26.11.2011

22.11.2011 Futaleufú / Chile

Schon bezüglich des lustig klingenden Namens wollten wir nach Futaleufú. Ebenfalls sollte es ein Eldorado für Fliegenfischer, Rafing-und Kanufreunde sein. Touren mit dem höchsten Schwierigkeitsgrad gab es hier. Das hörte doch sich genau nach unserer Hausnummer an. Es lebe der Rock´n Roll! Die meisten Besucher kommen allerdings von der argentinischen Seite, denn die Grenze liegt nur 8 km entfernt. War uns zu einfach ;) Ausserdem waren wir in der Ecke vor Wochen ja schon gewesen…und Wege doppelt fahren geht nicht. Hinter Puyuhuapi lag das etwas grössere Örtchen La Junta, allerdings war es ebenfalls aus einem Bilderbuch gefallen.

Puyuhuapi
Stadtkern Puyuhuapi
Reisen statt rasen
Gscheite Brotzeit im Auto und weiter!
Trinkwasser aus der Quelle zapfen...
oder lieber doch nicht.


In der Ortschaft Villa Santa Lucia bogen wir dann ab. Wir erreichten diesen Bergort über die schlagloch- und schotterbefallende Erdstrasse RP 231.
Zwischen diesen besagten Orten lag meist nicht viel. Mal ein Haus, mal ein Hof. Den 110 km² grossen Lago Yelcho mit stahlblauem Wasser liessen wir links liegen und erreichten gegen Nachmittag Futaleufú. Bei Regen. Es sah nicht so aus, als hätte man auf uns gewartet. Es herrschte Siesta, auf allen Kanälen. Nur unsere Reisekasse konnten wir an einem Bankomaten aufladen. Der Campingplatz, welcher sehr schön am Flussufergelegen war, schwamm davon. Hostels waren verrammelt. Nur ein Hotel – wohl das Beste am Platze, hatte geöffnet. Schnell hatten wir uns mit dieser bezaubernden Lodge „El Barranco“ angefreundet, ein trockenes Plätzchen, tolle, grosse, kuschelige Zimmer sowie eine heisse Sauna liessen auf einiges hoffen.



Bar / Restaurant
Der Eigentümer Juan Pablo gewährte uns noch einen flotten Nebensaisonrabbat und somit war die Sache für uns klar. Unser Wunsch nach Rafting fiel tatsächlich ins Wasser.


schau mir in die Augen, Kleiner!
Drei Tage versuchte Juan Pablo uns bei einem Anbieter unter zu bekommen, doch da die Flüsse über die Ufer traten, fuhr niemand. Die Angsthasen  ;)
Die Lodge war übrigens mit vielen Reisemitbringseln ausgestattet.
WC Schild

Ausser der Küche in unsere Lodge trafen wir kein weiteres Restaurant. Nur eines. Es lag IN einer Wohnung. Es war genial mitten im Wohnzimmer mit anderen Gästen Mittag zu essen….Es war auch lecker. Manchmal sind es die einfachen Ideen die funktionieren.
Mittag ....

bei "Mama Rincon"
Somit genossen wir die „freie“ Zeit und beratschlagen unseren weiteren Reiseverlauf. Unser „Termin“ in Santiago rückte näher, trödeln konnten wir nun auch nicht.
Die Insel Chiloé, westlich gelegen, wollte auf jeden Fall besucht werden. Normalerweise kann man in das nicht weit gelegene Vulkan geschädigte „Chaitén“ und von dort mit der Fähre auf die Insel in den Ort „Quellon“ übersetzen. Alternativ die Carretera Austral weiter gen Norden fahren und wenn keine Strasse mehr da ist, mit dem Schiff übersetzen. Dreimal wäre das der Fall, bis man in der Stadt Puerto Montt wäre. Von dort geht es dann wieder südlich auf die Insel…
Wir hätten uns für Variante eins entschieden, doch leider verkehrt die Fähe nicht täglich. Erst 5 Tage später sollte sie gehen. Also entschieden wir, uns der Carretera Austral zu widmen und wetterbedingt sicherlich mir ihr zu kämpfen. Viele Strassen waren durch den Regen weggewaschen und einfach nicht mehr da, oder ganze Hänge waren abgetragen und lagen auf der Strasse. Viele Baustellen mussten wir passieren, der Ausbau der Carretera scheint voran zu gehen, wobei gesagt sein muss, dass die Jungs ohne Unterschlupf den ganzen Tag auf der Strasse sind. Kein Container oder ähnliches in der Nähe. Bei Regen ziemlich ungemütlich.
Nichts gegen „FUTA“ aber 3 Tage bei Regen und Sauna reichten uns. Genug Romantik. Also machten wir uns wieder auf den Rückweg, liessen es uns trotz Regen nicht nehmen, einen Marsch durch den „Regenwald“ zum Aussichtspunkt des VENTISQUERO YELCHO zu machen. Einem gewaltigen Hängegletscher.
Wasserfall am Wegesrand
ok, die Strasse müssen wir auch nehmen

Geschafft...nun zu Fuss weiter

Gletscher in Sicht


da! Er hing wie eine Zunge....

