23.11.2011

Zotti-Special***Zotti-Special***Zotti-Special

Wir werden immer wieder gefragt, daher hier ein kleiner Einblick in unser momentanes Leben…

Unser Auto „Lord Höördie“ ist ein Land Rover Defender (Td5) aus dem Jahr 2004. Wir haben ihn Ende Januar in Hamburg bei der sehr netten Familie LOHSE gefunden.
Er war bereits (fast) so wie er jetzt ist.

Es ist kein Campingwagen. Zwar hat „er“ „campingähnliche“ Züge, dadurch hat er aber nichts von seiner Sportlichkeit einbüssen müssen. Wir müssen durch Auf-oder Umbauten, seiner Grösse und Gewicht vor keiner Strasse / Situation Halt machen. Das war uns wichtig. Dennoch haben wir die Möglichkeit darin zu übernachten. Ein WC/Dusche haben wir nicht. Strom nur während der Fahrt. (wenn es funktioniert) Wasser transportieren wir in Kanistern (30 l reichen für 2-3 Tage) mit. Eine Solarpanele könnten wir noch nachrüsten, für dauerhaften Strom u.A. für unsere Kühlbox in den wärmen Gefilden.
Ausser zwei neuen Stossdämpfern in Bolivien, die wir irgendwann sowieso gebraucht hätten, ist er super in Schuss. Über 167.000 km hat er nun runter. Es quietschen nur die Bremsen. Damit meine ich: Quiiiiiiiiiietschen. Laut bzw. lautstark. Komischerweise aber auch nicht immer. Je nach Lust und Laune halt. Halt ein Charakterauto.
Oft hört uns schon von weitem. Hupen brauchen wir also nicht mehr.
Anpirschen? Ohne uns. Die genaue Ursache konnte uns aber auch die deutsche Werkstatt in Santa Cruz, Bolivien nicht nennen. Wenn wir an einer Ampel halten und das Auto nebenan die Fenster geöffnet hat, ernten wir oft böse Blicke. Aber wir quietschen erst mal weiter, bis wir eine günstigere Lösung gefunden haben, ausser „alles raus und neu machen.“
Unser Freund der Tapir aus Brasilien hat ja schliesslich auch eine Glocke um den Hals und alle hören ihn...
Wir haben ein hH: Ein „hübsches Hubdach“, welches nach 2-7 Handgriffen als Schlafzimmer fungiert. Besonders schön ist, dass man die eine Seite öffnen oder mit Mosquitonetz versehen kann, somit schläft man quasi unter dem Sternenhimmel. Das Dach wird (von Clemens) hochgedrückt (Luftfeder) und mit zwei Stangen im Innenraum fixiert. Geschlossen wird das Dach von uns beiden, wenn wir im Innenraum stehen und darauf achten, dass die Plane nicht an den Seiten eingeklemmt wird. Laut Beobachtern sehen wir in diesem Vorgang bereits sehr routiniert aus.
Inzwischen haben wir einige Vergleichshubdächer getroffen, die die Plane ergänzt, bzw. verstärkt, verdoppelt oder verdreifacht haben, damit mit Regen und Wind weniger Chance haben zu stören.
Wir sind da etwas rustikaler gestrickt: Dick anziehen und im Schlafsack einmummeln, notfalls mit Regenjacke und Mütze schlafen und ein Vino für die Bettschwere.
Obwohl die Eiskristalle an der Innenplane an der Lagune in Bolivien morgens beim Aufwachen schon gewöhnungsbedürftig waren. Aber es sind ja nicht immer -18 Grad.

Nachtrag: 28.11.11.
Der einzige Luxus an/in unserem Auto ist die Sitzheizung sowie die elektrischen Fensterheber. Eine Klimaanlage sucht man vergebens. Sie nachzurüsten wäre extrem teuer uns extrem Quatsch, denn sie würde  - laut Erfahrungsberichten - nur die Knie kühlen. In sofern nutzen wir zum kühlen die elektrischen Fensterheber sowie zwei Lüftungsklappen unter der Windschutzscheibe.
Daher haben wir auch eine besondere "Staubsituation" im Auto. Egal. Rockt dennoch!

