09.11.2011

06.11.2011 Cabo San Pablo – Feuerland / Argentinien

Wir machten uns auf und sahen überall am Wegesrand Familien beim Picknick oder Asado.
(Machen wir Deutschen/Österreicher das eigentlich auch? In der Form? So als wöchentliches Ritual mit Kind und Kegel und allem Zipp und Zapp? Auf jeden Fall sehr familienfreundlich. Schon toll irgendwie!)

Wir fuhren die Ruta 3 Richtung Rio Grande, doch bogen vorher wieder auf eine Schotterpiste ab.

Heute würden wir einer Hamburgerin guten Tag sagen. Die Fahrt zur alten Damen führte uns 50 km östlich, an den Atlantik. Vorbei an ca. 5 Estancias, die stets wie ein Farbkleks in den alten Wäldern und Feldern lagen. Das war mal ab vom vom Schuss. Heiligsblechle. Ushuaia und Rio Grande waren ewig weg. Inzwischen erkannten wir die Bewohner, denn in den Supermärkten waren sie es, die mit mehreren Karren, an der Kasse standen und diese für Stunden „blockierten.“ Hamstereinkäufe auf diesem Kontinent haben wirklich ein völlig anderes Ausmaß und haben mit einem „europäischen“ Grosseinkauf nichts zu tun.
Und dann sahen wir sie. Sie leuchtete wunderschön in der Sonne. Sie lebte schon länger hier. Wir hatten Glück und hatten sie für uns alleine und auch das Glück, sie näher betrachten zu können.
Es dauerte nicht lange, da winkte „Climbing-Clemi“ schon von der Reling.
Er zog mich die verrosteten Wände hoch und wir erkundeten das Geisterschiff.
War ein komisches Gefühl, es stand schräg, aber es bewegte sich nicht.
Nein, Jessica aus Hamburg hatte nicht übertrieben. Gut das wir auf sie gehört hatten und hergekommen waren. Wieder hatten wir ein Schiff betreten…
http://www.kirsten-schiffe.de/desdemona/index.htm

Mit diesem weiteren Erlebnis im Gepäck machten wir uns mittags auf die Weiterfahrt nach Chile. Wenn alles gut ginge, und der Zoll keine Sperenzchen machte indem er unser Auto wieder auf den Kopf stellte, schafften wir es noch nach „PORVENIR“…da wollten wir auf die Fähre aufspringen, die uns von Feuerland auf das chilenische Festland bringen sollte…
Flechten alias "Bart vom alten Mann"
ASADO - bis einer heult...
(hier brennt der Wald. Feuerwehr zu weit weg...)

08.11.2011

05.11.2011 Enstancia Harberton - Ushuaia / Argentinien

Auch in dieser Region war die LR Defender Dichte sehr hoch. Da wir einen leichten Plattfuss verspürten, suchten wir Hilfe in einer der zahlreichen örtlichen Werkstätten. Über eine Stunde „frickelte“ man an Lord Höördie herum und präsentierte einen kleinen frechen Nagel. Der Reifen wurde für 7,00 geflickt und wir konnten weiter und mussten noch keinen Ersatzreifen „anbrechen.“
Nun machten wir Kultur und begutachten 3 Museen in der Stadt.
Hervorzuheben ist lediglich das Gefängnismuseum / Museo del Presidio.
Die Geschichte der Strafanstalten auf Feuerland beginnt gegen Ende des XIX. Jahrhunderts mit der Eröffnung des Militärgefängnisses. Dieses wurde auf den Inseln der Staaten, in San Juan de Salvamento, und später in Puerto Cook betrieben
Zuerst war es ein Gefängnis für Wiederholungstäter, die erste Gruppe Insassen kommt im Jahre 1896, jedoch später wurden auch Hochkriminelle mit lebenslangen oder sehr langen Haftstrafen dort eingesperrt.
Später, im Jahre 1902, wurde das Gefängnis aus humanen Gründen in die Stadt Ushuaia verlegt. Es wurde von den Gefangenen selbst errichtet, welche 18 Jahre dafür brauchten.
In den 380 Einzelzellen der fünf Häuser wurden zu Hochzeiten zwischen 600 und 800 Gefangene untergebracht.
Heutzutage ist das Gebäude Sitz mehrerer Museen für Kriminologie und Schifffahrt in den südlichen Meeren. So befindet sich dort das "Museo Policial" (Polizeimuseum), das "Museo Antártico" (Antartikmuseum), das "Museo Marítimo" (Seefahrtsmuseum) und das "Museo Penitenciario y Cárceles del Mundo" (Gefängnismuseum und Gefängnisse der Welt).

