18.08.2011

11.08.2011 San Ignacio de Velasco / Bolivien

Wir hörten von Wera und Friso per SMS das es an der Grenze nicht ganz „rund“ läuft. Sie mussten beim Zoll an der Grenze übernachten um dann vor einer verschlossenen Grenze zu stehen. Die Bolivianer hatten sie dicht gemacht. Spontan. So halt. Nix zu machen. Der Grund war lachhaft.

Wir versuchten dennoch unser Glück um 7:00 früh.
Keine Chance. Nix. Nickes. Zero. Glatte 6. Nullinger.
Die netten Brasilianischen Polizisten erklärten und skizzierten uns eine neue Möglichkeit. Einen Weg durch das Hinterland. 300 Kilometer Asphaltstraße, der Rest (die Zahl war nicht bekannt) war „unbefestigt“, über Schotterpisten, durch den Dschungel…irgendwo in der Pampa wäre noch ein Schlupfloch nach Bolivien.

Das sollten wir versuchen. Ansonsten müssten wir zurück nach Corumbá.
Und das wäre seeeehr weit.
Unsere Stimmung stieg.

Das unsere Pässe bereits ausgestempelt und unser Auto schon in Brasilien abgemeldet war stellte sich als Problem dar, wenn wir nun noch durch das Land cruisten. Offiziell waren wir ja nicht mehr da. Aber den Behördenkram nochmal zu machen, fanden wir echt uncool und zeitaufwendig. Zudem man uns nicht sagen konnte, welche „Migrations-und Zollsituation“ wir im Dschungel vorfinden würden.

Clemens, schlau wie er ist, machte unser Problem zu dem eines Anderen. Nämlich zu dem der Polizei. Sollte uns jmd. anhalten möge er doch bitte den Zoll und die Polizei in Cáceres anrufen. Ansprechpartner und Telefondurchwahl hatten wir uns geben lassen…

Los ging´s. Wieder 90 Kilometer zurück durch die Walachei. Bei 40 Grad Hitze ist Autofahren mit Zeitdruck eine furchtbare Geschichte. Wir wussten nicht, wie lange die Strecke durch den Dschungel gehen würde. Unser GPS fand in Bolivien nur grosse Städte.
Bis zur ersten Abzweigung fanden wir per GPS…der Rest ging nur mit Durchfragen und „richtig tippen“ und "Schnick Schnack Schnuck"...

Sicherheitshalber tankten wir noch einmal in Brasilien. Per SMS hatten uns Wera und Friso schon mitgeteilt, dass auch hier Benzin/Diesel in San Mathias / Bolivien ausverkauft sei.

Das die Strecke die Route für Drogenkuriere war, machte unsere Stimmung nicht besser.
Die offizielle Strecke über San Mathias bzw. auch der Schleichweg den Friso und Wera nahmen, waren ebenfalls alle nicht „unbelastet“.

Die Geschichten die ich über Bolivien, Ihre Drogengeschichten und verschleppten und ausgeraubten Touristen gehört hatten, versuchten wir einfach auszublenden.

ein Häuslein steht im Walde
konnte uns leider keine Auskunft geben

 Über 6 Stunden hörten wir Talkrunden aus dem deutschen und österreichischem Radio etc. um abgelenkt zu sein. Bei dem Gedanken, dass wir in der Region ohne Sprit oder mit Panne liegenbleiben sollten, bekam ich eine Gänsehaut. Die Zivilisation war schlagartig beendet. Von hier an hiess es, die nächsten xxx Kilometer „frei Schnauze“. GPS und Landkarte waren überfordert.

Hinter jeder Kurve erhoffen wir uns eine Stadt oder ähnliches. Wenn niemand da ist, kann man auch niemanden nach dem Weg fragen, ausser, man hält ein seltenes entgegenkommendes Auto an. Die 3 Gestalten im Auto hatten die Wangentaschen voller Kokablätter, was hier allerdings normal ist. Die Augen waren auf „halb 8“…und Feuerrot.