Wie in jedem guten Wohnzimmer haben auch wir eine ordentliche Schrankwand mit Ausziehtisch.
Ähnlich wie bei uns! Quelle
http://www.ex-tec.de/
Ähnlich wie bei uns! Quelle
http://www.ex-tec.de/
Dort lagern (wir einen Teil) unserer Klamotten und Kosmetik etc. Der Stauraum ist WELTKLASSE und wird von vielen sehr beneidet! Weitere  Schränke bieten Platz für unsere Reiseführer sowie diverse Technikgeräte und die „Hausapotheke", die wir glücklicher Weise noch nicht wirklich gebraucht haben. (Toitoitoi)

Inzwischen sind wir bei einem eigenen Küchenschrank und einem Vorratsschrank angekommen. Unsere Mini-Campingausrüstung wie zwei Sätze Geschirr und zwei Thermosbecher-und Kannen, haben wir inzwischen etwas aufgestockt… Wir „tuppern“ inzwischen wieder in diversen Grössen, haben ein Filetiermesser, eine Schöpfkelle, eine große Salatschüssel (LOGO), Nudelsieb, Holzbrettchen und Weingläser. Richtige Glas-Gläser. Die mussten einfach sein. (Sie haben diverse Fahrten und Strassen überlebt und machen stets mächtig Eindruck, wenn wir mit denen um die Ecke kommen. Die Utensilien, die wir von Freunden und Familie geschenkt bekommen haben, sind dauerhaft im Einsatz...hier ein Teil zur Ansicht..
schnelltrocknende Handtücher

Der Weltbeste Thermobecher

klein - aber grosse Wirkung - Lampe

Stirnlampe  - für freie Hände 

Allroundbeutel
...

Schutzengel fährt mit ( 4 weitere dabei)




Erstmalig in unserem Leben besitzen wir einen Kartoffelstampfer, eine Picknick-Kühlbox sowie einen Schnellkochtopf…In der „Höhe“ will der Gaskocher am liebsten ewig- bis gar nicht in die Gänge kommen. Es sei denn mit einem Schnellkochtopf. Aber findet mal in Bolivien einen handlichen Kochtopf, der weniger als 5 Liter fassen kann? Platz haben wir nämlich nur beschränkt…schon erwähnt? Platz hat übrigens kaum ein Reisender. Egal welche Grösse das Auto hat: Platz ist immer Mangelware. Dennoch haben wir nochmals aufgestockt und es gibt seit neustem einen Wasserkocher (auf Campingplätzen gibt’s Strom, wir sparen dadurch Gas-Kartuschen) und für Clemens einen Gusseiserenen Topf zum Brot backen. Ich kaufte einen Handstaubsauger um die diversen „Sand-und Aschevarianten“ aus dem Auto zu bekommen…
Windgeschützte Kochstelle für den Schnellkochtopf

Clemens´Neuer (rechts)

Kristina ´s Neuer
Zurück zum Kochtopf: Es hat gedauert, aber wir haben die sportliche 3,5 l Variante gefunden.

Kommen wir zu unserem heißen Püster.
Genauer gesagt, ist er eine mobile Heizung.
Für 15,00€ ist der „heiße“ Bolivianer zu uns gekommen. Gerne hätten wir ihn in Uruguay und Brasilien „damals“ schon eingesetzt. Für kommende Destinationen wird er uns einheizen. In Bolivien war er schon sehr wirksam. Wenn wir ihn nicht benötigen, fährt er bei den Klamotten auf dem Dach mit.

Ja, wir sind bekloppt. Aber das immerhin mit frischem Brot im sauberen Auto mit heissen Speisen und Getränken sowie nem heissen Hintern.

Klamotten sind ein Thema. Wie vermutlich in jedem Haushalt.
Allerdings wollten wir nicht nur in Outdoor-Hose, Fleece und Trekkingsandalen rumlaufen. So etwas hatten wir bis vor kurzem nämlich gar nicht. Unsere ersten „richtigen Outdoorklamotten haben wir in Bolivien, vor dem Salar zusammengekauft…Nun nutzen wir sie gerne, tragen aber auch weiterhin“ normale“ Klamotten.
Somit haben wir mehr zum „Wechseln“ dabei… zwischendrin wird Kleidung auch verschenkt. In Bolivien haben wir eine gut gefüllte Tasche in den Bergen unter das Volk gebracht.
Mitten in den Bergen steht vermutlich ein kleines Mädchen bei -15 Grad in meinem geblümten Sommerkleid. Sie wird schön bunt und schick aussehen. Aber der nächste Sommer kommt bestimmt.

Jeweils 1 grosse und/oder 1 kleine Reisetasche haben wir griffbereit im Auto, sodass wir nicht erst lange wühlen und suchen müssen, wenn es in ein Hotel geht. Die Taschen sind übrigens der Hit. Wie ein „Fass ohne Boden“. („Gym & Weekender“ von American Apparel)

Die Winter oder Sommerkollektion fährt also IM Auto oder AUF dem Auto in Wasser-und Staubfesten PVC Säcken mit.

