27.08.2011

21.08.2011 Vallegrande & La Higuera / Bolivien

Es war nach wie vor kalt, heute mal 0 Grad. Wir sassen am Lagerfeuer und entschieden uns weiter zu reisen. Ein schöner Ort bei Kälte hält auf. Wir mussten schliesslich vorankommen. Wir waren ja nicht zum Vergnügen hier. Laut Piet sollte das Wetter am Dienstag besser und somit wärmer werden. Wir waren gespannt, ob er Recht behalten sollte.
Ein paar Kilometer höher auf 1.950 liegt El Fuerte. Eine Ruinenstätte der Inkakultur.
Auf dem Plateau südlich des Felsens fanden Archäologen zahlreiche Siedlungsreste aus der Zeit bis zu 1.500 v. Chr. Seit 1998 gehört es auch zum UNESCO Weltkulturerbe.
http://de.wikipedia.org/wiki/Fuerte_de_Samaipata


Nach zwei stündigem Rundgang machten wir uns auf den Weg nach Vallegrande.
Von Dort wollten wir der „Ruta del Ché“ folgen. Wir wussten, dass die Strassenverhältnisse ab dort etwas rustikal bis spektakulär werden.

Im Jahr 1967 wurde die Leiche von Ché von dem Ort La Higuera nach Vallegrande gebracht, ausgestellt, fotografiert und anschließend heimlich auf dem Flugplatz begraben.
http://de.wikipedia.org/wiki/Ruta_del_Che

Den Ort erreichten wir im Dunkeln. Er war etwas trostlos. Die Fahrt dorthin war soweit in Ordnung. Schlimmere Strassen würden folgen. Wir befanden uns auf 2.042 m. Ein passendes Hotel für Lord Höördie fanden wir nicht. Und ihn einfach so stehenlassen ohne Bewachung tun wir nicht ohne guten Grund. Wir wussten, dass es hier ein Restaurant von einem Deutschen gab. Ihn wollten wir nach einem Stellplatz befragen. Der Weg auf den Berg war steinig und anstrengend. Der Ausblick im Dunkeln aber bereits schon toll. Die Dame des Hauses bot uns an, den Hinterhof des "el Mirador" als Park-und Schlafstätte zu nutzen. Vor dem Kamin wärmten wir uns bei bolivianischen Köstlichkeiten und Spagetti Bolognese auf. Dazu gab es gegen die Höhenkrankheit einen heissen Coca Tee. Coca Blätter gibt s an jeder Ecke. Grosse Säcke überall am Wegesrand laden zum legalen Einkauf ein. Gegen die (zT. auch tödliche) Höhenkrankheit sollen sie helfen. Am besten ein Knäul in die Wangentasche legen und kauen…Arbeiter kauen den ganzen Tag auf ihnen rum.
Es macht etwas gleichgültig bzw. „tranquillo."

Die Nacht war schattig. Aber sicher, das war die Hautsache. Unsere Schlafsäcke taten einen wunderbaren Dienst. Nun ging es um 8:30 weiter. Die Inhaberin wies uns noch drauf hin, dass das Wetter schlechter werden sollte. Sogar Schnee sollte kommen. „Ob wir Schneeketten dabei hätten?“…Nein hatten wir nicht, ausserdem hatte der Holländer gesagt, es gäbe wieder Sonne. Was denn nun?
…Und ein Defender braucht im Übrigen keine Schneeketten. Er ist ein Panzer!
Das Fenster zum Hof
Vallegrande
Trockenbau
Stromleitungen mit Einlage
Montagfrüh

Wir schlängelten uns die Serpentinen noch. Das GPS Höhenmeter stieg. Die Temperaturen fielen. Es war nebelig. Man sah die Hand - und den Abhang vor Augen nicht. Präzision war gefragt.
Es sah aus wie im Märchenland. Alles aus Zuckerwatte mit Eiszapfen…auf 3000 m Höhe.
Aber auch die Luft wurde enger.
Gegen Vormittag durchfuhren wir den Ort Pucaná…der nicht sonderlich gelungen war.
Von hier ging es zu unserem nächsten Ziel, der Hauptstadt Sucre, ehemals La Plata. Allerdings gab es noch eine weitere Route, den Weg La Higuera. dem Ort, der Ché zum Verhängnis wurde. Das bedeutete zwar für uns einem Umweg - inkl. "bolivianischer" Strassen, das nahmen wir aber in Kauf.
Willkommen in Pucaná
alle Mann anschieben
Wir folgten der „Pilgerroute“ um den letzten Ort des „el Comandante“ uns seiner Guerilla Anhänger zu erkunden. Ché und Anhang wollten hier die Lateinamerikanische Revolution starten. Wie bekannt, hat das Militär hat ihn und seine Anhänger gefunden und hingerichtet...

