05.10.2011

19.09.2011 Córdoba / Argentinien

Die Fahrt nach Córdoba war traumhaft. 450 Km lagen heute vor uns und das bei schönstem Sonnenschein. Am Wegesrand Olivenöl und Keramikverkauf.
65 Kilometer vor Córdoba sahen wir schöne kleine Ortschaften wie das Städtchen „La Falda“. Aufgeräumte Strassen und Vorgärten, schicke Wohnhäuser und selbstgezimmerte und bemalte Strassenschilder sowie eine grosse Auswahl an Restaurants, Hotels, Cabanas und Campingplätzen. Jeder Ort der ab da unseren Weg kreuzte, hatte mindestens einen Campingplatz. Willkommen im Campingmekka Argentinien! Wir hatten zwar schon davon gehört, doch das übertraf unsere kühnsten Vorstellungen.
Die Gegend war schön, besonders aber der Ort „San Roque“ mit einem netten Stausee in der bergigen Landschaft. Von dort ging es dann zügig in die Stadt, welche die zweit grösste Argentiniens ist. Auch die Anfahrt auf die Stadt konnte sich sehen lassen. Highwayartig fuhren wir auf die Stadt hinzu. Wir waren gespannt was die Stadt so konnte…die Eckdaten hörten sich schon sehr gut an:
Córdoba ist mit 1,3 Millionen Einwohnern die zweitgrößte Stadt Argentiniens. Sie liegt etwas nördlich des geografischen Zentrums des Landes, ist Hauptstadt der Provinz Córdoba und kulturelles Zentrum Zentralargentiniens mit einer der bedeutendsten Universitäten des Landes.
Wegen vieler Bauten aus der Kolonialzeit wird sie auch von zahlreichen Touristen besucht.
Der vollständige Name lautet Córdoba de la Nueva Andalucía (Córdoba von Neu-Andalusien) und wurde von der andalusischen Stadt Córdoba abgeleitet. Córdoba wird im Volksmund wegen der Universitäten und anderen Lehrinstitute auch als La Docta(„die Gelehrte“) bezeichnet, ebenfalls als ciudad de las campanas („Stadt der Glocken“) wegen der vielen Kirchen.
Córdoba ist außerdem in 401 Stadtviertel eingeteilt, von denen einige wiederum in verschiedene Sektionen unterteilt sind. Sieht man diese ebenfalls als eigenständige Viertel, so erhöht sich die Zahl auf 456 Die hohe Anzahl erklärt sich damit, dass größere Baugebiete an der Peripherie meist als neue Viertel gelten, deswegen erhöht sich deren Anzahl ständig..
Córdoba hat eine bedeutende Kulturszene, die sich vor allem wegen der über 150.000 Studenten, die in der Stadt leben, ständig erneuert. Im Jahr 2006 trug die Stadt den Titel der Kulturhauptstadt Amerikas. Die Sehenswürdigkeiten der Stadt sind hauptsächlich gut erhaltene Bauten aus der Kolonialzeit im Zentrum, es gibt aber auch eine große Anzahl von Museen.


Standesgemäß checkten wir für eine Nacht im Hotel Vienna ein und erkundeten die Stadt.
Besonders im Dunkeln sah sie schön aus. Die imposanten Gebäude im Kolonialstil sahen natürlich klasse aus. Am nächsten Tag auch, aber anders. Am Tag darauf fanden wir zügig ein kleines Appartement in der Innenstadt, bzw. 2 Blocks davon entfernt. Wir entschieden, dieser Stadt ein paar Tage zu widmen. Ich fand sogar eine Sprachschule, die mich noch spontan für 2 Stunden täglich unter Vertag nahm. Es war also die Erste Stadt nach Buenos Aires wo wir länger blieben. Länger bedeutet für uns mehr als 2-4 Tage.

Wir genossen es mal wieder richtig zu kochen und einen Haushalt zu führen. Unser „Bude“ mit knapp 50m² war für uns völlig ausreichend. Relativ schnell kann der Mensch sich an Dinge um/gewöhnen…Zwar hatten wir hier einen besonders schönen Plasma, aber auch hier blieb er aus Desinteresse aus. (ausser Clemens bei Formel 1) Nachrichten verfolgen wir so gut es geht im Internet oder Facebook, haha. Auch haben meine Haare seit 5 Monaten keinen Fön gesehen. Und somit kann ich wiederlegen, dass nasse Haare eine Erkältung kreieren, denn wir waren selbst bei Minusgraden mit nassen Haaren unterwegs. Immunsystem funktioniert, olé!