Feigenblatt war gestern.
Pitschnass fuhren wir weiter und erreichten nach nur 150 Tageskilometern die Stadt Geisterstadt Chaitén. Bei Regen. War ja klar.

24.11.2011

21.11.2011 Puyuhuapi / Chile

Nach knapp 70 km erreichten wir die Stadt Coi/Coyhaique. (Niemand weiss, wie es geschrieben wird…geschweige denn, wie man es ausspricht.)
Es nieselte die ganze Fahrt über. Dennoch war die Landschaft hübsch anzusehen.




Die Stadt bot uns zu Beginn gleich eine funktionierende Tankstelle und einen Baumarkt. Danach einen hübschen Platz, eine nette Einkaufsstraße und nette Cafés. Ein Fährunternehmen, welches wir befragen wollten frönte der Siesta, wie so manch andere Läden. Zu. Einfach komplett zu. Ohne Hinweis auf die Öffnungszeiten. Das trifft man auf diesem Kontinent öfter.

Coyhaique (auch Coihaique) ist eine Stadt im Süden des südamerikanischen Anden-Staates Chile und liegt in der Región de Aysén (Region XI). Coyhaique hat rund 43.000 Einwohner ( und ist die Hauptstadt der Region. Sie liegt rund 1650 km südlich von Santiago.
Die Stadt liegt am Zusammenfluss von Río Simpson und Río Coyhaique an einem waldreichen Tal. Die Fernstraße Carretera Austral führt durch die Stadt.
Das Klima ist geprägt von polaren Wintern, maritimen Wetter von der nahen Küste und kontinentalem Klima von der Anden-Seite.


Wir entschieden nachdem wir uns im Super-und Baumarkt ausgetobt sowie Restaurant-und Tankstopp hinter uns hatten, weiter zu fahren…unwissend, dass dies vorerst letzte „Stadt“ ist, die wir antreffen würden…
Nach kurzer Zeit änderte sich die Landschaft. Regenwald? Wir fühlten uns in die Szenerie des Films Jurassic Park versetzt. Auf der sich windenden Schotterstrasse waren wir nun von meist riesengrossen Mammut-Rhabarber-Pflanzen namens NALCA und Fahnen umgeben. Wo waren die Dino`s?

NALCA, alias Mammut Rharbaber
Durch den Regen war alles vernebelt. Es war abgefahren…was viele LKWs und PKWs im Strassengraben mit sich brachte. Immer wieder mussten wir stehenbleiben, da wir uns in Ruhe umgucken mussten… Unglaublich, das die Landschaft auf der Rückseite der Anden völlig andres aussah! Rinder waren weitaus weniger zu sehen. Man merkte, dass wir nun in der Meeresfrüchte und Fischregion waren…so zwischen den Fjorden...
genauso wird unser Garten irgendwann bestückt





Gegen Abend erreichten wir die Siedlung PUYUHUAPI. Sie liegt in der vorletzten Region Chiles (11. Region Aysén), am Ende des gleichnamigen Fjords, am Fusse der Urwaldberge und Gletscher des Nationalparks
Gegründet 1935 von vier deutschen Einwanderern, ist Puyuhuapi heute ein Fischerdorf mit buntbemalten Holzbooten und deutscher und chilotischer Architektur inmitten einer grandiosen Landschaft. Herrlich, hier ein paar Tage in der Natur zu verbringen…dachten wir.
Es gab weniger als gedacht. Zur Saison sollte hier wohl eine Menge los sein. Wir waren aber nicht in der Saison. Es gibt keinen Bankomaten, aber eine kleine Tankstelle. Eine Handvoll Unterkünfte und Restaurant. Aber heute waren sie zu.




wer darf wo hinfahren?

