10.08.2011

29.07.2011 Corumbá / Brasilien

Nach unserem letzten „Trail“ im Sumpf brachen wir auf der Fazenda Santa Clara auf. Wir wollten nach Corumbá. Dort gibt es ggf. die Gelegenheit ein „Schiff“ zu organisieren, welches uns das Pantanal auf dem Seeweg eröffnet. Wirklich unberührte Natur, die - so hoffen wir, noch mehr Tiere beherbergt. Laut Insiderinformatonen (Volker von der Frachtschiffreise) ist es irgendwie möglich, den Rio Paraguai / Rio São Lourenço samt Auto auf dem Schiff, den Ort Porto Jofre zu erreichen. Der Umweg, durch ein eher „tristes“ Pantanal beträge 1.200 km. Und wie ihr Euch bei den Strassenverhältnissen vorstellen könnt, dauert hier jeder Kilometer etwas länger…
Über Mirjam erfuhren wir, dass selbst sie keinen Kontakt von einem Schiffsanbieter hat, der auch Autos befördert…wir sollten uns in Corumbá durchfragen…. Wenn und das gelingen würde, wären wir mehrere Tage auf einem „schlichten“ Schiff…

Da Andrea und Thomas für wilde Ideen zu haben sind, beschlossen wir, die „Operation Pantanal Seeweg“ gemeinsam in den Angriff zu nehmen und nach Corumbá aufzubrechen.

Wenn wir den Ort Porto Jofre mit dem Schiff erreichen, werden wir die Strasse „Transpantaneira“ fahren, die durch das nördliche Pantanal führt. Sie ist dort die einzige Strasse und wird uns über 130 Brücken nach „Poconé“ führen. Über „Cáceres“ werden wir dann weiter nach Bolivien reisen und die kommenden Wochen dort verbringen.
Andrea und Thomas werden weiter in Brasilien bleiben und den Norden erkunden.