Der argentinische Frühling präsentierte sich mit sommerlichen 38 Grad…
Wir erkundeten die Stadt oder gingen in den nahe gelegenen „Parque Sarmiento“ zum Joggen, oder in eines der vielen Shoppingcentren, die auch wie in Buenos Aires sehr gut sortiert waren…oder gingen Essen. Dank meines Lehrers Carlos, wussten wir nach kurzer Zeit wo es sich lohnte zum Essen zu gehen und was gerade angesagt war.

Für uns war Córdoba Liebe auf den zweiten Blick. Die Stadt bietet sehr viel, man muss sein Glück aber auch teilweise suchen. Neben den unzähligen, hübschen Gebäuden wie Kirchen und Museen, findet man auch viel Neues. Nicht immer ist es eine architektonische Meisterleistung, doch die Mischung aus Jung und Alt ist irgendwie erfrischend. So wie die Stadt an sich. Jung und Alt vermischt sich. Viele Studenten aus aller Herren Länder feiern und halten die Stadt jung. Im Stadtteil Nueva Cordoba brennt der Bürgersteig. Kneipen und Restaurantes neben kleinen Shops wo junge Designer ihr Können beweisen (meistens). Am Wochenende ist stets die FERIA artesanal, ein Markt in und auf den Stassen des Stadtteils, wo man hübsche Sachen aus der Region erstehen kann.
Hier leben und arbeiten die "jungen wilden"
Wir lernten sehr nette Chilenen kennen (Jaime & Hector)...
...und trafen alte Bekannte!

Wir hatten einen sehr lustigen Abend in der Sprachschule, zudem Carlos und seine Partnerin Analy eingeladen hatten. Alle Sprachschüler waren versammelt. Das Erfreulichste war, dass eine Gruppe junger Argentinier Deutsch lernen, weil sie die Sprache einfach mögen und schön finden.
Aha. Gut zu wissen. Alles waren äusserst nett und interessiert. Gezecht wurde bis in die Nacht.
der italienische Platz
"Angela" die Grosse! (Höchste Gebäude von Córdoba
Zudem wies mich Carlos in die Geschichte des Mate trinken ein. Ein tolles Ritual. Wirklich schön. Über den Geschmack lässt sich streiten, aber Dank Carlos wissen wir nun wie er auch statt "staubig und rauchig" schmecken kann. Schon in Uruguay hatten wir damals Mate sowie Bombillas gekauft, doch Mate trinken ist weitaus mehr als nur Wasser auf die Yerba giessen…wissen wir jetzt auch. Es ist zudem ein schönes Ritual in einer Runde. Mate gibt es auch als kalte Variante für heisse Sommertage. Er nett sich dann Tereré…den durften wir schon damals in Brasilien auf dem Versorgungsschiff probieren.
http://de.wikipedia.org/wiki/Mate

Jeder "Gringo" sollte diese Geschichte hören, bevor er auf Mate und seine Trinker zugelassen wird. Man kann Einiges im Gebrauch und im Umgang falsch machen.

Córdoba ist irgendwie „tranquillo“…und ihre Bewohner irgendwie auch, Strassenhunde sonnen sich am Strassenrand... Einfach „una buena onda“ (onda = Welle) so sagt man hier zu „guter Stimmung/Feeling“. Die Sprache ist hier allerdings etwas anders. Bzw. die Wörter…Hier fährt man mit dem AUTO (und nicht mit „el coche“) und wenn man in der Stadt nach einer PLAYA fragt kommt man in ein Parkhaus und nicht an den Strand.
In Córdoba gibt es Trolleybusse oder genauer gesagt: OBERLEITUNGSBUSSE. Das Interessante ist, dass diese NUR von Frauen gefahren werden. Jeder weiss das. Aber niemand kann uns sagen, weshalb. Männer haben dazu Ihre eigene Erklärung, welche aber nicht belegt ist...(und welche Frauen nicht interessiert.)

Wer mir also sagen kann WARUM das so ist, möge sich bitte bei mir melde. Recherchen laufen bereits auf Hochtouren…

Weiterhin gibt es in Córdoba zwei Arten von Polizisten…um die Anzahl von Arbeitslosen zu minimieren…diese Menschen können in einem 3 monatigen Workshop lernen, wie sich ein Polizist zu verhalten hat. Dann bekommen sie eine Knarre an den Gürtel und eine leuchtende Schärpe um den Oberkörper und stehen mit den „richtigen“ Polizisten auf der Strasse und sorgen für Sicherheit…
Es ist viel Polizei im Einsatz. Wir fühlten uns zu jeder Zeit sehr sicher, auch nachdem wir erfahren hatten, dass unsere Wohnung am Rande des Rotlichtviertels lag.