MS Desdemona aus HH
Danach verliessen wir die Stadt über die Ruta 3 die wir gekommen waren und bogen auf eine Schotterpiste ab. Diese führte uns zur „Estancia Harberton“ welche 85 Km östlich von Ushuaia liegt. Es ist die erste Estancia Feuerlands. Das erste Haus der Insel….und sie liegt noch etwas südlicher als Ushuaia…

Die Anreise durch die alten Wälder und Moorlandschaften war wieder toll. Was für Farben! Hier sahen viele von Flechten befallene Bäume (tun aber nichts) und auch unseren ersten „Flaggen-Baum / Flag Tree“. Hier pfiff es wirklich wie Hechtsuppe.
Flag-Tree
Die Estancia Harberton hat eine wunderbare Geschichte, die man uns in einer 1,5 stündigen Führung über das Gelände und durch die Gemäuer mitteilte…

In England wurde 1844/5 unter einer Brücke ein Findelkind gefunden. Da auf seinem Gewandt ein T sichtbar war, wurde das Kind Thomas Bridges (Bridges=Brücken) genannt und wurde von einem Missionar-Ehepaar adoptiert. Im Alter von 13 Jahren zog die Missionars-Familie auf die Falklandinseln (nähe Feuerland) um mit dein Eingeborenen zusammenzuarbeiten. Thomas erlernte leicht die Eingeborenensprache Yahgan. Mit 21 Jahren gründete er die Mission in Ushuaia und war der erste Europäer, der erfolgreich in Feuerland lebte. Unter anderem erarbeitet Thomas ein Wörterbuch, Yahgan / Englisch. Da nur noch sehr wenige Ureinwohner von Feuerland leben, ist dieses Wörterbuch das einzige übrig gebliebene sprachliche Zeugnis. Als er sein 40stes Altersjahr hinter sich hatte, gelangte er mit der Bitte, Land für sich und seine Familie zu erhalten an den Argentinischen Kongress (Präsident Roca). Er bekam ein schönes Landstück (20'000 HA) und nannte es nach dem Herkunftsort seiner Frau, Harberton (GB). Thomas lies in England ein Haus bauen, dies wieder Stück für Stück abbauen, die Teile nummerieren, und verschiffte es nach Feuerland. Somit kam wohl das erste Fertighaus nach Südamerika. Despard, eines seiner fünf Kinder, baute selber Boote. Eines, Baujahr 1901 und bis 1960 in Betrieb, kann immer noch besichtigen werden und ist noch in erstaunlich gutem Zustand. Despard und sein Bruder Lucas hielten sich mit Bootsrennen fit. Sie traten gegen die Marine und gegen die Matrosen vieler Segler, die vorbeikamen an. Die Estancia hielt Schafe und verdiente mit der Wolle ihr Geld. Da der Wollpreis vor einigen Jahren in den Keller gesunken ist und sich nicht mehr erholt hat, hat auch die Estancia Harberton mit der Schafzucht aufgehört und lebt nun vom Tourismus. Der heutige Besitzer der Estancia Harberton, Thomas Goodall, gehört zu vierten Generation der Bridges Familie und lebt wie seine Vorfahren auf der Estancia.
Man führte uns auch durch die Werkstätten und ehemaligen Scherstationen. Der Garten blühte voller bunter Blumen, die allerdings damals aus England ihren Weg hier her fanden und nicht „feuerländischer“ Natur sind. Im Dezember wird es erst spät am Tag Dunkel. Genauer gesagt um 23:00. Dadurch werden die Früchte im angelegten Garten weit aus süsser. Auch uns war schon aufgefallen, dass es in der Region verhältnismäßig lange hell war.
Hof von Harberton
Köstlichkeiten im "Teehaus"
Ebenfalls war auf dem Gelände ein Museum zu finden. Das „MUSEUM ACATUSHÚN“
Es zeigt ca. 2.200 Arten der Unterwasserwelt und 2.000 Arten von Vögeln und Pinguinen. In der ersten Abteilung des Museums hebt sich die Sammlung vollständiger Skelette südlicher Vögel wie Kondoren, Kormorane, Arktische Pinguine, Enten und Möwen hervor. Auch wird eine große Zahl von Skeletten von Orkawalen, dem seltenen Hektordelfin (eines der sieben Exemplare, die auf der Welt ausgestellt werden) und der glatte Delfin, der keine Rückenflosse besitzt und einer der schnellsten Schwimmer ist…
Ebenfalls war auf dem Gelände ein Museum zu finden. Das „MUSEUM ACATUSHÚN“
Es zeigt ca. 2.200 Arten der Unterwasserwelt und 2.000 Arten von Vögeln und Pinguinen. In der ersten Abteilung des Museums hebt sich die Sammlung vollständiger Skelette südlicher Vögel wie Kondoren, Kormorane, Arktische Pinguine, Enten und Möwen hervor. Auch wird eine große Zahl von Skeletten von Orkawalen, dem seltenen Hektordelfin (eines der sieben Exemplare, die auf der Welt ausgestellt werden) und der glatte Delfin, der keine Rückenflosse besitzt und einer der schnellsten Schwimmer ist…