Die Fahrt nach Corumbá erfolgte auf 120 km meist asphaltierter Strasse. Die Landschaft war atemberaubend, die Farben der Natur einzigartig. Gegen Nachmittag erreichten wir eine kleine, hässliche Stadt. Im Vorfeld hatten wir gelesen, dass die Grenzstadt nicht ganz ohne ist und primär dem „Handel und „Schmuggel“ nach/von Bolivien dient. Hauptsächlich Drogen und Autos.
Nach einigen Anläufen fanden wir dann am Nachmittag eine Bleibe, in der wir uns alle vier wohlfühlten und unsere Autos sicher standen. Und wir sogar – wichtig – einen Grillplatz vorfanden, der an einem hübschen Pool gelegen war. Erst bei Tageslicht sollten wir sehen, dass der Zustand der Zimmer eigentlich schlimmer als im Hotel Andy war, sogar die Stromleitungen im Badezimmer waren offen, was die morgendliche Dusche bei kalt-lauwarmem Wasser nicht erträglicher machte. Aber man lernt damit zu leben. Immerhin war das Frühstück Weltklasse. Soviel zum „Victoria Palace“ Hotel.
on the way to Corumbá
Ausflugsschiffe im Hafen
Sollten wir eine Gelegenheit finden, mit unseren Autos den Rio Paraguai / Rio São Lourenço Flussaufwärts zu kommen, wollten wir bis zur „Abreise“ ein paar Tage in das Nachbarland Bolivien rauschen. Dort gab es weitere Jesuitenreduktionen sowie eine Zollfreie Einkaufszone…In zwei Wochen würden wir zwar erneut über den Norden hereinkommen, aber die Stadt Corumbá war nun auch keine Weltstadt…
Am Abend lernten wir im Hotel Marcello kennen. Marcello sass vor seinem Zimmer und rauchte. Wir kamen ins Gespräch und erzählten von unserem Vorhaben nach Bolivien zu fahren. Wir sahen in entsetzte Augen. Nach Marcellos 5 minütigen Monolog, der nur furchtbare Geschichten über Autoklau in Bolivien beinhaltete, war uns die Lust vergangen. Nach seinen Erzählungen könnten wir mit unserem Auto keine 5 Kilometer über die Grenze kommen, ohne dass wir dann von einer „Bande“ mit Pistolen überfallen werden und uns das Auto entrissen werden würde…Klingt spannend. Aber woher weiss er das, wollte ich wissen…Marcello war bei der Polizei. Drogendezernat. Ach so. Klang auch ja spannend.
Nach einem gut sortierten Grillabend und einer Menge Polizeigeschichten machten wir uns am nächsten Tag, Samstag in die Hafengegen auf und suchten nach einem Cargo- Schiff.
Bei unserer Suche bemerkten wir, dass die Stadt an manchen Stellen doch ganz hübsch war. In der Hafengegend standen ein paar richtig schmucke Häuser. Generell fand man viel alten Bestand, der aber leider ziemlich runtergekommen war.
Wir fanden den sogenannten Cargohafen. Und ein Ponton/Barke. Und eine abgewrackte „Nussschale“ sowie eine Handvoll portugiesisch sprechende Hafenarbeiter.
Es dauerte nicht wirklich lang, da hatte Andrea die Jungs mit ihrem Spanisch im Griff und sie verhandelte mit dem Eigentümer, schlug einen „Spezialpreis“ für 4 Personen und 2 Autos raus.
…dann guckten wir uns das Schiff genauer an. Das Gute vorab: Wir können keine Milben oder Flöhe von verwanzten Matratzen bekommen. Es gibt nämlich keine. Wir müssten uns nur noch jeder eine Hängematte besorgen.
Essen wird es auf dem Schiff geben. Die Küche sieht jetzt nicht soooooooooooooooo schlimm aus. Da haben wir hier schon schlimmeres sehen müssen.
Es gibt sogar ein eigenes Damen WC/Dusche. Wenn Andrea und ich dort erst mal neu renoviert und mehrere Runden Sagotan verteilt haben, wird es sogar fast gehen, ohne dabei 10 Tode zu sterben. Freitagnacht solle der Kahn losgehen. Die Fahrt dauert so – mas o menos – 2,5 Tage. (360 km) Von den Kosten billiger als Benzin für den 1.200 km Umweg durch das Land. Zumal das Pantanal von der Seeseite sonst nirgends zu begutachten ist ausser mit dem Schiff an diesen Stellen nicht zu erreichen ist. Wir hofften, vom Schiff aus endlich einen LEOPARDEN zu Gesicht zu bekommen…denn der ist noch scheuer und seltener als ein Tapir oder Ameisenbär.
Soviel zur Theorie.
Wir liessen uns eine Nacht Bedenkzeit, obwohl Clemens sofort Feuer und Flamme war. Endlich wieder auf das Wasser. Endlich Abenteuer und den ganzen Tag angeln…
Auch ich war gedanklich schon auf dem „Schiff“…aber erst nachdem ich mich erkundigt hatte, dass wir jeder Zeit auch zum Auto gehen könnten…sollte mir das Hängemattenleben nicht unbedingt zusagen, wäre ja noch mein kuscheliges Bettchen in Höördie sicher.
Essen (wahrscheinlich Reis, Bohnen und Fisch) wird sowieso überbewertet, Duschen und WC auch. Wird alles schon schiefgehen. Wir wären immerhin min. zu viert. Und 3,5 Tage sind keine 6 Wochen. Noch nicht. Zudem rollte eine Hitzewelle von 38 Grad auf uns zu. Vielleicht halten sich die Mosquitos aufgrund des Fahrtwindes von uns fern. Von den Stichen hatten wir alle nämlich schon eine Menge. Neben meiner 3 Zeckenbisse, die ich mir im Sumpf eingefangen hatte.
Gibt’s hier eigentlich irgendwo Piraten?
das hübsche Corumbá
alt vs neu
Unser Schiff...
Der Estrada Parque den wir schon von der einen Seite kannten, hatte auch hier eine Einfahrt. Vor Wochen war noch alles überschwemmt gewesen, sodass die Schweizer Kurt und Michelé kaum Chance hatten mit ihrem LKW die Gegend zu erkunden, aber wir wollten es wenigstens versuchen.
Die Gegend war tatsächlich sumpfig und wir mussten oft durch das Wasser. Den Wasserstand prüfte natürlich ich. Erst später, als ich wadentief im Schlamm und Wasser stand, kam mir in den Sinn, dass ggf. auch ein Wadenbeisser in der Gegend sein konnte.
Die Schotterpisten waren teilweise wirklich in einem desolaten Zustand, doch was soll ich sagen…“ unser Höördie matt datt.“

leichte Überschwemmung
bei der Arbeit!

Foto by Thomas Schenkelberg

Wir trafen unseren ersten Ameisenbär. Gleich zwei Mal. Allerdings tot.
Viele tote Tiere lagen am Wegesrand. Das Wasser war vor Wochen so schnell gestiegen, dass sich viele Tiere nicht retten konnten. Ich war traurig. Ich wollte so gerne einem Ameisenbär sehen. Und dann erhörte er mich. Vor uns wackelte ein Busch. Ich hielt die Kamera drauf, als das gute Tier wirklich uns vor das Auto lief und gemütlich dahin trottete. Er war gross. Gross wie ein Hund. Also ein richtiger Hund. Er sah putzig aus mit seinem Rüssel und seinen komischen Gliedmassen. Irgendwie passte an ihm nichts zusammen. Aber er gefiel mir. Das schöne war, wir trafen an dem Nachmittag noch zwei weitere Exemplare, Vögel, Tucane und Capybaras….und auch die Natur war wieder wunderschön!
by Thomas Schenkelberg
Anton der Ameisenbär
by Thomas
Der Jabiru Storch - ich korrigiere:
der grösste Storch der Welt
http://de.wikipedia.org/wiki/Jabiru_(Vogel)




