05.03.2012

02.03.2012 Pozuzo / Peru

Die Sonne lachte und wir fuhren Sand-und Schotterpisten, umgeben von Riesen-Fahnen, Palmen, Moosen sowie Nebelwald.
Schon bald trafen wir auf gewaltige Schlaglöcher, die durch Wasser so gut getarnt waren, dass wir danach dachten, die Stossdämpfer wären mal wieder hinüber. Nein, das waren sie nicht, nur Schränke und Schubladen mussten neu einsortiert werden.

Die Landschaft war atemberaubend.
Wer GRÜN nicht mag, sollte sich diese Reise nicht antun...
auch LKWs fahren hier.
Sie bringen ALLES nach Pozuzo
Nun fuhren wir durch echten Hochlanddschungel. Links von uns ein tosender Fluss, der Rio Chorobamba, der später zum Huancabamba wird. Unmengen von Schmetterlingen flogen um uns herum. Lianen und anderes Gestrüpp sowie exotische Pflanzen liessen uns nur staunen. Alle paar Meter folgte ein gewaltiger Wasserfall, der gerne auch mal über die Strasse verlief. Die Strassenverhältnisse wurden die gesamten 80 km aber nicht besser. Der immer wieder einsetzende Regen sowie die LKW´s die ebenfalls nach Pozuzo fuhren, gaben ihren Löwenanteil dazu. Auch heute waren wir froh, mit unserem Löördie Hopser unterwegs zu sein. Im Vergleich zu anderen war er einfach drahtig und wendig.
Tankstopp
zwischendurch gibt es Siedlungen oder einzelne Häuser
das wird mal ein Falter, Alter ;)
Begonien a la Peru
Schmetterlinge lieben die Winch...grad frisch eingeölt...
Rücklicht-Rudi
Oha, Ankündigung!
Auf der Hälfte der Strecke landet man im Nationalpark, der insgesamt aus 5 Sektoren besteht. Die meisten sollte man aber momentan aufgrund von Überflutung nicht besuchen, zumal der Eintritt nur zu Fuss gestattet ist. Auf der Rückreise würden wir uns da mal genauer umschauen. Für heute reichte uns die aufregende Anreise.
Einige Passagen, grad im Nationalpark, waren recht schmal und wir schauten den Abgrund hinunter in den reissenden Fluss, fuhren durch steinige, wasserhaltige Schlaglöcher oder durch gewaltige Schlammspuren. Aber unser Lord war einfach souverän. Bis zu dem Zeitpunkt, als ich ein Klackern hörte…irgendwas war hinüber. Bitte NICHT die Stossdämpfer, sagten wir gleichzeitig, denn die würden wir in Pozuzo garantiert nicht repariert bekommen…
Das scheint also der Nebelwald zu sein
Flieg nach Hause Kleiner, es REGNET!
geht doch...

Nach 5,5 Stunden Fahrt und schlanken 80 Kilometern, erreichten wir unser Ziel POZUZO:
Das Tal von Pozuzo war bereits vor der spanischen Kolonialisierung von indigenen Völkern bewohnt. Im Jahre 1859 wurde die „Kolonie Pozuzo“ von Tirolern, Rheinländern und wenigen Bayern gegründet. Angeworben wurden die Auswanderer von dem deutschen Forscher und Weltreisenden Kuno Damian von Schütz-Holzhausen. Leiter der Gruppe war der katholische Priester Joseph Egg aus Tirol. 1857 hatte die Gruppe, bestehend aus 180 Tirolern und 120 Rheinländern und Bayern, an Bord eines Frachtseglers von Antwerpen aus Europa in Richtung Huacho verlassen. Von diesen erreichten nur 156 Pozuzo. 1868 folgte eine zweite Einwanderergruppe.

Pozuzo liegt in rund 750 m Höhe am Rio Huancabamba und hat rund 1.000 Einwohner.
Die Bevölkerung lebt überwiegend von der Landwirtschaft (Mais, Südfrüchte wie Bananen und Orangen, Kaffee, Tabak, Viehzucht und teilweise noch Coca-Anbau) und vom Tourismus.

Inzwischen ist es eine nette ansehnliche Kolonie. Bürgersteige, Holzhäuser mit Vorgarten dominieren das Stadtbild. Müll wird getrennt. Aber auch Peruaner haben dieses Fleckchen für sich entdeckt. Neben Obst und Gemüse wird viel Viehzucht betrieben. Dafür wird leider viel Dschungelland abgeholzt, sehr zum Ärger vieler Tiroler und Deutscher, die eher den Tourismus als die Viehzucht befürworten.
„Futtern wie bei Muttern“ (nur nicht so köstlich) konnten wir im TIROLER ADLER, bei Andrés Egg, dessen Familie hier in 5 Generation lebt. Sie beleben den Ort durch Gästehäuser, Restaurants oder die gute BIER Kneipe.
Futtern wie bei Muttern
(Preise geteilt durch 3,5)
Köstliche Spezialorange
0,40 l frischer Saft = 0,50 €
Der Weg von PRUSIA nach POZUZO
Im angrenzenden Ort PRUSIA (Preußen) leben vermehrt Deutsche – im grösseren Bereich POZUZO hingegen die Tiroler.
Für unser angeschlagenes Auto empfahl man uns „Pepino“ und seine Dschungelwerkstatt. Blond, blauäugig und sehr hilfsbereit war er, fand sofort den Fehler und düste los um Ersatzteile zu finden. Er fand aber „NIX“, so sagte er, in seinem wohl einzigen Wort Deutsch…die Sprache, die ihm seine deutschen Vorfahren nicht beigebracht hatten. Die Rückreise nach Oxapampa würde aber wohl auch so gehen. Dort hätten wir mehr Auswahl an Werkstätten. Hier gab es genau 2 Werkstätten und eine Tankstelle mit 3 Zapfsäulen. Tankstelle heisst in  Peru übrigens GRIFO. Das Auto heisst wieder COCHE oder auch CARRO und parken tut man dieses entweder in der GARAGE oder in der COCHERA (Parkhaus). Das aber nur so nebenbei.