Schuhe haben wir beide zu viele mit dabei. Nach und nach werden sie „abgetragen“ und entsorgt…(oder neu gekauft)

Also, Kleidung und Schuhe werden nach und nach weniger…Obwohl es sehr schwer ist, der Auswahl hier zu wiederstehen. Es gibt so viele tolle und hübsche Sachen zu unglaublichen Preisen. Unser neuestes Konzept lautet daher: Für das was man neu kauft, wird eine alte Sache weggetan...

Vorräte sollte man immer haben. Wie im richtigen Leben.
Hier ist es schwierig, manche Dinge zu bekommen. Sollten sie einem über den Weg laufen: KAUFEN. Beispielsweise gute Pasta. Die meisten Nudeln schmecken „mushi“…was so viel bedeutet wie lätschert oder labbrig. Und das hat nichts mit der Kochweise zu tun. Die Beschaffenheit ist einfach so. Also gute Produkte, Vollkorn-oder Biolebensmittel, Roggenmehl zum Brot backen oder HARIBO Gummibärchen werden gebunkert. Solange es unser Stauraum zulässt. Das gleiche gilt übrigens auch für guten Wein. Hierfür erweitern wir den Stauraum gerne spontan und es entstehen oft ungeahnte Möglichkeiten. Allerdings treffen wir auch an den unmöglichsten Stellen Flaschen wieder.  I like.

Manche Lebensmittel gibt es aber so gut wie gar nicht: z.B. Quark, Naturjoghurt, HARIBO, Lakritze oder leckere Milch und natürlich ein anständiges Schwarzbrot. Sehr selten findet man ein „Original“ in einer deutschen Kolonie. Daher backt Clemens nach wie vor selber, wenn wir einen Ofen oder eine „Glut“ zur Hand haben. Die passenden Zutaten sind nicht immer zu bekommen…Wir fahren ab und zu mit 2-3 Kilo Roggenmehl durch die Gegend, wenn wir es in einem Reformhaus bekommen haben.

Die spanische Sprache spricht Clemens schon lange. Und sehr gut. Gelernt ist gelernt. Ich auch. Immer wieder aufs Neue. Mal geht das Lernen besser, mal schlechter. Mit Händen und Füssen geht aber nach wie vor Einiges. In Brasilien und kleinen Dörfern in Paraguay und Bolivien haben wir allerdings beide unsere Hände und Füsse benötigt, da es schon eigenwillige Sprachen sind…und man entweder Spanisch nicht versteht oder nicht verstehen will. Aber wir haben alles im Griff.

Unterkünfte finden, bzw. auf Hotel-und Campingsuche in den jeweiligen Städten begeben wir uns meist spontan. Eine erste Auswahl erfolgt durch Reisefüher und Internetrecherche. Dadurch, dass wir immer auf einen gesicherten Parkplatz in Hotelnähe angewiesen sind, schauen wir spontan vor Ort. Unter den „Overlandern“ existiert ein reger Austausch an Informationen, GPS Daten und Listen…Daher wissen wir ungefähr, wo hinfahren sollen oder auch nicht. Appartements wie in Buenos Aires oder Córdoba recherchieren wir im Vorfeld. Nach Lage, Lautstärke und Parkplatzsituation im Internet, schreiben dann den/die Eigentümer/Vermittlungsagentur 1-2 Tage vorher an, besichtigen und entscheiden.

Das Campingleben ist für uns beide neu.
Klar, waren wir "Anno Filzschuh" mal zelten mit Eltern und Brüdern, oder im Sportverein über das Wochenende…aber Camping über einen wirklich längeren Zeitraum „auf rollenden Rädern“ haben wir noch nicht getan. Wir haben auch KEINEN Probelauf mit unserem Auto gemacht.
KEINEN. Wir treffen Leute, die haben Probeläufe in Tunesien, Schweden oder Timbuktu hinter sich.
Den Probelauf im Garten meiner Eltern habe ich abgeschmettert. Was wäre gewesen, hätten wir es „doof und ungemütlich“ gefunden? Ausserdem „wirkt“ es über 10.000 Kilometer entfernt der Heimat sowieso anders. Genau SO ist es richtig gewesen. Unsere erste „Campingsituation“ hatten wir in Paraguay an der Laguna Blanca. Genial.