31.07.2011

26.07.2011 Buraco das Piranhas - Estrada Parque / Brasilien

Es ging weiter nördlich. Die nächste Fazenda " Santa Clara" lag im Estrada Parque.
Hier fuhren wir langsam, da man am Wegesrand schon etliche Tiere sah. Kolibris, Caimane, Vögelchen und sogar unsere erste Schlange lag am Wegesrand und sonnte sich. Es war heiss und die Strassen staubig. In unserem Auto - ohne Klima - stand die Luft...und der Staub. Denn mit offenen Fenstern und Lüftungsschlitzen zuz fahren brachte so Einiges mit sich.


Trompetenbäume blühen in Gelb und Pink

Auf der Strecke überquerten wir unzählige Brücken. Bis zur Fazenda sind alle in relativ gutem Zustand. Manche können auch umfahren werden. Von Kurt und Michele erfuhren wir, dass manche Brücken kaputt und somit nicht passierbar sind. Die Strasse führt durch den Estrada Parque bis in die Grenzstadt Corumba. Bis dahin muss man 70 Brücken hinter sich lassen.

Drei Tagen später wollen wir nach Corumba. Da zwei Brücken im Park kaputt sind, müssen wir nach unserem Fazendaaufenthalt wohl zurück und über die Bundesstrasse fahren.
Um die kaputten Brücken kümmert sich niemand. Keiner ist verantwortlich. Stattdessen nehmen alle einem Umweg von 3-4 Stunden in Kauf. Es handelt sich hier im Übrigen um schlichte Holzbrücken. Also kein Hexenwerk. Andere Brücken werden eher ausgebessert, als das die Kaputte repariert wird...

Wir trafen auf der Fazenda Santa Clara auch zur Mittagszeit ein. Hier war alles etwas grösser, mehr Gäste, ca. 50 würden insgesamt Platz haben, sowie eine Handvoll Guides kümmerten sich direkt um uns. Auch hier waren die Zimmer schlicht und ergreifend. Einen kleinen Pool und eine Bar gab es. Also mehr ein Hotel.

Hier fanden ebenfalls zwei Touren am Tag statt. 3 Tage blieben wir und genossen bei südamerikanischer Hitze das Sumpfgebiet, was hier wirklich weitaus mehr Tiere beherbergt als die Tage zuvor.

Unsere Highlights waren Piranahfischen sowie eine Bootstour auf dem angrenzenden Fluss. Dort sahen wir neben etlichen Caimanen wieder Äffchen, Tucane, viele bunte Vögel, Gürteltiere und sogar – nicht so leicht zu sehen - Leguane.
Kingfisher

Beim Piranhafischen steht man (in dieser Region) Bauchnabel, oder in meinem Fall - Brusttief im Wasser. Das neben einem Caimane auftauchen und man in Wasserlilien und Schlamm steht vergisst man fast...
Auch diese Fische nimmt Clemens inzwischen alleine vom Haken. Schmecken, so sagen alle Beteiligten, soll der Piranha ebenfalls gut.
Ebenfalls wanderten wir durch Wasser und über Wiesn bei Hitze, bastelten Blumen aus Palmenfrüchten und genossen das Mittagessen auf einem kleinen Bauernhof inmitten von Hühnern, Truthähnen, wilden Pferden und Hunden...und einer Wäscheleine voller Fleisch.

Auch auf dieser Fazenda musste ich auf ein Pferd. Das Gaucho-Leben verlangte einem so Einiges ab. Clemens kam wieder voll in Fahrt und war mit seinem Kollegen Knickohr gleich guter Dinge. Ich fand reiten auch dieses Mal ganz ok. Wird nicht meine Lieblingsbeschäftigung werden, aber inmitten dieser Natur ist es natürlich wirklich ein Erlebnis.

Kollege Knickohr
Unsere Badebucht
Trompetenbaum

Hier trafen wir auch unsere Ana. Ana Konda. Die Grüne Anakonda kam eines Nachmittages auf die Terrasse. Glücklicher Weise war ein Gaucho zur Stelle...und hielt sie fest, während ich sie um meinem Hals hatte. Fazit: Schwer, gitschig, stinkig. Aber wunderschön.

Am Morgen vor unserer Abreise machten wir noch eine Tour durch die Botanik. Unser Guide Emerson ging querfeld ein. In Gestrüpp und Gebüsch fanden wir dann noch zwei kleine Schätze.

http://de.wikipedia.org/wiki/S%C3%BCdamerikanischer_Nasenb%C3%A4r
http://de.wikipedia.org/wiki/G%C3%BCrteltiere
ein putziges Gürteltier