02.11.2011

25.10.2011 Rada Tilly / Argentinien

Dieser lustig klingende Ort liegt 15 km entfernt von der Stadt Comodora Rivadavia, die wir abends erreichten. Ursprünglich wollten wir in Comodoro nach den letzten windigen Tagen in freier Natur ein Zimmerchen beziehen, doch die Hafenstadt mit diversen Ölfördertürmen und Öltanks scheint durch die Flut an Geschäftsleuten kaum auf Touristen eingestellt zu sein.
Entweder waren Hotels komplett ausgebucht, oder die Zimmerpreise waren unverhältnismäßig hoch, um nicht zu sagen: schweineteuer. Das sahen wir nicht ein. Bei aller Freundschaft. Für die Pesos stürmten wir lieber den grössten Supermarkt der Stadt und deckten uns mit Leckereien aller Art ein.
Auch gab es in der Stadt kein Diesel. Unglaublich. Auch in Rada Tilly, wo einen Campingplatz geben sollte, waren alle Diesel-Rüssel abgeklemmt…“maňana, maňana““…

Rada Tilly liegt direkt am Strand, es soll sogar einer der längsten in Patagonien sein.

Grosse, schicke Häuser (Wochenendhäuser) sind hier zu finden. Personal pflegt die Vorgärten. Um die Ecke des Camping Municipals, welcher sehr sauber und sehr günstig war, befand sich die Promenade auf welcher wir spazieren und joggen konnten. Hervorzuheben ist die architektonische Freiheit in diesem Ort. Wer sich beim Hausbau mal richtig austoben möchte, sollte herkommen. Hier ist alles erlaubt.
Kindergarten Burg
Das Wetter war schon wieder auf unserer Seite. Tagsüber sonnig, die Abende und Nächte mild. Von wegen schlechtes Wetter in Patagonien…


Um frisches Brot backen zu können mussten wir notgedrungen grillen.
So genossen wir die Zeit während der Diesel-Warterei.

Unser Highlight allerdings war eine Self-Service-Station für Autopflege. Hier tobten wir uns über 2 Stunden richtig aus…Clemens sauste mit dem Kärcher durch alle Programme und ich zeigte dem Staubsauger, welche Ecken und Ritzen ein Land Rover hat. (Unnötig zu sagen, dass es genau 1 Tag hielt…)

30.10.2011

24.10.2011 Punta Ninfas, Punta Tomba, Cabo Dos Bahías / Argentinien

Von Valdés fuhren wir direkt nach Punta Ninfas, einem Leuchtturm gute 60 km südöstlich von Puerto Madryn. Bergab der Klippen gab es eine weitere See-Elefanten Kolonie, die man sich aus unmittelbarer Nähe und ohne Eintritt anschauen konnte. Man musste nur die Klippen, bei ner guten Portion Wind, hinunter (und wieder hinauf) kommen.

Wir hatten aufgeschnappt, dass man den Seelöwen und See-Elefanten den Fluchtweg zum Wasser nie versperren sollte, sondern „oberhalb“ von ihnen gehen sollte. Sie konnten nämlich auch stinksauer werden, wenn sie sich bedroht fühlten. Und zur unserem Erstaunen hatten sie mächtig lange und spitze Zähne.
Soviel zur Theorie.
Einige See-Elefanten tummelten sich am Strand, mal mehr, mal weniger. Auch sie liegen oft einfach nur rum und dösen. Oder tun so.
Den ersten dicken Klops zu „passieren“ fiel mir nicht so nicht leicht. Es trennten uns nur 1,5-2 m und ab und zu blinzelte sie zu mir rüber. Es war eine sie, denn sie hatte diesen fiesen Rüssel nicht. Wir hangelten uns am Strand entlang, an dem auch einige Kadaver rumlagen und vor sich hinstanken und sahen ganz grosse und ganz kleine See-Elefanten, die ich am liebsten – wie immer - eingepackt hätte.
Leider sahen wir auch unschöne Szenen. Wir hatten schon davon gehört, aber nun war es zu sehen - und besonders furchtbar, zu hören: Ein Bulle schnappte sich eine kleine, feine Robbe für den "näheren Kontakt“. Sie wollte das aber ganz offensichtlich nicht und kämpfte dagegen wie eine Grosse, schrie wie am Spiess und windete sich wie ein Wurm. Ohne Erfolg. Es ging uns durch Mark und Bein. Seitdem hasse ich See-Elefanten-Männer.