Inzwischen haben wir uns daran gewöhnt und geniessen es. Ganz besonders in freier Wildbahn ist es immer ein richtiges Erlebnis. Alles im Auto hat selbstverständlich seinen Platz, ALLES. Jeder Zentimeter ist genutzt. Natürlich sind es sind immer ein paar Handgriffe, bevor „es dann losgeht“, aber durch Leben im Auto erlebt man die Natur tatsächlich anders, als wenn man sich in ein Hotel verkrümelt. Je nach Wetter und Laune besuchen wir aber auch so eines noch…die Abwechslung ist für uns, mit der Art von Auto und Campingmöglichkeiten, begrenzt und daher optimal.

Heimweh kommt immer seltener vor. Richtiges Heimweh haben wir (noch) nicht bzw. nicht mehr. Es ist mehr das Verlangen nach gewissen Situationen oder die Erinnerungen, die uns sagen lassen „hach, das wäre jetzt schön“ oder „ das vermisse ich“…Soll nicht heissen, dass wir Familie und Freunde nicht gerne mal bei uns hätten, aber Dank der modernen Technik wie eMail, Facebook, Skype findet eine Menge Austausch statt und wir sehen, wie es Euch geht und wie unsere 3 Neffen und 3 Nichten „wachsen und gedeihen“.

Sehr schade ist, nicht in schönen oder auch traurigen Situationen „Hand-in-Hand“ jmd. beistehen zu können. Seid Euch aber gewiss, dass wir gedanklich bei Euch sind.
Mal eben rüber „beamen“ ist leider noch nicht erschaffen. Kommt hoffentlich als nächstes.

Wir haben eine kleine Foto und Videoausrüstung dabei.
Neben der Kamera Olympus PEN EP 1 haben wir von unseren Freunden einen genialen Mini Camcorder HD von Panasonic geschenkt gekommen. Unser Allrounder ist die Panasonic Lumix Full HD, die Stoss- Wasser-Staubfest ist. Sie ist immer dabei. Klein wie eine Zigarettenschachtel. Alle 3 machen nicht nur tolle Bilder, sondern auch super Videos.
Bilder werden im Nachhinein aus Zeit- und Kenntnis-Gründen nicht bearbeitet. Nehmt was ihr kriegt ;)

Unser Blog. Er ist unser Tagebuch. Wir haben keinen doppelten Boden. Kein Schreib und Klebeheft. Nicht immer einfach, teilweise zwischen Tür und Angel zu schreiben, Bilder zu verkleinern und hochzuladen, aber unsere Eindrücke verarbeiten wir dadurch, dass wir sie aufschreiben und bebildern.

Wir sehen und erleben so Einiges. Schön wenn viele von Euch daran teilhaben wollen und den ZOTTIS regelmässig einen Besuch abstatten. Wir hörten schon von vielen, dass wir z.B. Sonntags direkt nach dem Frühstück dran kommen, bei anderen zum Kaffee & Kuchen, bei anderen vor dem Tatort oder gar Montagfrüh im Büro, bevor die Woche losgeht oder einfach mal so Zwischendurch. Das freut uns natürlich sehr. Weiterhin werden wir versuchen „aktuell“ zu sein und unsere Anekdötchen in die Welt zu senden.

Es lebe die „Zottizeitung!“ (Danke an Max V.)

Wir danken unseren treuen Fans! :-)
Bei weiteren Fragen einfach fragen!

Wir denken an Euch – denkt Ihr an uns!

Liebe Grüsse,
Eure Zottis

PS:
Wenn wir zurück sind, werden wir alles auszudrucken und binden lassen. Kommt Zeit, kommt Drucker…

18.11.2011 Cuevas de las Manos / Argentinien

Der Norden rief, daher mussten wir weiter. Die Ruta 40 entlang fuhren wir heute wieder eine beachtliche Strecke von 550 km, meist auf Schotter. Der einzige Ort den wir zwecks Tankstopps trafen nannte sich Bajo Cararoles und war ein Verkehrs-Knotenpunkt in jede Himmelsrichtung. Ausser überteuertem Diesel hatte dieser Ort nichts zu bieten. Wir hatten ein Ziel, die „CUEVAS DE LAS MANOS“, sagenhafte Höhlenmalereien, die zu den besten Argentiniens gehören sollten. Sie lagen 50 km abseits der Ruta 40, inmitten rauer Landschaft, entlang des Río de las Pinturas.
Ausser ein paar Guanakos und einigen Baufahrzeugen hatten wir die Straße für uns.



