht zu meiner Lieblingsbeschäftigung und Fische nicht zu meinem Lieblingstieren gehört…aber ich bin ja lernfähig und es war – ja, ich gestehe – wunderschön und ein tolles Erlebnis.

In der Region fanden wir mal wieder (!) im Dunkeln keine Unterkunft. Einfach mit dem Auto stehen bleiben – negativ. Also fuhren wir im wunderschönen Sonnenuntergang in Richtung Cuiabá…dort wird die WM 2014 ausgetragen und wir erhaschten schon einen Blick auf das Stadion. Wir fanden ein schönes und sicheres Hotel und genossen nach Schiffsfahrt und Camping eine heisse Dusche, ein Bett, Wlan und Roomservice…somit holten wir quasi unseren 1. Hochzeitstag nach. Diese Belohnung hatten wir uns auch verdient. Fand ich.

http://de.wikipedia.org/wiki/Cuiab%C3%A1



Corumbá
Cáceres
Am nächsten Morgen ging es früh in das Fischerörtchen Cáceres. Es lag 90 Kilometer vor der Grenze zu Bolivien. Hier mussten wir Ausreise und Zoll erledigen, bevor wir dann nach San Mathias „rübermachten“….dann auf Wellblech- und Sandpisten die „berühmte“ Schmugglerstrecke nach San Vincente fahren würden. Einen Tag würden die ca. 130 Kilometer bestimmt dauern...

Der Plan war gut.
Ging leider nur nicht auf.