Das Museum wurde von Natalie Prosser-Goodall (Ehefrau eines Familienmitglieds) auf die Beine gestellt. Es war mehr als beeindruckend, wie liebevoll und interessant es hergerichtet war. Sie wohnt noch heute auf dem Gelände und erfreut sich über Besucher.
Der Twistet Tree eignet sich zum bestens Bootbau
...und so wächst er in der Natur
Hat der was mit Essen zu tun?
Indian Bread
Zum gesamten Gebiet gehören 3 Campinggebiete in den Wäldern, die man als Besucher nach vorheriger Anmeldung nutzen darf.

Somit suchten wir uns ein schmuckes Plätzchen; merkten allerdings früh, dass wir die einzigen waren die sich registriert hatten. Es war Samstag und anscheinend ist es der Camping-Samstag für die auf Feuerlandlebenden Argentinier.

Die Campingareale waren überfüllt und somit nisteten wir uns an einer Lagune namens Victoria ein.
Es hätte so schön sein können. War es auch. Anfangs.
Fuego-Clemens war behände mit der Holzsuche und beim Stapeln von Ästen und Scheiten und errichtete ein Feuer vom Feinsten für seine Frau. Sie hatte in der Zeit frischen Salat und warme Speisen zubereitet. Man blickte auf die Lagune und die dahinterliegenden Berge, erfreute sich an der herumfliegenden und tollenden Fauna.
Wahrend sich Clemens
um das Feuer kümmert...
...kümmere ich mich um unsere Gäste!
 (Sah erst am nächsten Tag, auf dem Foto, WAS da  sass...)
Bis Bass dröhnte und Motoren brummten. 2-3 argentinische Familien genossen ebenfalls an der Lagune die Natur, allerdings mit lauter Musik, klar und fröhlichen Kindern, auch klar.

Die Kinder pesten mit Mini-Quads durch die Gegend. Ziemlich cool.
(Warum hatte ich als Kind eigentlich kein Mini-Quad?)

