23.11.2011

14.11.2011 El Chaltén / Argentinien

Nur 220 km von El Calafate lag zwischen den Bergen das Dorf El Chaltén. Die Anreise war klasse, aber auch sehr windig. Mehr als das sogar. Autotüren flogen und konnten nur einzeln geöffnet werden, wenn man sie überhaupt auf bekam. Der türkisblaue See „Lago Argentina“ und eine bergige Landschaft begleitenden uns auf unserer Fahrt auf der Ruta 40..der Panamericana. Je näher wir an unser Ziel kamen, umso besser sah man das riesige, bekannte Bergmassiv im Hintergrund des Dörfchens. Sehr beeindruckend.






El Chaltén ist ein kleines Dorf in Patagonien im Süden von Argentinien. Es liegt im Departamento Lago Argentino in der Provinz Santa Cruz, nahe der chilenischen Grenze am nördlichen Rande des Nationalparks Los Glaciares. Der Ort wurde am 12. Oktober 1985 gegründet und gehört damit zu den jüngsten Ortschaften Argentiniens.
Das Dorf El Chaltén bietet den direktesten Zugang zu den Bergmassiven des Cerro Torre und des Fitz Roy. Letzterer heißt in der Sprache der Ureinwohner, der Tehuelche-Indianer, El Chaltén. Das bedeutet in ihrer Sprache "Vulkan" obwohl der Fitz Roy kein Vulkan ist.
Das Dorf ist nur über eine stundenlange Autofahrt zu erreichen. Früher führten Schotterpisten dort hin, heute ist die Strecke asphaltiert. Es beherbergt im Winter nur etwa 100 Einwohner. Es verfügt über keine Industrie und kaum Landwirtschaft, erlebt durch den zunehmenden Tourismus rund um die ausgedehnten Trekking- und Bergsteiggebiete nahe dem Fitz Roy aber einen starken wirtschaftlichen Aufschwung.

Der Ort erschien nett, kleine bunte Block-Häuschen mit Kneipen, Restaurants, Hotels und Co

Trotz des Windes beschlossen wir auf einen in der Stadt liegenden Campingplatz zu gehen.
Zwischen Löwenzahn und Holzverschlag versuchten wir in eine einigermaßen Windgeschütze Position zu kommen, was unmöglich war. Das Dorf lag irgendwie ungünstig, sodass es IMMER windig war. So sagte man uns. Wir hatten heute Glück, denn es war
laut Einheimischen nicht so dramatisch. Aber dramatisch genug, dass wir die Nacht nur mit Oropax überstanden, da das Zelt um unsere Ohren peitschte und das Auto schaukelte. Wenn es alles zusammenbrechen würde, würden wir wenigstens weiterschlafen können...



Im Heuschober fühlten wir uns wie Maria und Joseph…doch schon während des Frühstücks war klar, dass es so die nächsten Tage anstrengend werden würde. So einen heftigen Wind hatten wir nicht erwartet und er machte das Leben „draussen“ nicht einfacher. Nach unserem Tagesprogramm würden wir uns ein Hotel suchen.

Rollende Häuser aus der Schweiz und Goslar
Unser erstes WOW war der Viedma Ice Trek. In El Calafate hatten wir davon gehört, es aber auf diesen Ort verschoben. Wir fuhren zu nahegelegenen Lago Viedma, von dort eine Stunde mit dem Schiff zum Gletscher Viedma. Wir kraxelten ein Stück und bekamen unsere „Steigeisen“…von dort ging es bergauf und wir genossen die nächsten 2,5 Stunden. Bedingt durch den starken Wind, ist dieser Gletscher leider etwas dreckig, dennoch war sehr beeindruckend und ziemlich „cool“ einem Gletscher genauer zu betrachten.











Der wichtigste zum Viedmasee führende Gletscher ist der 575 km² große Viedma-Gletscher, der sich im Westen befindet. Das Gletscherwasser färbt den See türkisblau.

http://de.wikipedia.org/wiki/Lago_Viedma

Nach erfolgreicher Gletscherbesteigung und anschließender Hotelsuche schlenderten wir durch die windigen Strassen und kehrten in einem gemütlichen Restaurant ein. Es war wunderbar und wir fühlten uns wie auf einer Hütte im Skiurlaub.

Am nächsten Tag sollte es ein weiteres WOW geben…verbunden war dies wiederum mit Wandern und demnach bestimmt mit weitern Schmerzen.