Dann ging es wieder die Klippen hoch...
Anders als geplant fuhren wir nicht zurück nach Puerto Madryn sondern weiter gen Süden. Über die Piste 1 (flotter Schotter) zum Badeort „RAWSON“, der komplett verschlafen und leider auch komplett geschlossen war.
180 km entfernt von Puerto Madryn wartete das nächste Spektakel:
Die Punta Tomba.
Punta Tomba ist die weltweit größte Brutstätte von Magellan-Pinguinen, diesen kleinen putzigen Tierchen, welche vermutlich jeder Mensch mag. Man kann sie ja „nicht nicht“ mögen, so witzig sind sie.
Punta Tombo ist ein Tierschutzreservat an der argentinischen Atlantikküste. Die drei km lange und 600 m breite Halbinsel ist bedeckt mit Sand, Lehm und Kies.
Im späten September, wenn auf der Südhalbkugel der Frühling kommt, ziehen die Magellan-Pinguine von Südbrasilien nach Patagonien und nisten dann in Punta Tombo. Andere wichtige Brutstätten der Magellan-Pinguine sind die Bahía Camarones und Cabo Dos Bahías.


Wir erreichten das Tierschutzgebiet gegen Abend. Die Parkangestellten waren gerade dabei zu schliessen, um 8:00 früh ginge es weiter.
Kein Campingplatz weit und breit zu sehen. In der Pampa machbar, aber kaum noch Wasservorräte für Katzendusche. Aber wer fragt, gewinnt: Wir stellten uns windgeschützt vor das Eingangshaus. Morgen konnten wir nur die Ersten sein. Die Sanitäranlagen liess man für uns geöffnet.
Diese Nacht schliefen wir mit „Pinguin-Gesängen“ ein, die allerdings lauter als der Wale waren.
Aber es war egal, denn unser Schlafplatz war einzigartig:
Wer schläft denn schon sonst vor der Haustür einer Pinguin-Kolonie, welche eine HALBE MILLION Bewohner hat. Ich wiederhole: ½ Million!
Meinlieberherrgesangsvereinsinddasviele!

Der Magellan-Pinguin ist eine Vogelart in der Gattung der Brillenpinguine. Er kommt im Süden Südamerikas vor. Ihren wissenschaftlichen Namen erhielt die Art wegen ihrer Häufigkeit an den Küsten der „Terra Magellanica“, die etwa dem Gebiet von Patagonien entspricht.

Der Magellan-Pinguin ist zwischen 40 - 70 cm lang und wiegt 3-6 Kilogramm. Der Kopf und die Oberseite von Rumpf, Flügel und Schwanz sind schwarz. Die Unterseite des Rumpfes und der Flügel ist weiß. Weibchen schreiten ab einem Alter von vier Jahren zur Brut, Männchen ab 5 Jahren. Der Magellan-Pinguin gräbt dazu eine Bruthöhle, wenn der Erdboden dies zulässt. Ansonsten brütet er in kleinen Mulden, Felsspalten oder unter Sträuchern. Die Weibchen erscheinen im September am Brutplatz, die Eiablage beginnt etwa Mitte Oktober. Die zwei gleich großen Eier werden im Abstand von vier Tagen gelegt und wiegen jeweils etwa 125 g. Sie werden etwa 40 Tage lang bebrütet. Das Weibchen brütet zuerst, während das Männchen bis zu 500 km vom Brutplatz entfernt jagt. Es löst das Weibchen nach 15 bis 20 Tagen ab. Das Weibchen geht dann auf Jagd.
Sie leben monogam und kümmern sich um Ihre Familie. Ein tolles Tier!

http://de.wikipedia.org/wiki/Magellan-Pinguin

Unser Besuch fiel nun genau in die Brutzeit.

