Von Valdés fuhren wir direkt nach Punta Ninfas, einem Leuchtturm gute 60 km südöstlich von Puerto Madryn. Bergab der Klippen gab es eine weitere See-Elefanten Kolonie, die man sich aus unmittelbarer Nähe und ohne Eintritt anschauen konnte. Man musste nur die Klippen, bei ner guten Portion Wind, hinunter (und wieder hinauf) kommen.
Wir hatten aufgeschnappt, dass man den Seelöwen und See-Elefanten den Fluchtweg zum Wasser nie versperren sollte, sondern „oberhalb“ von ihnen gehen sollte. Sie konnten nämlich auch stinksauer werden, wenn sie sich bedroht fühlten. Und zur unserem Erstaunen hatten sie mächtig lange und spitze Zähne.
Soviel zur Theorie.
Einige See-Elefanten tummelten sich am Strand, mal mehr, mal weniger. Auch sie liegen oft einfach nur rum und dösen. Oder tun so.
Den ersten dicken Klops zu „passieren“ fiel mir nicht so nicht leicht. Es trennten uns nur 1,5-2 m und ab und zu blinzelte sie zu mir rüber. Es war eine sie, denn sie hatte diesen fiesen Rüssel nicht. Wir hangelten uns am Strand entlang, an dem auch einige Kadaver rumlagen und vor sich hinstanken und sahen ganz grosse und ganz kleine See-Elefanten, die ich am liebsten – wie immer - eingepackt hätte.
Leider sahen wir auch unschöne Szenen. Wir hatten schon davon gehört, aber nun war es zu sehen - und besonders furchtbar, zu hören: Ein Bulle schnappte sich eine kleine, feine Robbe für den "näheren Kontakt“. Sie wollte das aber ganz offensichtlich nicht und kämpfte dagegen wie eine Grosse, schrie wie am Spiess und windete sich wie ein Wurm. Ohne Erfolg. Es ging uns durch Mark und Bein. Seitdem hasse ich See-Elefanten-Männer.
Dann ging es wieder die Klippen hoch...
Anders als geplant fuhren wir nicht zurück nach Puerto Madryn sondern weiter gen Süden. Über die Piste 1 (flotter Schotter) zum Badeort „RAWSON“, der komplett verschlafen und leider auch komplett geschlossen war.
180 km entfernt von Puerto Madryn wartete das nächste Spektakel:
Die Punta Tomba.
Punta Tomba ist die weltweit größte Brutstätte von Magellan-Pinguinen, diesen kleinen putzigen Tierchen, welche vermutlich jeder Mensch mag. Man kann sie ja „nicht nicht“ mögen, so witzig sind sie.
Punta Tombo ist ein Tierschutzreservat an der argentinischen Atlantikküste. Die drei km lange und 600 m breite Halbinsel ist bedeckt mit Sand, Lehm und Kies.
Im späten September, wenn auf der Südhalbkugel der Frühling kommt, ziehen die Magellan-Pinguine von Südbrasilien nach Patagonien und nisten dann in Punta Tombo. Andere wichtige Brutstätten der Magellan-Pinguine sind die Bahía Camarones und Cabo Dos Bahías.
Wir erreichten das Tierschutzgebiet gegen Abend. Die Parkangestellten waren gerade dabei zu schliessen, um 8:00 früh ginge es weiter.
Kein Campingplatz weit und breit zu sehen. In der Pampa machbar, aber kaum noch Wasservorräte für Katzendusche. Aber wer fragt, gewinnt: Wir stellten uns windgeschützt vor das Eingangshaus. Morgen konnten wir nur die Ersten sein. Die Sanitäranlagen liess man für uns geöffnet.
Diese Nacht schliefen wir mit „Pinguin-Gesängen“ ein, die allerdings lauter als der Wale waren.
Aber es war egal, denn unser Schlafplatz war einzigartig:
Wer schläft denn schon sonst vor der Haustür einer Pinguin-Kolonie, welche eine HALBE MILLION Bewohner hat. Ich wiederhole: ½ Million!
Meinlieberherrgesangsvereinsinddasviele!
Der Magellan-Pinguin ist eine Vogelart in der Gattung der Brillenpinguine. Er kommt im Süden Südamerikas vor. Ihren wissenschaftlichen Namen erhielt die Art wegen ihrer Häufigkeit an den Küsten der „Terra Magellanica“, die etwa dem Gebiet von Patagonien entspricht.