Gewappnet für jede Wettersituation, machten wir uns auf.
Die „Laguna Torre“ war das Tagesziel, welche einen super Blick auf den Cerro Torre versprach und 11,5 km (eine Richtung) entfernt lag. Die Tour sollte zwar nicht so fies wie am „Torres del Pain/e“ werden, aber ich hatte dennoch grossen Respekt, da der Muskelkater immer noch aktiv war. Und wie.
Der Cerro Torre (spanisch: „Turm-Berg“) ist ein ca. 3.128 Meter hoher Granitberg, der sich an der argentinisch-chilenischen Grenze befindet, etwa 50 km nördlich des bekannten Nationalparks Torres del Paine. Der Cerro Torre ist aufgrund seiner steil aufragenden, glatten Granitwände und der extrem widrigen Wetterbedingungen nur sehr schwer zu besteigen und gilt daher unter Bergsteigern als einer der schwierigsten und zugleich schönsten Gipfel der Welt.
Die Erstbesteigung soll schließlich am 30. Januar 1959 Cesare Maestri und dem Tiroler Toni Egger über die Nordwand gelungen sein. Beim Abstieg verunglückte Egger durch eine Eislawine tödlich. Da seine Kamera, die angeblich das Gipfelfoto enthielt, verloren ging, konnte Maestri nicht beweisen, dass er tatsächlich den Gipfel erreicht hatte. Ab 1968 wurden seine Schilderungen von immer mehr Bergsteigern in Zweifel gezogen und der Cerro Torre mitunter weiterhin als „unmöglicher Berg“ bezeichnet.









Der Weg war wunderbar, immer den Cerro Torre vor Augen, nicht zu viel und nicht zu wenig Anstrengung. Zwar fanden wir leider keinen dort ansässigen „ROTKOPF-Specht“, aber andere Exemplare und einen Haufen Schmetterlinge.

Das patagonische Wetter meinte es gut mit uns. Die Sonne gab alles, kaum eine Wolke am Himmel, Windstille. Wir verfluchten unsere Thermohose und Fleece Klamotten.
Nach 2,5 Stunden standen wir an der wunderschönen Laguna Torre, Blick auf den Gletscher und den atemberaubenden Cerro Torre. Mächtig stand der da und war nicht durch Wolken verhangen sondern stand „klipp und klar“ vor uns. So sollte es sein.
Wir hatten nämlich gehört, dass das Bergmassiv meist nicht zu sehen ist, da es Wolken verhangen sei. Aber nicht mit uns.




Unnötig zu sagen, dass der Rückweg trotzdem furchtbar war. Es tat weh und ich schwor mir, NIE, als wirklich nie, oder zur Zeit einfach nie, mehr zu wandern. Es gibt doch Bilderbücher und perfekte Internetseiten, wo man sich alles im Detail anschauen kann, ohne über 22 km bei „brütender Hitze“ (naja, Wärme) bergauf-und ab gehen zu müssen.
Nach der heissen Dusche und dem „Feierabendbier“ sah die Wanderwelt schon wieder anders aus. Wir waren schon wieder mächtig stolz, es geschafft zu haben. Mein Kreuzband und Meniskus schienen das ebenfalls so zu sehen und verhielten sich unauffällig.
Die örtliche Parilla musste dran glauben. Zwar aßen wir dort nicht unser bestes Fleisch, lernten aber eine sehr nette, kichernde, weibliche Reisegruppe aus Berlin kennen, die ebenfalls einige Orte wie wir besucht hatten und unser Auto schon in Puerto Natales gesehen und fotografiert hatten. Sie legten uns nahe, noch unbedingt einen Blick „aus der Nähe“ auf den Fitz Roy zu werfen…was allerdings mit W.w.W. verbunden war.
Clemens hatte Blut geleckt und wollte quasi sofort los.


Doch die Strecke zur „Laguna de los Tres“ sollte wirklich ekelig sein. Vor allem das letzte Stück 1 -1,5 Stunden, so sagten sogar Einheimische, seien die Hölle, denn es geht nur steil bergauf. Treppenartig über Felsformationen. Meistens bei Wind, bzw. Sturm.
Und nur wenn man Glück hat, läge der Fitz Roy dann nicht in den Wolken…
So genau verstand ich die spanische Beschreibung nicht, denn ich versprach Clemens, eine Nacht über meine Entscheidung und meinen Muskelkater zu schlafen und dann würden wir sehen…
Herjemineeeeeeeeeee, was auch immer mich geritten hat, ich willigte am nächsten Morgen ein obwohl mein Gatte mir als Alternative einen SPA Tag angeboten hatte…
Mein Muskelkater war doch sowieso aktiv. Und ich wollte ihn ja auch sehen, den alten Fitz!
Und gemeinsam ist man stark!
Der Fitz Roy, auch Cerro Fitzroy oder Cerro Chaltén ist ein 3.406 Meter hoher Granitberg in den argentinisch-chilenischen Anden Südamerikas. Er ist eine der Hauptattraktionen im Nationalpark Los Glaciares.
In der Sprache der Ureinwohner, der Tehuelche-Indianer, hieß der Berg El Chaltén, was in ihrer Sprache „Vulkan“ bedeutete. Heute trägt das nächstgelegene Dorf den Namen El Chaltén den Namen. Als erster Europäer sah 1877 Perito Moreno den Berg. Er benannte ihn nach dem Kommandanten von Charles Darwins Forschungsschiff HMS Beagle, Robert FitzRoy.