Gegen das Klackern entschieden wir die Musik einfach lauter aufzudrehen.
Kirche in Prusia
Beste Lage in Prusia /Preussen
Das Café und Hostal von...
FAMILIE SCHMIDT
beim Schrauber...
...vor der Werkstatt
Wachhund der sich festbeissen kann
(@Emy: Der Hundebruder von Dulli?)

bitte baden Sie jetzt

Wir begaben uns gegen Spätnachmittag auf Hotelsuche. Es waren einige im Angebot. Einen Campingplatz trafen wir nicht. Wäre aber auch bei dem Wetter etwas ungemutlich gewesen. Es wurde gegen Nachmittag richtig schwül. Abends naßkalt. Nachts dunkel ;)
 Meine Naturlocken hatten die gesamte Zeit Hochbetrieb.
Unsere Safari-Scheinwerfer bei Nacht
Aber: Von wegen „Hurra und Guten Tag, endlich DeutschÖsis“... Oftmals wies man uns schon an der Tür / Tor ab – bevorzugt ausgerichtet durch kleine Kinder oder Gärtner. Komische Völkchen ;)
Untergekommen sind wir dann aber doch.
Und wo? Na beim Hans, Bruder des Tiroler Adler.
Beim HANS
So richtig gemütlich, schnuckelig und sauber war es hier aber nicht…Tiroler Unterkünfte stellen wir uns definitiv „muckeliger“ vor.
Ob man diese Fahrt, die für manche Menschen und Autos sicherlich eher eine Tortur sein mag, nur für diese Kolonie auf sich zu nehmen muss, bezweifeln wir. Die beiden Orte bieten nicht sonderlich viel. Und wie schon gesagt, dass „Hurra und Guten Tag, endlich DeutschÖsis“...gibt es auch nicht wirklich. Wie denn auch. Viele von ihnen haben deutsch/österreichische Vorfahren, haben aber die Sprache nie gelernt und waren noch nie in ihrer HEIMAT ;)
Die Fahrt dorthin war wieder mal ein ganz grosses Highlight. Nach 10 Monaten sehr saubere Strassen und spiessige Vorgärten zu sehen war ebenfalls schön und abwechslungsreif.
Hotel TIROL mit DiscoteCK Crazy Eddy...!
ab durch die Mitte
Hier gibt´s weitere interessante Bilder und Hintergrundinfos:
http://www.spiegel.de/reise/fernweh/0,1518,768826,00.html
Noch mehr Stoff gibt es hier:
http://www.propozuzo.at/publikationen.htm
Die nächste Runde ging also Rückwärts...wieder zurück über die kurvige Strasse und durch die frische grüne Natur.
Lianen von Oben
Banane to go
Im Nationalpark wollte wir heute aber anhalten.
Das Wetter war gut.
Die Raubtiere waren bestimmt hungrig.

Doch leider kamen wir nicht bis dahin...

04.03.2012

01.03.2012 Oxapampa / Peru

Heute ging es in den Dschungel.
Der sog. Hochlanddschungel lag quasi vor der Tür. Trotz Regenzeit wollten wir hier mal vorbeischauen. Einige Dörfer sollte es geben. Tiefer im Dschungel sogar die einzig Deutsch-Österreichische Kolonie der Welt. Hauaha. Das war ein Wort! Das wollten wir sehen.