Clemens fragte, welche Abzweigung der T-Kreuzung Richtung Grenze sei. Bevor wir die Antwort bekamen, wollten die 3 Geschäftsleute wissen, ob auf dem Weg von dem wir kamen, Polizei war…“Nein, Niemand da“…und als das ausgesprochen war, fiel uns ein, dass diese freudigen Zeitgenossen nun eigtl. alles mit uns anstellen konnten…

Bevor ich in völlige Panik verfiel drehte ich „Tietjen Talkt“ lauter und versuchte, die wunderschöne Natur zu geniessen. Es war abwechslungsreich. Sandstrassen, Wellblechpisten, roter Schotter…alles ausser „richtige Strassen. Bäume, Steppen, Dschungel. Selten ein Tier, ausser Vögel. Aber wir vermuten: einen kleinen schwarzen Puma, der über die Strasse huschte haben wir gesehen…Alternativ war es nach zu viel Stunden in einem überhitztem Auto eine Fatamorgana.

Plötzlich kam ein Haus. Dort erkundigen wir uns wieder nach dem Weg…die Dame sagte, dass wir bald da seien…und dann standen wir an der ersten Militärkontrolle. Im Nichts. Man notierte Namen und Kennzeichen, fragte woher und wohin wir unterwegs sein…liess uns dann aber ziehen…
Mitten im nirgends, eine weitere Kontrolle nach mehren Kilometern. 5 junge Burschen, bewaffnet mit Maschinengewehren. Ein Schlagbaum, der mit Strippe und mit Sand befüllten Dosen manövriert wurde. Sie waren verwundert, Touristen anzutreffen, auf der Route verirrten sie sich selten. Während ich mich der Kontrolle aller unser Unterlagen hingab, musste Clemens mit 3 von Ihnen unser Auto auf Drogen untersuchen lassen. Sobald er eine Tür öffnete, lud der eine sein Gewehr durch. Logischerweise fanden sie nix außergewöhnliches, sie waren lediglich verwundert, über so viele Klamotten…nach weiteren „Stunden“, Schlaglöchern und Staubwolken, erreichten wir Posten Nummer 3…“nur noch 20 Kilometer“….es nahm einfach kein Ende und es wurde wieder dunkel…

Über Stock und Stein erreichten wir den Ort San Ingacio.
http://de.wikipedia.org/wiki/San_Ignacio_de_Velasco

Erdstrassen und sehr einfache Hütten hiessen uns willkommen. Im Zentrum, der Plaza fanden wir eine wunderschöne Kirche der Jesuiten sowie 3 Hotels. Und einem weissen Sprinter aus Cuxhaven. Laut einer SMS waren Wera und Friso noch auf „Ihrer“ Route in einem anderen Ort…doch die SMS hatte Verspätung und die beiden waren schon hier. Die Freude war gross. Wir checkten im besten Hotel des Örtchens ein. Ein sehr geschmackvolles und fast „luxuriöses“ bolivianisches 5**** Haus ein. Für 37,00 € bekamen wir ein Zimmerchen mit Klimaanlage, Minibar und regulierbarer Dusche.

Den Abend genossen wir zu viert bei örtlichem Burgerspezialisten und tauschten die neusten Erfahrungen in Bezug auf Bolivien aus. Vera und Friso hatten auch schon Einiges durchgemacht. Ihr Sprinter 4 x 4 kämpfte sich ebenfalls wie Höördie über die schlechten Pisten und in den letzten Tagen hatten sie bereits 3 kaputte Reifen zu verzeichnen.

Am nächsten Morgen mussten mir zur Migration unseren Einreisestempel holen. Das war noch alles machbar. Leider erfuhren wir von der Polizei, hingegen der Info des Militärpostens, dass wir in diesem Ort keinen Zoll finden würden. Entweder fuhren wir ein Stück zurück nach San Vincente oder weiter Richtung Santa Cruz, welche mit über 1,5 Mio Einwohnern die Grösste Stadt Boliviens war. Da San Vincente nicht auf unserem Weg war und Friso und Wera uns von dieser Horrorstecke erzählten, (100 km = 4 Std) entschieden wir uns am Samstag uns auf San José de Chiquitos zu machen. Hier waren wir schon und wollten bei den Franzosen einen Zwischenstopp einlegen. Von da wären es weiter 250 Kilometer nach Santa Cruz.

Den restlichen Tag verbrachten wir mit einer ausführlichen Autowäsche (aussen und innen = 5,00 €) bummeln und „Entspannung“. Am Abend gingen wir zu Vera und Friso, die mit Sprinterli in der Casa Suiza standen und machten bei Weras brasilianischen Kochkünsten einen Schlachtplan für die kommenden Tage.
Kinder werden zum Schulausflug abgeholt...

 

Das örtliche Stadion
 








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