Service Stationen auf der Carretera Austral
Der örtliche Campingplatz schwamm durch den Regen weg und sah auch sonst nicht wirklich einladend aus. Im Hotel Alemana und Hostal Rossbach waren keine Zimmer verfügbar. So fanden wir eine richtig nette, hübsche Pension in der Strasse HAMBURGO, Eine Hütte mit kuscheligen Betten und Petroleumofen, heisser und sauberer Dusche. Wir picknickten im Bett und hörten den Regen auf das Blechdach prasseln.
Hamburgo 16



Beim Frühstück erkundigten wir uns, ob der Regen noch lange andauern würde…“Nicht mehr lange, nur bis Freitag/Samstag“…und es war Dienstagfrüh. Unsere Stimmung stieg.
Im Sommer wäre es mit Sicherheit sehr Idyllisch hier. Heute fuhren nach einer Ortserkundung allerdings weiter.

Gute Laune - trotz Regen

20.11.2011 Cerro Castillo / Chile

Am Río Jeinemeni passierten wir die Grenze, erledigten relativ schnell Zoll und Fruchtkontrolle und befanden uns kurz danach in „Chile Chico.“

Es regnete. Wir deckten uns mit neuer Wegzehrung ein, was nicht so einfach war, hatten wir doch grad unsere „Lieblingsprodukte“ in Argentinien…Aber dann ging es los: Die Fahrt verlief westlich über eine Haarnadelkurven gespickte Schotterstrasse, in atemberaubender Natur. Alles war grün und bunte Büsche am Wegesrand, blitzeblaue Seen und Lagunen liessen uns nur staunen.



Diese Schotterstrasse führte uns dann auf die berühmte Carretera Austral, die vorerst auch aus Schotter uns Erde bestand.
Die Carretera Austral (offizielle Bezeichnung Ruta CH-7) ist eine rund 1350 Kilometer lange Straße von Puerto Montt nach Villa O’Higgins an der Südgrenze der Región de Aisén.
Lange Zeit war der Süden Chiles nur per Flugzeug oder Schiff zu erreichen. Der Panamerican Highway führte nicht durch diese unwegsame Gegend, sondern über Argentinien nach Feuerland; der Grund liegt in der dichten Bewaldung des Gebietes, wohingegen das argentinische Patagonien sehr karg und somit weitaus leichter zu bebauen ist.
Im Jahre 1976 begannen die Bauarbeiten an einer Straße durch den Süden. Die Carretera Austral bildete das aufwendigste Großprojekt in Chile im 20. Jahrhundert. Ausgangspunkt für den Bau war die Stadt Puerto Montt. Mehr als 10.000 Soldaten wurden zeitweise für den Bau eingesetzt. Der Straßenbau erwies sich als äußerst schwierig, da die Landschaft von Fjorden, ,Gletschern und Gebirgszügen durchzogen ist.
Mehr als 20 Jahre wurde an der Straße gebaut. Die reine Nord-Süd-Route erwies sich als technisch unmöglich. So führen rund 1150 km von Norden nach Süden und rund 229 km von West nach Ost. Der nördliche Teil zwischen Puerto Montt und Chaitén ist noch nicht fertiggestellt. Zwischen Hornopirén und Caleta Gonzalo verkehrt eine Fähre.
Der Bau kostete rund 200 Millionen US-Dollar. Trotzdem sind weite Teile nur einfache Schotterpisten; die Wartung und Pflege erweist sich als aufwändig. Die Straße gilt als Geheimtipp.



Wir passierten u.A. das idyllische Örtchen mit Namen „Tranquilo“ und genossen die Landschaft und fuhren entlang des Sees „Lago General Carrera“, der nach dem Titicaca der grösste See Südamerikas ist. (Er liegt ebenfalls in Argentinien, bis kurz vor den Ort Perito Moreno heisst dort aber Lago Buenos Aires)
Diese extrem grünen Bäume und diesen bunten Büschen. Ich hätte mich reinwerfen können, so schön sahen sie aus.






Es ging hinab ins Tal, dort passierten wir einen Toten Wald, der dennoch sehr beeindruckend aussah. Nebelschwaden machten es unheimlich, aber auch unheimlich schön und friedlich. Bedingt durch die Kurven nahm die Fahrt keine Ende, der Tag schon.



Wir cancelten unsere Idee, bis in die nächst grössere Stadt „Coihaque / Coyhaique“ zu kommen und fanden nach 350 km um 21:00 im Parque Nacional Cerro Castillo abseits der Strasse die Laguna Chiquay mit Campingmöglichkeit, weder Gäste noch Ranger zu sehen. Die Nacht war extrem kalt aber dafür extrem kostenlos.
Am nächsten Morgen gab es Schnee zum Kaffee…es waren 4 Grad und wir waren langsam frustriert. Sollte nicht langsam mal der Sommer kommen?