Uns war klar, dass wir ab Abend keine Führung mehr bekamen, hofften aber, dort stehenbleiben zu können um nicht in dem furchtbaren Tank-Ort campieren zu müssen.
Wir durften und hatten einen wunderbaren Blick auf den Canyon. Es windete, aber geschützt in einer Kurve genossen wir wiedermal eine ruhige Nacht. Strahlender Sonnenschein am nächsten Morgen und Windstille.
Die UNESCO erklärte die Höhlenmalereien 1999 zum Weltkulturerbe. Hierbei handelt es sich um mehrfarbige Felsbilder, die Einbuchtungen und Nischen der Höhlenwände bedecken. Aus der Zeit um 7370 v. Chr. Stammen die Darstellungen von Abdrücken menschlicher Hände Weiter Bilder zeigen Guanakos und einige abstrakte Motive, welche in einer späteren Periode entstanden. 90 % der 800 Bilder zeigen linke Hände…eine davon mit 6 Fingern…











Chinchilla/Hasesuchbild
Im Anschluss fuhren wir die Ruta 40 weiter. Über die Ortschaft Perito Moreno erreichten wir am Spätnachmittag nach 280 km den Grenzort „Los Antiguos“, nach nur vier weiteren Kilometern wären wir am Tag drauf in Chile. Los Antiguos lag am wunderschönen Lago Buenos Aires. (Dieser See würde uns noch bis nach Chile begleiten…dort hiess er allerdings anders: General Carrera und er war nach dem Titicacasee der grösste See Südamerikas.)
es geht auch anders

Ankunft Los Antiguos

Nun hiess er aber erst mal „Restessen“ bevor uns die Chilenen Früchte und Co. wegnehmen würden. Ausserdem weihten wir Clemens vorgezogenes Weihnachtsgeschenk ein, genossen den Abend vor dem Feuer und resümierten über unseren 2,5 monatigen Argentinienaufenthalt…vom Norden waren wir bis ans Ende der Welt im Süden gefahren und hatten schon einen „kleinen“ Überblick über das Land bekommen…länger hätten wir es aber auch ausgehalten…

Fazit:
Argentinien ist ein absolut faszinierendes Land, welches sehr gross und weitläufig ist. „Mal eben“ geht hier Garnicht. Die Landschaft ist so abwechslungsreich und wunderschön. Es gibt quasi alles. Einige Male hat es uns tatsächlich die Sprache verschlagen. So viele Wow´s gibt es!
Argentinien lässt sich wunderbar (und sicher) bereisen, ob mit dem Auto, dem Motorrad, dem Rad, im Flieger, oder mit dem Bus so das Feedback von vielen Reisenden.
Die grösseren Städte sind ziemlich gut aufgestellt und es gibt alles was man kennt und benötigt. Die meisten Menschen, sind sehr freundlich und hilfsbereit, oftmals interessiert und begeistert, dass man Ihr Land besucht. Die Menschen hier sind einfach lässig, zwar lebt bei den Männern die Macho-Kultur, aber viele charmante und interessante Personen kreuzten unseren Weg. Wir finden es einfach ein ziemlich cooles Volk, mit denen man es sehr gut aushalten kann.
Glücklicherweise werden wir aus Chile, weiter nördlich auf der „VULKANROUTE“ nochmal Argentinien besuchen, so müssen wir nicht für immer Abschied nehmen! (…und auf das Fleisch freuen wir uns heute schon. Es ist unserer Ansicht nach das Beste Fleisch…und das Beste Steak, das gibt es nach wie vor in Buenos Aires!

Don´t cry for me Argentina – I´ll be back!

Nun auf nach Chile, der „schmale Gürtel“ soll ebenfalls sehr vielseitig sein. Es liegen also auch hier 2 spannende Monate vor uns.

14.11.2011 El Chaltén / Argentinien

Nur 220 km von El Calafate lag zwischen den Bergen das Dorf El Chaltén. Die Anreise war klasse, aber auch sehr windig. Mehr als das sogar. Autotüren flogen und konnten nur einzeln geöffnet werden, wenn man sie überhaupt auf bekam. Der türkisblaue See „Lago Argentina“ und eine bergige Landschaft begleitenden uns auf unserer Fahrt auf der Ruta 40..der Panamericana. Je näher wir an unser Ziel kamen, umso besser sah man das riesige, bekannte Bergmassiv im Hintergrund des Dörfchens. Sehr beeindruckend.