Eine Menge von den beiden Polizisten-Varianten trafen wir auch am Stadion. DAS Stadion wo 1978 das Grösste für Österreich passierte. 3:2 gewann Österreich gegen Deutschland und wurde Weltmeister. Klar, dass wir uns diesen historischen Ort anschauen mussten. Das Stadion ist inzwischen umbenannt. „Estadio Mario Kempes“…unnötig zusagen, dass genau dieser argentinische Herr Kempes im Heimatverein von Clemens „VSE = Voith schwarze Elf Sankt Pölten“ erfolgreich gekickt hat. Clemens ist der Überzeugung, dass es durch seine Herausragenden Leistungen in Österreich, den Station Titel in Córdoba erhalten hat. Na klar. So wird es gewesen sein. Wer in Österreich, bzw. in Sankt Pölten gut spielt, der bekommt DANN erst – und NUR dann ein Stadion nach ihm benannt. Also ich finde es klingt einleuchtend.

Córdoba ist auf jeden Fall einen Besuch wert. Kulturell sehr wertvoll und wenn man auf Kirchen steht sowieso. Sie sind alle schön, wirklich!
 Richtig grün ist die Stadt nicht, aber Rückzugsmöglichkeiten gibt es. Gerade im sehr schönen Umland, welches in kurzer Zeit erreichbar ist.


Córdoba? Daumen hoch!

Am Samstag, 01.10. machten wir uns auf...
Wie jedes Jahr! Auch dieses Jahr ging es zum Oktoberfest. Und das lag nur 75 km von Córdoba entfernt in Villa General Belgrano…na denn? O´zapft is…

25.09.2011

Status (19.09.2011)

gefahrene Kilometer: 12.200
Landy-Reisetage: 85
11. Grenzen
Stadt 53: Córdoba


18.09.2011 La Rioja / Argentinien

Nächstes Ziel: LA RIOJA. Aber lag das nicht in Spanien? Doch!...aber hier liegt es auch. Und ist ebenfalls für Wein berühmt. Passt doch.
Circa 550 km lagen vor uns.Der Weg aus Cafayate ist von Weinbergen umgeben, die teilweise in Sand und Lehm gebettet sind. Auch kleine Papageien fliegen durch die eher triste Gegend. Und natürlich stehen die hübschen Kakteen ringsherum.

Auf dem Weg liegen die „Ruinas de los Quilmes“, einer Befestigungsanlage, die Überreste einer komplexen Städtischen Siedlung, die um das Jahr 1000 entstand. Auf 30 ha Fläche wohnten damals ca. 5.000 Menschen. Die Quilmes Indianer überlebten noch den Kontakt mit den Inkas, die ab 1480 in die Gegend eindrangen, nicht aber die Belagerung durch die Spanier 1667, die die verbliebenen 2.000 Einwohner nach Buenos Aires verschleppten.

Sie ist eine der größten archäologischen Attraktionen des Landes. Die Befestigungsanlage wurde von der gleichnamigen Ethnie erbaut, um den angreifenden Spaniern zu widerstehen, was jedoch nicht gelang, da die Spanier deren Felder anzündeten und sie hungern ließen, bis die Quilmes schließlich aufgeben mussten.
Der größte Teil der Anlage liegt an einem Berghang in einer Nische, wo die gute Übersicht in kriegerischen Auseinandersetzungen entscheidend war.Die Ruinen von Quilmes wurden im vergangenen Jahrhundert von Juan Bautista Ambrosetti einem Archäologen der Universidad de Buenos Aires entdeckt. Die Restaurierung der Anlage begann 1978.
Also so ein Haufen Steine ist ja echt beeindruckend und weckte die Vorfreunde auf die peruanische Inkastadt Machu Picchu, welche wir auch noch sehen werden.
Museum Pachamama
Die Ruta 307 brachte uns wieder in die Berge auf über 3.000m, doch der Blick ins Tal war schliesslich eingeschränkt. Wolken versperrten den Weg. Es war irre, denn wir fuhren in die Wolken hinein uns sahen die Hand vor Augen nicht. Genau auf diesem Strassenabschnitt war eine Baustelle und die Fahrbahn einspurig. Also fuhren wir langsam inkl. Nebel - alias Wolkenscheinwerfer und hofften, dass uns niemand entgegenkam Es kamen uns einige entgegen, aber wir meisterten auch diese Situation souverän, selbstredend…
Kaum unten im Tal angekommen fuhren wir in die erste Polizeikontrolle. Insgesamt wurden wir an diesem Tag 5 Mal kontrolliert…meistens nur nach Führerschein und Wagenpapieren, aber auch nach gültiger Versicherung befragt…Hier erfuhren wir, dass wir auch in diesem Land tagsüber mit Abblendlicht fahren müssen und mussten daher eine „Multa“ in die Staatskasse werfen. bzw. landete es vermutlich in einer eher privaten Kasse. Aber hierfür waren die Nordargentinier bei uns Gringos bekannt.