Aber nun fuhren wir erst mal bei Sonnenschein hinab…waren schon bald auf weniger als 2.000 m. Es war schlagartig grün wohin man sah, wir überquerten diverse Brücken und durchfuhren einige Tunnel.
Österreich ist überall
Kaffeebohnen für Starbucks
Die Strasse war meistens recht gut in Schuss. Nach etwas über einer Stunde hatten wir die Stadt SAN RAMON, 11 km später LA MERCED erreicht. Eine richtige kleine Dschungelstadt. Die Idee, weitern in den Dschungel nach SATIPO zu fahren, cancelten wir, nachdem wir in einer Reihe an Autos und Bussen standen. Auch hier war mal wieder eine Schlammlawine den Berg hinunter gekommen und alle warteten auf das anrollende Werkzeug…es sollte sich nur um Stunden handeln.
easy Bar am Strassenrand
Hang-Grundstück
1 FC. Dschungel-Kicker
Wer hat die Kokunuss
Wegen Schlammlawine warten...
...wegen Schlammlawine gucken...
Hier hupte niemand. Alle standen brav in der Reihe und warteten. Man saß im Schatten, machte sich etwas zu essen oder schwang den Putzschwamm durch den angrenzenden Fluss und wusch so lange sein Auto. Das ist bis dato bei JEDER Baustelle auf diesem Kontinent so gewesen. So ein ruhiges Bild gibt es in Deutschland eher selten…Warten kann bei uns niemand.
Wir entschieden einen anderen Weg einzuschlagen und heute schon den Weg nach OXAPAMPA anzutreten. Diese Strasse war nicht mehr asphaltiert…aber meistens relativ gut befahrbar…die paar Schlaglöcher.
Fluss von rechts (rot) trifft auf Fluss von links  (grau)
Kistenbau
neue Leidenschaft: salzige Banana-Chips
Veggie-Weeks (Yuca & Salat)
Clemens bekam Fisch auf den Tisch
Die Umgebung wurde noch „dschungeliger“…die Orte am Strassenrand wurden kleiner und einfacher. Bananen-und Orangenbäume waren hier nun unübersehbar die Spitzenreiter, hinzu kamen kleine Werkstätten die die passenden Verpackungskisten dafür produzieren.
Vogelnester in Tropfenform
Alles Banane
Gegen Spätnachmittag erreichten wir OXAPAMPA, die Stadt von der man sagt auch sie habe Tiroler Einschlag. Ausser ein paar hübschen Holzhäusern und vermehrt Blonden mit blauen Augen, sahen und fanden wir das eher weniger.

1891 wurde OXAPAMPA von deutschen Auswanderern gegründet. Das Stadtbild besteht aus einer wildwest-ähnlichen bunten Mischung aus Holz- und Zementhäusern. Deutscher Ordnungssinn und peruanische Lebensfreude geben Oxapampa einen ganz speziellen Charakter…so munkelt man. Der erste Eindruck wirkte wie eine verlotterte Dschungelstadt. Gut, eine Nacht würden wir ja wohl überleben ;)
Oxapampa liegt auf 1800 m in der Yunga-Höhenzone, umgeben von üppigen Bergwäldern. Der Ort wurde im 19. Jahrhundert von österreichischen und deutschen Siedlern aus Pozuzo im Siedlungsgebiet der indigenen Yanesha gegründet. Im 20. Jahrhundert migrierten zudem zahlreiche Kroaten in das zentralperuanische Dorf.
Das Gebiet nennt sich SELVA, die östlich der Anden beginnt = Regenwaldregion („Selva“).
Der Übergang ist dabei fließend, da es einen tropischen Bergwald gibt, in dem ein milderes Klima herrscht. Die Yunga ist eine Höhenstufe beiderseits der Anden von ca. 500 bis 2300 m)
In der Yunga gibt es viele enge Täler und steile, vegetationslose Abhänge. Das Klima ist sehr heiß. In der westlichen Yunga zur Küste hin ist es nur wenig feucht, während die östliche Yunga zum Amazonasbecken hin die weithin von Wäldern bedeckt ist, eine hohe relative Luftfeuchtigkeit und starke Niederschläge aufweist.
Die Talgründe der Yunga sind sehr fruchtbar.



Zwar waren wir nicht im Dickicht des dicksten Amazonasgebiets, aber so ein bisschen Dschungelfeeling wollten wir mal schnuppern. Hat ja noch nie geschadet.
Wir fanden endlich wieder eine Cabana. Leider ohne Küche, sonst hätten wir gerne ein paar Tage hier verbracht…das kulinarische Angebot dieser Stadt war begrenzt.
Das Wetter war angenehm. Nachts zwar etwas kühler, aber tagsüber angenehm warm. Zwischendrin ein leichter Sommerregen.
Grad als wir es uns gemütlich gemacht machten, fing eine „Rockband“ im Haupthaus an zu spielen. Eher gesagt an zu proben. Immer nur das Gleiche Lied.
So ohne Vorankündigung – und stock nüchtern in den Abendstunden – ist das eher uncool. Naja, wir waren auch mal jung daher liessen wir sie spielen. Bis 22:30. dann hauten wir auf den Tresen.
Die Nacht wurde dann nur noch durch laut muhende Kühe gestört, die gefühlt unter unserem Bett lagen. Der nächste morgen wurde dadurch eingeleitet, dass wir 1,5 Stunde kein Wasser hatten. Nirgends. Durch ein recht gutes, aber zu Caféarmes Frühstück und endlich funktionierendes Internet, versuchte man die beiden „Mangel“ wieder gut zu machen. Nix da. Abreise!
Palma Lodge


Nach einem Besuch beim „Officina del Parque“, (Angrenzender Nationalpark YANACHAGA CHEMILLIEN) welches von einem deutschen Ministerium unterstützt wird, ging die Fahrt weiter, weiter in der Dschungel…

Tarma (A) bis Oxapampa (B)