Um 8:00 standen wir auf der Matte und hatten das Gelände und seine Bewohner über 2 Stunden für uns ganz alleine, bis die ersten Busse eintrafen. (Argentinier/innen in Jogginghosen. Freizeit = Jogginhose)

Das Gelände ist mit Holzstegen und abgesteckten Wegen ausgestattet, sodass man den brütenden Pinguinen nicht ins Gehege kommt.  Die Damen liegen in Erdhölen (Siehe Text Wikipedia oben) und brüten. Die Männer bewachen die Damen oder sind am „Strand“…
Es war einfach genial und beeindruckend über das Gelände zu laufen.
Die 3 Herren am Strand
Brutplätze
Beine vertreten, dann wieder ab aufs Ei
Es gab immer etwas zu sehen und zu schmunzeln. Eine kleine Kolonie hatten wir auf Valdés gesehen aber das waren Ausmaße…Unfassbar, dass es so Etwas Tolles gibt.
Wohin man sah, ragte ein Kopf oder Schnabel aus dem Boden.
Die Herumlaufenden Pinguine sind überhaupt nicht schreckhaft. Im Gegenteil. Sie watscheln einfach ihren gewohnten Gang.

Auch die sehr scheuen Guanakos, die wir schon in freier Natur gesehen hatten und dessen Fell so schön in der Sonne leuchtet, waren hier vertreten und flanierten „filigran“ umher. Der Guanako ist eine wildlebende  Art der Kamele. Es lebt vor allem im westlichen und südlichen Südamerika und ist die Stammform des domestizierten Lamas und möglicherweise des Alpakas.
TINAmou
Weiter ging es die Piste Ruta 1 in den Ort  „Camarones“, der im Wettbewerb „verschlafenes Küstendorf“ sicherlich die Goldmedaille gewonnen hätte. Hier ging mal Garnichts. Es herrschte Ruhe. Niemand war auf der Strasse zu sehen. Glücklicherweise fanden wir eine Dieselführende Tankstelle, mit einer Zapfsäule und einen Maxikiosko für den kleinen Hunger zwischendurch. Dazu Landschaft die begeistert.

Nur 30 km weiter kam das nächste Wow-Erlebnis:
Das „Kap Dos Bahías“. Ebenfalls ein Naturschutzgebiet/Tierreservat und wunderschön gelegen. Das Meer blitze blau, Felsformationen rot. „Nur“ 25.000 Pinguinpaare und Guanakos sind hier zu Hause sind sowie auf der angrenzenden Isla Moreno einige Seelöwen.

Hier waren die Pinguine besonders schmerzbefreit. Ihnen fehlte jegliche Scheu vor dem Menschen. Man kann sich ihnen bis auf Armlänge nähern, ohne dass sie flüchten oder Drohgebärden zeigen. Man muss sogar Acht geben, dass man ihnen nicht auf die Füße tritt, so arglos sind diese Vögel.

Wir verbrachten hier ein paar schöne Stunden und dann ging es weiter gen Süden…ab in den Süden!

22.10.2011 Península Valdés / Argentinien

Die etwa 3625 km² große Halbinsel Valdés (spanisch Península Valdés) liegt an der Atlantikküste.
Sie ist ein Naturreservat und wurde 1999 von der UNESCO auf die Welterbeliste gesetzt. Sie besteht größtenteils aus karger Landschaft und einigen kleineren Salzseen.
Von besonderer Bedeutung ist die Halbinsel wegen der Meeressäugetiere, die sich an ihrem Ufer und vor ihren Küsten tummeln. Dies sind an der Küste Seelöwen und See-Elefanten. Der von der Halbinsel und einer Landzunge des pagonischen Festlands gebildete südliche Golfo Nuevo ist Lebensraum der Südkaper. Diese Bartenwalart kommt in der zweiten Jah-reshälfte hierher, um sich fortzupflanzen und ihre Jungen zur Welt zu bringen, da das Wasser im Golf ruhiger und wärmer ist als auf dem offenen Meer. Im offenen Meer, vor den Küsten der Halbinsel, leben auch Schwertwale (Orcas).
Es gibt an den Küsten mehrere Kolonien der Magellan-Pinguine. Diese Magellan-Pinguin-Kolonien leben friedlich in unmittelbarer Nähe zu den gewaltigen See-Elefanten.
Das Innere der Halbinsel ist eine trockene und heiße Steppenlandschaft mit kniehohen Sträuchern und von der Sonne verbrannten, dürren Grasbüscheln. Trotz des Klimas wird sie von zahlreichen Tieren bevölkert, wie dem Nandu (Südamerikanischer Straußenvogel),dem Guanaco (Verwandter der Lamas), den Maras und dem Gürteltier.