Die Berglandschaft und der Ausblick waren auch hier einfach grandios.
Hinter jeder Ecke kam wieder etwas neues Schönes. Wenig Gegenverkehr, vereinzelt mal ein LKW oder Kleinbus. Wie die die Berge hochkommen, ist bis heute ein Rätsel.

Gegen Mittag erreichen wir La Higuera. Ein Ort, der für und durch Ché lebt.
Eine Handvoll Menschen leben dort sowie Schweine, Rinder und Hunde.
Am Ort des Geschehens fanden wir eine überlebensgroße Büste, im ehemaligen Schulhaus vor dem er hingerichtet wurde, befindet sich eine Gedenkstätte. Pro Woche pilgern ca. 30-40 Leute in diesen kleinen, auf 2.000 m verlassenen Ort. Ebenfalls traffen wir dort eine Dame, die Ché kannte und damals alles miterlebt hat. Sie trägt ein Bild des Ché bei sich.
http://de.wikipedia.org/wiki/La_Higuera

Der Ché-Schrein

Zwei Franzosenpaare betreiben dort zwei kleine Hostel und Restaurant. Bei den 3 Jahre dort lebenden und Coca kauenden Franzosen "los amigos" geniessen wir eine warme Gemüsesuppe und heissen Coca Tee. Seit einem Jahr hat dieser Ort erst Strom…doch momentan sind die Stromleitungen durch Schnee und Eis „niedergelegt“…und das Notstromaggregat musste ran.
Los Amigos Nanou und Kriss
Gegen Nachmittag machten wir uns wieder auf die Socken. Den ganzen Nachmittag und Abend dort zu verweilen wäre zu viel gewesen. Somit suchten wir uns wieder eine schöne Strecke, die uns irgendwann in die Hauptstadt Sucre bringen sollte. Wieder Serpentinen hoch und runter, karge Berge, kurz danach üppig begrünt. Ein Fluss in der Nähe und zwischendrin im Nirgends fanden wir Baustellen.
Es war alles dabei.

Ein bepacktes Motorrad kam uns entgegen. Es war Kurt aus der Schweiz. Er kam gerade aus der Ecke wo wir hinmussten und warnte uns vor der weiteren Strecke. Obacht sei geboten und die nächste Stadt sei noch weit…
Pläuschchen...
...am Wegesrand

Wera & Friso
Wer findet das Gesicht?
Karte und GPS waren verloren, es wurde wiedermal Dunkel, als wir uns durch ein Flussbett den nächsten Berg rauf zogen. Wir entschieden einen Übernachtungsplatz zu suchen. Weiterfahren im Dunkeln macht bei den Strassenverhältnissen wenig Sinn.
Strasse
So fanden wir einen schönen, fast nicht einsehbaren Ort im Nirgends. Die Jungs kümmerten sich um das Lagerfeuer, die Mädels um das Essen. Zum Glück hatten wir in Samaipata deutschen Schinken, Salami, Brot und Schweizer Käse gefunden. Abgerundet mit nem Glaserl Vino, aus unseren echten Weingläsern, war das eine ziemlich feine Sache! Camping Deluxe lässt grüssen!
Lasset die Spiele beginnen!
Friso bei Käseplatte & Kaltgetränk
Uns könnt`s schlechter gehen 

19.08.2011 Samaipata / Bolivien

Wir ärgerten uns, dass wir in Güembe zu wenig Zeit hatten und nun das Wetter uns hängen liess. Zu gerne hätten wir tolle Fotos von den Vögeln und Schmetterlingen geschossen, leider Dank Zoll und Regen nicht machbar. So stieg die Vorfreude auf Galapagos...
Bolivianischer Wäschetrockner
Die Fahrt verlief fast problemlos. Ausser einer Polizeikontrolle. Der Polizist suchte den Stempel, das Formular von José sagte ihm nichts. Er konnte auch nicht lesen. Also ganze Geschichte von Vorne erklärt…Das konnte ja die nächsten Wochen heiter werden.
Die Landschaft wurde bergig. Wir sahen, wie der GPS – Höhenzähler nach oben schoss.
Über die Bergstrassen quälten sich neben uns auch Busse und LKW´s. Überholmanöver waren spannend. Wir erreichten den kleinen Ort Samaipata und steuerten direkt die Finca La Víspera an. Wir hatten gehört, dass es ein kleines Paradies sein sollte. Galt dies auch für Regenwetter? Begrüsst wurden wir auf Deutsch. Hurra, schon wieder ein „Ausreisser?“…es war Piet aus den Niederlanden, der hier sowohl ein Hotel, Cabaňas, Camping, Kräutergarten, Restaurant, Shop…auf die Beine gestellt hatte und betrieb. Vor 28 Jahren war er her gekommen.
Hier waren wir auf über 1.600 m Höhe. Bis dato unser Rekord auf der Reise.
http://de.wikipedia.org/wiki/Samaipata