El Chaltén ist ein kleines Dorf in Patagonien im Süden von Argentinien. Es liegt im Departamento Lago Argentino in der Provinz Santa Cruz, nahe der chilenischen Grenze am nördlichen Rande des Nationalparks Los Glaciares. Der Ort wurde am 12. Oktober 1985 gegründet und gehört damit zu den jüngsten Ortschaften Argentiniens.
Das Dorf El Chaltén bietet den direktesten Zugang zu den Bergmassiven des Cerro Torre und des Fitz Roy. Letzterer heißt in der Sprache der Ureinwohner, der Tehuelche-Indianer, El Chaltén. Das bedeutet in ihrer Sprache "Vulkan" obwohl der Fitz Roy kein Vulkan ist.
Das Dorf ist nur über eine stundenlange Autofahrt zu erreichen. Früher führten Schotterpisten dort hin, heute ist die Strecke asphaltiert. Es beherbergt im Winter nur etwa 100 Einwohner. Es verfügt über keine Industrie und kaum Landwirtschaft, erlebt durch den zunehmenden Tourismus rund um die ausgedehnten Trekking- und Bergsteiggebiete nahe dem Fitz Roy aber einen starken wirtschaftlichen Aufschwung.

Der Ort erschien nett, kleine bunte Block-Häuschen mit Kneipen, Restaurants, Hotels und Co

Trotz des Windes beschlossen wir auf einen in der Stadt liegenden Campingplatz zu gehen.
Zwischen Löwenzahn und Holzverschlag versuchten wir in eine einigermaßen Windgeschütze Position zu kommen, was unmöglich war. Das Dorf lag irgendwie ungünstig, sodass es IMMER windig war. So sagte man uns. Wir hatten heute Glück, denn es war
laut Einheimischen nicht so dramatisch. Aber dramatisch genug, dass wir die Nacht nur mit Oropax überstanden, da das Zelt um unsere Ohren peitschte und das Auto schaukelte. Wenn es alles zusammenbrechen würde, würden wir wenigstens weiterschlafen können...



Im Heuschober fühlten wir uns wie Maria und Joseph…doch schon während des Frühstücks war klar, dass es so die nächsten Tage anstrengend werden würde. So einen heftigen Wind hatten wir nicht erwartet und er machte das Leben „draussen“ nicht einfacher. Nach unserem Tagesprogramm würden wir uns ein Hotel suchen.

Rollende Häuser aus der Schweiz und Goslar
Unser erstes WOW war der Viedma Ice Trek. In El Calafate hatten wir davon gehört, es aber auf diesen Ort verschoben. Wir fuhren zu nahegelegenen Lago Viedma, von dort eine Stunde mit dem Schiff zum Gletscher Viedma. Wir kraxelten ein Stück und bekamen unsere „Steigeisen“…von dort ging es bergauf und wir genossen die nächsten 2,5 Stunden. Bedingt durch den starken Wind, ist dieser Gletscher leider etwas dreckig, dennoch war sehr beeindruckend und ziemlich „cool“ einem Gletscher genauer zu betrachten.











Der wichtigste zum Viedmasee führende Gletscher ist der 575 km² große Viedma-Gletscher, der sich im Westen befindet. Das Gletscherwasser färbt den See türkisblau.

http://de.wikipedia.org/wiki/Lago_Viedma

Nach erfolgreicher Gletscherbesteigung und anschließender Hotelsuche schlenderten wir durch die windigen Strassen und kehrten in einem gemütlichen Restaurant ein. Es war wunderbar und wir fühlten uns wie auf einer Hütte im Skiurlaub.

Am nächsten Tag sollte es ein weiteres WOW geben…verbunden war dies wiederum mit Wandern und demnach bestimmt mit weitern Schmerzen.

Gewappnet für jede Wettersituation, machten wir uns auf.
Die „Laguna Torre“ war das Tagesziel, welche einen super Blick auf den Cerro Torre versprach und 11,5 km (eine Richtung) entfernt lag. Die Tour sollte zwar nicht so fies wie am „Torres del Pain/e“ werden, aber ich hatte dennoch grossen Respekt, da der Muskelkater immer noch aktiv war. Und wie.
Der Cerro Torre (spanisch: „Turm-Berg“) ist ein ca. 3.128 Meter hoher Granitberg, der sich an der argentinisch-chilenischen Grenze befindet, etwa 50 km nördlich des bekannten Nationalparks Torres del Paine. Der Cerro Torre ist aufgrund seiner steil aufragenden, glatten Granitwände und der extrem widrigen Wetterbedingungen nur sehr schwer zu besteigen und gilt daher unter Bergsteigern als einer der schwierigsten und zugleich schönsten Gipfel der Welt.
Die Erstbesteigung soll schließlich am 30. Januar 1959 Cesare Maestri und dem Tiroler Toni Egger über die Nordwand gelungen sein. Beim Abstieg verunglückte Egger durch eine Eislawine tödlich. Da seine Kamera, die angeblich das Gipfelfoto enthielt, verloren ging, konnte Maestri nicht beweisen, dass er tatsächlich den Gipfel erreicht hatte. Ab 1968 wurden seine Schilderungen von immer mehr Bergsteigern in Zweifel gezogen und der Cerro Torre mitunter weiterhin als „unmöglicher Berg“ bezeichnet.