Also starteten wir um 9:00. Circa 10,5 x 2 Kilometer lagen vor uns. Hörte sich ja fast harmlos an. Wir liefen am Ufer des Río Blanco und hatten wahnsinnige Ausblicke auf den Fitz und seine angrenzenden Gletscher. Auch das Wetter war mal wieder auf unserer Seite, es sollte wärmer werden als am Tag zuvor ca. 20 Grad), somit waren unsere warmen Klamotten in der örtlichen Reinigung.
Obwohl wir noch nicht in der Hauptsaison unterwegs waren, waren auch wie am Tag zuvor eine Menge Leute unterwegs. Aus aller Herren Länder hörte man es singen, lachen, schnaufen, fluchen…


Das Runde muss in Eckige!

Hausbau
mein lieber Specht!

Bienlein und Blümlein

Und dann sah man ihn in voller Pracht: Den Weg nach oben. Den Ekelweg! Er fing harmlos an, durch Wald und „Steinchen“ doch er steigerte sich rasch. STEINE und FELSEN bis irgendwann nichts mehr ging als grosse, hohe Schritte. Es lag nicht nur an meinen kurzen Beinen, dass die Schritte hoch waren, auch Clemens schob sich den Berg hoch und schüttelte den Kopf als er immer wieder auf unser GPS schaute und sagte: „Es nimmt einfach kein Ende“…Menschen, die uns entgegenkamen schauten uns bemitleidend an:
„Es tut sehr weh, aber glaub mir, der Weg lohnt sich…nur noch 45 Minuten“…
...diesmal war ich wirklich kurz davor zu canceln entschied mich aber auch heute für „durchbeissen“. Um diesen Aufstieg zu kompensieren gab es Vollkornkekse. Das ging es doch irgendwie besser. Das Wetter war umgeschlagen, es stürmte und erschwerte uns jeden Schritt. Ich musste mich festhalten um nicht davon zu fliegen. Es war kalt.
nur doch da hoch...


easy

Auch diese 10,5 km Etappe erreichten wir nach ca. 3 Stunden.
Es hatte sich wieder gelohnt, der Fitz stand vor uns in all seiner Pracht und keine Wolke war am Himmel. Danke, Du lieber Wettergott, aber den Wind kannst Du das Nächste Mal (Was es nicht geben wird) weglassen. Wir stiegen weitere 300 m weiter hinauf und sahen noch was richtiges WOWiges:
Die „Laguna Sucia“ (schmutzige Lagune) die einfach nur in der Sonne glänzte und schön aussah…von wegen Schmutz.
Auch dieser Rückweg war schmerzvoll, muss ich Detail vermutlich nicht erwähnen, ausser dass wir bemitleidende Blicke den hochkommenden Menschen entgegenwarfen und ihnen sagten:„zieeeeeeeeeeh, ist nur noch ne` Stunde…aber es lohnt sich.“
Auch diese 10,5 km Etappe erreichten wir nach ca. 3 Stunden.
Es hatte sich wieder gelohnt, der Fitz stand vor uns in all seiner Pracht und keine Wolke war am Himmel. Danke, Du lieber Wettergott, aber den Wind kannst Du das Nächste Mal (Was es nicht geben wird) weglassen. Wir stiegen weitere 300 m weiter um die "Ecke" hinauf und sahen noch was richtiges WOWiges: Die „Laguna Sucia“ (schmutzige Lagune) die einfach nur in der Sonne glänzte und schön aussah…von wegen Schmutz.
Auch dieser Rückweg war schmerzvoll, muss ich Detail vermutlich nicht erwähnen, ausser dass wir bemitleidende Blicke den hochkommenden Menschen entgegenwarfen und ihnen sagten:„zieeeeeeeeeeh, ist nur noch ne` Stunde…aber es lohnt sich.“
Fitz Roy mit gefrorener Laguna de los Trés...

Laguna Sucia
Gletscher und Lagune
Es gab doch noch ein Highlight: Den „ROTKOPF-Specht“ entdeckte Clemens im letzten Waldstück und schob mich zum Fotografieren in die Büsche.
Ich verfolgte den von Baum zu Baum fliegenden roten Pumuckl…und dann, dann schob ich mich mit letzter Kraft einen Abhang hoch, lag im Dreck, hielt die Luft an und knipste.
Entkommen sollte er mir nicht…und wenn es das Letzte wäre, was ich heute tue.

Die heutigen Erlebnisse machten unseren Tag (mit anschliessendem Steak) einfach nur perfekt und die schmerzenden Muskeln vergessen…
Wieder war es wunderbar gewesen, dass „Wandern wegen WOW“. (W.w.W.)...und unsere Reise konnte weiter gehen!