Es war wirklich schön, auch bei Regenwetter. Glücklicher Weise gab es noch ein freies (warmes) Zimmer, sollten wir nicht im Auto schlafen wollen. Dazu eine Küche und ein privates Bad mit „europäischer“ Duschsituation. Es war kalt und bei der Vorstellung 3 Tage bei inzwischen 14 Grad und Regen im Auto zu sein, war so „naja“. Da das Zimmer auch nicht sehr viel mehr kostete, nahmen wir dankend an. Den Abend verbrachten wir in bunter Runde. Neben Wera und Friso waren noch Susan (Australien / Brisbane) und Philipe (aus Österreich / Wien) vor Ort. Die beiden waren mit Motorrad und einen Motorrad Gespann unterwegs und hatten sich erst auf der Tour kennen – und lieben gelernt. Es gibt sie noch die gute Romantik.

Tipps und Tricks wurden ausgetauscht, Speisen und Getränke auf den Tisch gebracht und geteilt. In San José hatten wir auch schon ein spannendes Paar getroffen: Belgierin & Spanier, die mit ihrer 3 jährigen Tochter auf dem Fahrrad (und im Cruiser) unterwegs waren…dazu im 7 Monat schwanger waren…nun wollten sie erst mal pausieren, bis das zweite Kind da sei. Nach ca. 4 Monaten sollte es dann weitergehen…täglich wurden ca. 60-80 km zurückgelegt. Geschlafen wurde meist in öffentlichen Einrichtungen wie Schulen, Kirchen etc. Seit das Mädchen 1 Jahr sei, sind die beiden mit ihr unterwegs.
Mir fehlen bis heute die Worte. Bei allem Respekt…

Schweizer sind ebenfalls reiselustig. Man trifft sie sehr oft, neben Franzosen!
Eine Familie im bunten, umgebauten Reisebus mit 4 (!) Kindern (5-17 Jahre)…die nebenbei unterrichtet werden. Manche verzichten auch auf Unterricht und schicken die Kinder nebenbei in die Schule, wenn sie mal eine Woche irgendwo stehen…

Zwei Frauen aus Deutschland (ca. 50 Jahre), gestartet vor 1,5 Jahren in Alaska…weitere 1,5 Jahre sollen folgen. Mit Ihrer Allradfreien VW Caravelle hatten sie bis heute KEINEN Cent für die Übernachtung ausgegeben. Das sollte auch so bleiben…

So, nun aber wieder zu uns.
Am nächsten Morgen fühlte sich Clemens bei Tageslicht wie in der Heimat Österreich. Berge. Hübsche Berge. Berge bei 3 Grad. 3! Trés! Wir geht das? Vorgestern waren es noch über 30 Grad! Piet sagte, die Kältefront dauert höchstens bis Dienstag. Mal sehen, ob er Recht haben sollte.

Ein Feuer loderte, es war gemütlich.
Clemens muckelte am Auto und versuche den roten Sand aus dem Auto zu bekommen. Nachdem ich die Schubladen und den „Küchenkrempel“ im Auto sortiert hatte, kümmerte ich mich um kaputte Hosen, Hemden etc. Also ein „fast normaler“ Samstag mit Auto-und Haushaltspflege.
Lord Höördie auf Finca la Víspera
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Wera´s köstlicher Glühwein im August

Das örtliche Fitnessstudio
Am Nachmittag erkundeten wir den Ort. Auf dem örtlichen Mercado wollten wir Hackfleisch für die obligatorische Wochenend-Bolognese kaufen.
Da die „Kühlkette“ trotz eisigen Temperaturen aus Clemens` Sicht beim örtlichen „Fleischhauer“ unterbrochen war (das Fleisch hatte in der Tat eine merkwürdige Farbe und einen Haufen Fliegen) und uns mehrere abgetrennte Rinderköpfe entgegensprangen, disponierten wir um auf all'arrabbiata…