Der Weg war wunderbar, immer den Cerro Torre vor Augen, nicht zu viel und nicht zu wenig Anstrengung. Zwar fanden wir leider keinen dort ansässigen „ROTKOPF-Specht“, aber andere Exemplare und einen Haufen Schmetterlinge.

Das patagonische Wetter meinte es gut mit uns. Die Sonne gab alles, kaum eine Wolke am Himmel, Windstille. Wir verfluchten unsere Thermohose und Fleece Klamotten.
Nach 2,5 Stunden standen wir an der wunderschönen Laguna Torre, Blick auf den Gletscher und den atemberaubenden Cerro Torre. Mächtig stand der da und war nicht durch Wolken verhangen sondern stand „klipp und klar“ vor uns. So sollte es sein.
Wir hatten nämlich gehört, dass das Bergmassiv meist nicht zu sehen ist, da es Wolken verhangen sei. Aber nicht mit uns.




Unnötig zu sagen, dass der Rückweg trotzdem furchtbar war. Es tat weh und ich schwor mir, NIE, als wirklich nie, oder zur Zeit einfach nie, mehr zu wandern. Es gibt doch Bilderbücher und perfekte Internetseiten, wo man sich alles im Detail anschauen kann, ohne über 22 km bei „brütender Hitze“ (naja, Wärme) bergauf-und ab gehen zu müssen.
Nach der heissen Dusche und dem „Feierabendbier“ sah die Wanderwelt schon wieder anders aus. Wir waren schon wieder mächtig stolz, es geschafft zu haben. Mein Kreuzband und Meniskus schienen das ebenfalls so zu sehen und verhielten sich unauffällig.
Die örtliche Parilla musste dran glauben. Zwar aßen wir dort nicht unser bestes Fleisch, lernten aber eine sehr nette, kichernde, weibliche Reisegruppe aus Berlin kennen, die ebenfalls einige Orte wie wir besucht hatten und unser Auto schon in Puerto Natales gesehen und fotografiert hatten. Sie legten uns nahe, noch unbedingt einen Blick „aus der Nähe“ auf den Fitz Roy zu werfen…was allerdings mit W.w.W. verbunden war.
Clemens hatte Blut geleckt und wollte quasi sofort los.


Doch die Strecke zur „Laguna de los Tres“ sollte wirklich ekelig sein. Vor allem das letzte Stück 1 -1,5 Stunden, so sagten sogar Einheimische, seien die Hölle, denn es geht nur steil bergauf. Treppenartig über Felsformationen. Meistens bei Wind, bzw. Sturm.
Und nur wenn man Glück hat, läge der Fitz Roy dann nicht in den Wolken…
So genau verstand ich die spanische Beschreibung nicht, denn ich versprach Clemens, eine Nacht über meine Entscheidung und meinen Muskelkater zu schlafen und dann würden wir sehen…
Herjemineeeeeeeeeee, was auch immer mich geritten hat, ich willigte am nächsten Morgen ein obwohl mein Gatte mir als Alternative einen SPA Tag angeboten hatte…
Mein Muskelkater war doch sowieso aktiv. Und ich wollte ihn ja auch sehen, den alten Fitz!
Und gemeinsam ist man stark!
Der Fitz Roy, auch Cerro Fitzroy oder Cerro Chaltén ist ein 3.406 Meter hoher Granitberg in den argentinisch-chilenischen Anden Südamerikas. Er ist eine der Hauptattraktionen im Nationalpark Los Glaciares.
In der Sprache der Ureinwohner, der Tehuelche-Indianer, hieß der Berg El Chaltén, was in ihrer Sprache „Vulkan“ bedeutete. Heute trägt das nächstgelegene Dorf den Namen El Chaltén den Namen. Als erster Europäer sah 1877 Perito Moreno den Berg. Er benannte ihn nach dem Kommandanten von Charles Darwins Forschungsschiff HMS Beagle, Robert FitzRoy.