Der Magellan-Pinguin ist zwischen 40 - 70 cm lang und wiegt 3-6 Kilogramm. Der Kopf und die Oberseite von Rumpf, Flügel und Schwanz sind schwarz. Die Unterseite des Rumpfes und der Flügel ist weiß. Weibchen schreiten ab einem Alter von vier Jahren zur Brut, Männchen ab 5 Jahren. Der Magellan-Pinguin gräbt dazu eine Bruthöhle, wenn der Erdboden dies zulässt. Ansonsten brütet er in kleinen Mulden, Felsspalten oder unter Sträuchern. Die Weibchen erscheinen im September am Brutplatz, die Eiablage beginnt etwa Mitte Oktober. Die zwei gleich großen Eier werden im Abstand von vier Tagen gelegt und wiegen jeweils etwa 125 g. Sie werden etwa 40 Tage lang bebrütet. Das Weibchen brütet zuerst, während das Männchen bis zu 500 km vom Brutplatz entfernt jagt. Es löst das Weibchen nach 15 bis 20 Tagen ab. Das Weibchen geht dann auf Jagd.
Sie leben monogam und kümmern sich um Ihre Familie. Ein tolles Tier!
http://de.wikipedia.org/wiki/Magellan-Pinguin
Unser Besuch fiel nun genau in die Brutzeit.
Um 8:00 standen wir auf der Matte und hatten das Gelände und seine Bewohner über 2 Stunden für uns ganz alleine, bis die ersten Busse eintrafen. (Argentinier/innen in Jogginghosen. Freizeit = Jogginhose)
Das Gelände ist mit Holzstegen und abgesteckten Wegen ausgestattet, sodass man den brütenden Pinguinen nicht ins Gehege kommt. Die Damen liegen in Erdhölen (Siehe Text Wikipedia oben) und brüten. Die Männer bewachen die Damen oder sind am „Strand“…
Es war einfach genial und beeindruckend über das Gelände zu laufen.
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| Die 3 Herren am Strand |
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| Brutplätze |
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| Beine vertreten, dann wieder ab aufs Ei |
Es gab immer etwas zu sehen und zu schmunzeln. Eine kleine Kolonie hatten wir auf Valdés gesehen aber das waren Ausmaße…Unfassbar, dass es so Etwas Tolles gibt.
Wohin man sah, ragte ein Kopf oder Schnabel aus dem Boden.
Die Herumlaufenden Pinguine sind überhaupt nicht schreckhaft. Im Gegenteil. Sie watscheln einfach ihren gewohnten Gang.
Auch die sehr scheuen Guanakos, die wir schon in freier Natur gesehen hatten und dessen Fell so schön in der Sonne leuchtet, waren hier vertreten und flanierten „filigran“ umher. Der Guanako ist eine wildlebende Art der Kamele. Es lebt vor allem im westlichen und südlichen Südamerika und ist die Stammform des domestizierten Lamas und möglicherweise des Alpakas.
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| TINAmou |
Weiter ging es die Piste Ruta 1 in den Ort „Camarones“, der im Wettbewerb „verschlafenes Küstendorf“ sicherlich die Goldmedaille gewonnen hätte. Hier ging mal Garnichts. Es herrschte Ruhe. Niemand war auf der Strasse zu sehen. Glücklicherweise fanden wir eine Dieselführende Tankstelle, mit einer Zapfsäule und einen Maxikiosko für den kleinen Hunger zwischendurch. Dazu Landschaft die begeistert.
Nur 30 km weiter kam das nächste Wow-Erlebnis:
Das „Kap Dos Bahías“. Ebenfalls ein Naturschutzgebiet/Tierreservat und wunderschön gelegen. Das Meer blitze blau, Felsformationen rot. „Nur“ 25.000 Pinguinpaare und Guanakos sind hier zu Hause sind sowie auf der angrenzenden Isla Moreno einige Seelöwen.
Hier waren die Pinguine besonders schmerzbefreit. Ihnen fehlte jegliche Scheu vor dem Menschen. Man kann sich ihnen bis auf Armlänge nähern, ohne dass sie flüchten oder Drohgebärden zeigen. Man muss sogar Acht geben, dass man ihnen nicht auf die Füße tritt, so arglos sind diese Vögel.
Wir verbrachten hier ein paar schöne Stunden und dann ging es weiter gen Süden…ab in den Süden!