http://de.wikipedia.org/wiki/Vald%C3%A9s

Wir hatten Glück und konnten an einem windfreien und sonnigen Tag eine Wal-Tour machen und trafen einige - vor allem freundliche Wal- Exemplare. Zwei Mütter (ca. 10 m Länge) mit Kindern, die so interessiert waren, dass sie sich sehr lange und sehr nah bei uns aufhielten. Danach folgten noch zwei Jungtiere und zwei Ältere, die gleich eine Länge von min. 14 m hatten. Diese Tiere sind und bleiben einfach beeindruckend und irgendwie beruhigend.
guckguck
Danach ging es für uns über die Insel. Einige Stationen gab es zu erkunden. Die wenigen Strassen die es gibt bestehen aus Schotter oder Sand. Schafherden und Guanacos, Füche und Gürteltiere sowie diverse Vogelarten trifft man bei der Fahrt über die Insel häufig.
Im Norden gibt es eine gemischte Kolonie. Hier tummeln sich Seelöwen und die südlichen See-Elefanten, es sind die grössten Robben der Welt. Sie wirken gewaltig.
Die Bullen sind nicht wirklich „putzig“ mit ihre Rüsseln, zumal sie oft sehr aggressiv sind wenn sie ihren Harem verteidigen. Wie bei den Seelöwen herrscht oft ein Machtkampf.
Viele Narben sind an den Tieren zu sehen. Die Weibchen haben nur einen kleinen Rüsselansatz.
http://de.wikipedia.org/wiki/See-Elefanten
Auch einer Pinguin Kolonie statteten wir einen Besuch ab und zudem sahen wir auch unsere ersten Orcas (Schwertwale). Leider nur aus der Ferne, aber wir haben zwei Stück gesehen...
"Orca-Schwert-Suchbild"
Pünktlich zum Sundowner trafen wir in der Bucht „Punta Pardelas“ ein, sie liegt etwas unterhalb des Ortes. Hier darf man "frei" stehen.
Perfekt der Natur angepasst.
Unser Standplatz
Es war auch hier traumhaft. Sonnenuntergang, Sternenhimmel, glückliche Wale und ein milder Abend boten sich uns. Wir konnten uns nicht satt sehen. Die „Walgesänge“ und das Meeresrauschen begleiteten uns in den Schlaf. War das schön kitschig.

Die Nacht war allerdings nicht mehr so ruhig. Wir hatten das Gefühl abzuheben, so heftig war der Wind. Wir standen zwar voll im Wind, etwas geschützt von einer Düne, dennoch peitschte der Wind um unser Zeltdach. Hui. Karlsson vom Dach liess grüssen.
Mitten in der Nacht auf den Fussboden zu klettern und eingezwängt dort zu schlafen fanden wir auch um diese Uhrzeit ungemütlich. Daher galt: Oropax und Abfahrt.
Somit hörten wir das Gepeitsche an der Zeltplane nicht und alles war muckelig.

Um 7:00 begann das private Whale-Whatching. Dick eingemummelt „flanierte“ ich am Strand, als die Sonne aufging und die Wale sich für den Tag in Form brachten, umherhüpften und gute Laune verbreiteten. An diesem Örtchen blieben wir noch, erkundeten die Gegend bei langen Spaziergängen, immer mit Blick auf die Wale, die sich ungestört bewegten.

Hier trafen wir einige Reisende, darunter Deutsche, Italiener, Franzosen, Holländer, Italiener und vor allem Schweizer. Ist überhaupt noch jemand in diesem Land? Hallo Schweiz, jemand zu Hause? Schweizer scheinen ein sehr reiselustiges und mutiges Völkchen zu sein. Wir treffen sie in allen Altersklassen und in allen Varianten. Zu Fuss, mit dem Fahrrad, im großen oder im kleinen Auto, für kurze oder lange Aufenthalte. Das nur so nebenbei.

3 Tage und 3 Nächte blieben wir auf Valdés. Länger hätten wir es auch ausgehalten, aber der Süden rief.
Es war ein einzigartiges Erlebnis.
Und wenn wir können, werden irgendwann in unserem Leben nochmal wiederkommen.
Es war sehr beeindruckend.

Auch hierfür vergeben wir wieder eine 1…aber diesmal mit Sternchen.
Mutter & Kind