Also starteten wir um 9:00. Circa 10,5 x 2 Kilometer lagen vor uns. Hörte sich ja fast harmlos an. Wir liefen am Ufer des Río Blanco und hatten wahnsinnige Ausblicke auf den Fitz und seine angrenzenden Gletscher. Auch das Wetter war mal wieder auf unserer Seite, es sollte wärmer werden als am Tag zuvor ca. 20 Grad), somit waren unsere warmen Klamotten in der örtlichen Reinigung.
Obwohl wir noch nicht in der Hauptsaison unterwegs waren, waren auch wie am Tag zuvor eine Menge Leute unterwegs. Aus aller Herren Länder hörte man es singen, lachen, schnaufen, fluchen…


Das Runde muss in Eckige!

Hausbau
mein lieber Specht!

Bienlein und Blümlein

Und dann sah man ihn in voller Pracht: Den Weg nach oben. Den Ekelweg! Er fing harmlos an, durch Wald und „Steinchen“ doch er steigerte sich rasch. STEINE und FELSEN bis irgendwann nichts mehr ging als grosse, hohe Schritte. Es lag nicht nur an meinen kurzen Beinen, dass die Schritte hoch waren, auch Clemens schob sich den Berg hoch und schüttelte den Kopf als er immer wieder auf unser GPS schaute und sagte: „Es nimmt einfach kein Ende“…Menschen, die uns entgegenkamen schauten uns bemitleidend an:
„Es tut sehr weh, aber glaub mir, der Weg lohnt sich…nur noch 45 Minuten“…
...diesmal war ich wirklich kurz davor zu canceln entschied mich aber auch heute für „durchbeissen“. Um diesen Aufstieg zu kompensieren gab es Vollkornkekse. Das ging es doch irgendwie besser. Das Wetter war umgeschlagen, es stürmte und erschwerte uns jeden Schritt. Ich musste mich festhalten um nicht davon zu fliegen. Es war kalt.
nur doch da hoch...


easy

Auch diese 10,5 km Etappe erreichten wir nach ca. 3 Stunden.
Es hatte sich wieder gelohnt, der Fitz stand vor uns in all seiner Pracht und keine Wolke war am Himmel. Danke, Du lieber Wettergott, aber den Wind kannst Du das Nächste Mal (Was es nicht geben wird) weglassen. Wir stiegen weitere 300 m weiter hinauf und sahen noch was richtiges WOWiges:
Die „Laguna Sucia“ (schmutzige Lagune) die einfach nur in der Sonne glänzte und schön aussah…von wegen Schmutz.
Auch dieser Rückweg war schmerzvoll, muss ich Detail vermutlich nicht erwähnen, ausser dass wir bemitleidende Blicke den hochkommenden Menschen entgegenwarfen und ihnen sagten:„zieeeeeeeeeeh, ist nur noch ne` Stunde…aber es lohnt sich.“
Auch diese 10,5 km Etappe erreichten wir nach ca. 3 Stunden.
Es hatte sich wieder gelohnt, der Fitz stand vor uns in all seiner Pracht und keine Wolke war am Himmel. Danke, Du lieber Wettergott, aber den Wind kannst Du das Nächste Mal (Was es nicht geben wird) weglassen. Wir stiegen weitere 300 m weiter um die "Ecke" hinauf und sahen noch was richtiges WOWiges: Die „Laguna Sucia“ (schmutzige Lagune) die einfach nur in der Sonne glänzte und schön aussah…von wegen Schmutz.
Auch dieser Rückweg war schmerzvoll, muss ich Detail vermutlich nicht erwähnen, ausser dass wir bemitleidende Blicke den hochkommenden Menschen entgegenwarfen und ihnen sagten:„zieeeeeeeeeeh, ist nur noch ne` Stunde…aber es lohnt sich.“
Fitz Roy mit gefrorener Laguna de los Trés...

Laguna Sucia
Gletscher und Lagune
Es gab doch noch ein Highlight: Den „ROTKOPF-Specht“ entdeckte Clemens im letzten Waldstück und schob mich zum Fotografieren in die Büsche.
Ich verfolgte den von Baum zu Baum fliegenden roten Pumuckl…und dann, dann schob ich mich mit letzter Kraft einen Abhang hoch, lag im Dreck, hielt die Luft an und knipste.
Entkommen sollte er mir nicht…und wenn es das Letzte wäre, was ich heute tue.

Die heutigen Erlebnisse machten unseren Tag (mit anschliessendem Steak) einfach nur perfekt und die schmerzenden Muskeln vergessen…
Wieder war es wunderbar gewesen, dass „Wandern wegen WOW“. (W.w.W.)...und unsere Reise konnte weiter gehen!