Die Strasse zog sich wie Kaugummi, die Orte am Wegesrand der Ruta 38 waren öde und meist nicht besonders hübsch. Am Strassenrand waren nun Felder mit Schilf zu sehen und in den Orten sahen wir dann schliesslich Korbverkäufer. Kurz vor La Rioja stehen Kilometerweise links und rechts nur Olivenbäume, sowie Olivenverkäufer…
In der gesamten Region fanden sich am Strassenrand ebenfalls kleine Schreine mit roten Fahnen.

Der „Gauchito Gil“ als eine Art Patron von Auto-, Bus- und Lastwagenfahrern gilt, ist es üblich, zu hupen, wenn man an einem Schrein vorbeifährt, um Gauchito Gil damit zu grüßen. Im Gegenzug hofft man auf eine unbeschwerte und unfallfreie Reise.  An seinem Todestag, dem 8. Januar, findet ein großes Fest zu seinen Ehren statt, an dem getrunken, gesungen und getanzt wird.
Gegen 19:00 landeten wir in La Rioja. Die Einfahrt in die Stadt war relativ unspektakulär und die Stadt wie ausgestorben.
La Rioja ist eine Stadt im nordwestlichen Argentinien und Hauptstadt der gleichnamigen Provinz La Rioja und hat 143.684 Einwohner.
Die Stadt liegt auf 543 Metern Höhe am Nordwestenende einer weiten steppenhaften Ebene, die den gesamten Südosten der Provinz mit Ausnahme einiger kleinerer Gebirgszüge bedeckt. Westlich der Stadt liegen die Sierren Sierra de Velasco und Sierra de Mazán.
La Rioja war bis in die 1970er-Jahre eine landwirtschaftlich geprägte Stadt, die vor allem als Zentrum des Weinbaus in der Umgebung Bedeutung hatte. Die Erklärung zur Sonderwirtschaftszone Anfang der 1970er brachte einen starken Industrialisierungsschub für die Stadt, die heute eines der Zentren der argentinischen Pharmaindustrie ist.
Wir fanden eine zentralgelegene Unterkunft und machten uns auf den Weg zu einem „Sundowner“. Doch alles was wir am Wegesrand trafen und aussah wie ein Café, Bar oder Restaurant war geschlossen. Wir trauten unsren Augen nicht und fühlten uns wie damals in Corumbá…Doch wir fanden schliesslich Menschen. In den umliegenden Kirchen waren sie zu finden. Der Ort ist sehr fromm, somit waren vermutlich alle Menschen in der Kirche. Die Kirchen waren (fast) überfüllt. Es war aber sehr schön anzusehen. Wir erkundeten also die umliegende Gegend.

Ab 20:30 öffneten dann auch wieder die Restaurants. Zuerst besuchten wir die angesagteste „Bar“…die uns aber nach 45 Minuten Modern Talking DVD in voller Lautstärke für ein Abendessen etwas zu trendy vorkam…
Wir entschieden uns für eine regionale „Parrillada“. In Salta hatten wir nur leider nur einmal ein sehr gutes Steak bekommen. Ob es hier besser ist? Oder stimmt der Mythos, dass man in Buenos Aires das BESTE Steak bekommt? Fazit: Wir müssen nochmal nach Buenos Aires.
Das Restaurant „La Vieja Casona“ füllte sich ab 21:30. Busladungen an Menschen wurden ausgekippt. Der letzte Gast betrat um 0:00 das Restaurant. Der Grill glühte auf Hochtouren, Steaks aber vor allem Zicklein fand man darauf.
Es war mal wieder für uns nur schwer unvorstellbar, dass man am Sonntagabend, quasi nach dem Tatort, zum Essen geht. Der Abend war wunderbar, alle Menschen sehr nett und das Restaurant hatte eine tolle Atmosphäre. Zwar rustikal, aber landestypisch.
Wir beschlossen, nach einer „Durchfahrt“ am nächsten Morgen weiter zu fahren.

Soooo „getouched“ hatte uns der Ort auch nicht und wir waren gespannt auf Córdoba…der Ort, der 1978 die deutsch-österreichische Fussballfreundschaft in Gang brachte...