Die Quads waren laut und das Geräusch Nerv tötend.
(Deshalb hatte ich als Kind wohl kein Mini-Quad…)

Dann qualmte es. Clemens` Feuer wirkte so klein, als wir durch die Büsche den „Scheiterhaufen“ der anderen sahen.

Die Musik lief die ganze Nacht. Bis 5:00 Uhr.

Als wir um 8:00 aufstanden, war es heiss und sonnig. Was man uns immer wegen des schlechten Wetters „gewarnt“ hatte…

Es war auch ruhig. Wir genossen das Frühstück in der Stille.

Bis um 9:00 die Musik wieder dröhnte. Dann wurden die Quads gestartet…und dann kamen weitere Autos. Mit Menschen. Sie gingen alle auf Holzsuche.
Und bald qualmte der gesamte Wald.
Auch hier gab es den ASADO-Sonntag.
Wir düsten weiter.

03.11.2011 Parque Tierra del Fuego - Ushuaia / Argentinien

In Ushuaia gab es einige Campingmöglichkeiten. Wir wählten „La Pista del Andino“, welcher fussläufig (3 km) zur Stadt lag und einen wunderbaren Blick über die Stadt, die Berge und den Beagle Kanal bot. Ushuaia hatte sich Clemens weniger touristisch und ich mir wesentlich kleiner vorgestellt. Der Vorteil von „Sponanbesuchen“ ist, dass man sich nicht vorbereitet. So wird man überrascht. Die Stadt hat eigtl. alles was man so braucht. Es besteht ebenfalls die Möglichkeit Touren in die Antarktis oder/und Kap Horn zu machen. Ob mit einem Segelschiff oder einem Cruiser, die Touren dauern einige Tage und sind relativ teuer. Wir haben tatsächlich darüber nachgedacht, aber kein Abfahrtsdatum passte und ausserdem müssen wir ja langsam gen Santiago de Chile. Die Antarktis muss also warten. Kap Horn auch. So schnell sind die beiden da ja nicht von dannen.
Wir fuhren die Ruta 3, die wir nun schon ewig fuhren, bis zum Ende. Dann kam nichts mehr.
Sie endet nämlich im Parque Nacional „Tierra del Fuego.“
Der Nationalpark Tierra del Fuego ("Nationalpark Feuerland", span. Parque Nacional Tierra del Fuego) ist der südlichste Nationalpark Argentiniens. Das 630 km² große Schutzgebiet befindet sich im Südosten der Insel Feuerland, 18 km von der Stadt Ushuaia entfernt. Der Park wurde 1960 mit dem Hauptziel gegründet, die südlichsten subantarktischen Wälder zu schützen.
Es ist einer der argentinischen Nationalparks, neben dem UNESCO Naturreservat Valdés, der über eine Meeresküste verfügt, da er im Süden vom Beagle-Kanal begrenzt wird. Zu den landschaftlichen Attraktionen im Nationalpark zählen Gletscher, tiefe Täler und Schluchten, Flüsse und Seen sowie Torfmoore. Die Laguna Negra ist ein Beispiel für ein Torfmoor, das noch in der Entstehung begriffen ist. Innerhalb des Nationalparks gibt es eine Vielzahl von ausgeschilderten Wanderwegen, die zu verschiedenen Aussichtsplätzen oder besonderen Landschaftsformationen führen.


Hier verbrachten wir zwei Tage, wanderten kilometerweise (!) durch die wirklich schöne Natur, besuchten Biber-Lodges und die Grenze Chiles.
Bi-ba-Biberbau
Das Wetter war wie immer auf unserer Seite. Windig war es natürlich zwischendrin schon, aber  sonnig.
Abends campierten wir am Seeufer und Feuerteufel Clemens errichtete ein grandioses Lagerfeuer. Bei Vino und warmen Füssen genossen wir die Ruhe, den Blick auf den See und die verschneite Berge.
Es hätte wirklich schlimmer sein können…und wir freuten uns wie so oft über unsere Entscheidung, diesen Kontinent auf diese Weise zu bereisen..