16.11.2011

09.11.2011 Puerto Natales & Torres del Paine / Chile

Nach ca. 250 km gut ausgebauter Strasse erreichten wir bei Sonnenschein das Städtchen “Puerto Natales.” Logischerweise bei Sonnenschein. Alles Andere wäre Quatsch.
Die Hafenstadt Puerto Natales ist eine Stadt mit 19.319 Einwohnern und liegt 247 km nordwestlich von Punta Arenas am Última-Esperanza-Fjord. Sie wurde im Jahre 1911 gegründet. Sie bildet die Ausgangsbasis für Exkursionen in den Nationalpark Torres del Paine und den Nationalpark Bernardo O’Higgins, sowie für Feuerland- und Patagonien-Touren.
http://de.wikipedia.org/wiki/Puerto_Natales
Man sah sofort, dass die geschäftstüchtigen Chilenen ihre Chance ergriffen hatten. Hotels, Hostels, Bars, Restaurants waren für jeden Geldbeutel zu finden.




Wie in San Pedro de Atacama war auch hier eine geniale Mischung. Meistens richtig nett, teilweise liebevoll gemacht. Gefiel uns irgendwie sehr gut. Wir beschlossen eine Nacht im Hostel zu verbringen, eines mit angrenzendem Café, in welchem wir am nächsten Morgen ein grandioses Frühstück (mit Rührei und selbstgemachtem Brot) erhalten sollten.
Es war fantastisch. Als DZ überliess man uns ein gesamtes Appartement, mit Flokati- teppichen und heissem Ofen…
Relativ früh, zu früh für die Supermärkte in Natales, machten wir uns auf zum ca. 100 km entfernten „Parque Nacional Los Glaciares“, welcher ebenfalls sehr spektakulär sein soll.
Im Norden grenzt dieser Nationalpark an Argentinien Im Westen liegt der Grey-Gletscher mit dem See Lago Grey, im Süden der Lago del Toro und im Osten der Lago Sarmiento de Gamboa. Die Nationalpark-Fläche umfasst 2420 km². Er ist durchzogen von bis zu beinahe 3000 m hohen Bergen, Gletschern, Fjorden und großen Seen.
Die „Torres del Paine“ sind das Wahrzeichen des Nationalparks. Dabei handelt es sich um drei nadelartige Granitberge, die zwischen 2600 und 2850 m hoch sind. Die Berge liegen etwa in der Mitte des Nationalparks..Der höchste Berg im Nationalpark ist der Cerro Paine Grande mit 3050 m.Große Teile des Nationalparks sind vergletschert. Der bekannteste Gletscher ist der Grey-Gletscher, der in den Lago Grey kalbt...(kalben?)

http://de.wikipedia.org/wiki/Nationalpark_Torres_del_Paine
Unser erstes Ziel war der Lago Grey, wo wir eine 3 stündige Wanderung unternahmen um einen Blick auf den Grey-Gletscher zu erhaschen. Hier machten wir zum ersten Mal Bekanntschaft mit dem patagonischen Wind, der so extrem war, dass man nur schwer vorankam. Der Wind hakte sich regelrecht unter uns und schob einen dahin wo er wollte und peitschte wie Faustschläge ins Gesicht. Zwischendrin Sonne extrem. Das hatten wir selbst während unseres 7 tägigen Aufenthalt auf Feuerland nicht erlebt.
Die schwimmenden Eisberge und später der Blick auf den (leider weit entfernten) Gletscher, waren es aber wert gewesen, sich dem Wind und Wetter Spektakel auszusetzen.


links von der Eisscholle laufen Menschen



Der gesamte Park ist tatsächlich wunderschön und vielseitig. Die Farben der Seen und Berge einfach nur wow! Friedliche Guanakos in Scharen am Wegesrand.
Ab heute weht ein anderer Wind!




Hoppala, fast gestolpert
Unterkünfte gibt es für jeden Geldbeutel. Von einfachen Refugios/Herbergen, Campingplätzen bis zu 5***** Häusern findet man alles. Auch einen wunderbaren Campingmöglichkeit, mit heissen und sauberen Duschen, idyllisch an einem Fluss gelegen, geschützt von Bäumen mit Blick auf die „Torres del Paine“…dem Aushängeschild des Parks.

Guanako-Durcheinander

TORRES DEL PAIN/E
Das Abendessen gestalteten wir aus den letzten frischen Zutaten und unseren gesammelten Vorräten.
Vollkornpasta mit Soja-Bolognese -
begleitet von Don.
Don David aus Cafayate
Wir hatten nun diese extrem hohen „Säulen“ von weitem gesehen, doch das reichte meinem Lieblingsehemann natürlich nicht. Es gab einen Aussichtspunt „Mirador del Torres“, welcher versprach, den nahegelegensten Blick auf die Türme zu bieten. Überhaupt und generell.
Der Weg dahin sei laut dem patagonischen „Trekking-Guide“ EASY & MODERATE. 4 Stunden „trekken“ und wir wären dort. Was solls, hörte sich ja nicht schlimm an.
Nach einem abwechslungsreichen Frühstück zwiebelten wir uns zusammen, kochten Wegzehrung und machten uns bei Sonnenschein um 10:29 auf.
Frühstück
Aller Anfang ist bekanntlich schwer. Das es mal ein Stück bergauf gehen sollte war mir ja klar, aber die erste Stunde machten wir nichts anderes. Von wegen „easy & moderate“. Ich verstand darunter etwas Anderes, biss aber die Zähne zusammen. Nach einer weiteren halben Stunde über Stock und Stein fand ich den Übersichtsplan des Parks, wo alle Ruten und Wanderwege skizziert und bewertet waren…12 Wege durch den Park gab es. Einer war facíl. (leicht) und einer war alta (hoch) alle anderen waren media. Easy & moderate wechselte schlagartig in media. 9,5 km (one way) Dauer: 4,5 Stunden.
Hallo? Das klang aber irgendwie anders, als gedacht. Ausser sitzenbleiben oder Handtuch werfen und umdrehen blieb mir nur noch: WEITERMACHEN. Auch wenn ich schon wusste, dass der Rückweg wahrscheinlich genauso furchtbar werden würde, biss ich Zähne und alles was ich konnte zusammen. Natürlich war es schön, es war sogar wunderbar schön.




Dennoch ging es hoch und runter und die Muskeln machten sich langsam bemerkbar. Zwar machten wir nur 1000 m Höhenmeter, aber durch das ständige auf und ab, durch Wald und Flussbetten, über Stock und Stein und Felsen.
V-Ast to go



Nach der „Baumgrenze“ kam der Wind. Dann Regen. Super Sache. Und ab da hiess es für uns: KLETTERN. Das letzte Stück (1 Stunde) war so steil und vor allem voller Felsen. Ich wusste nicht, ob ich lachen oder heulen sollte. Ich tat einfach beides. Wie auch die letzten Kilometer entschieden wir uns für: durchbeissen. Ich dachte an meine Tüte Gummibärchen im Rucksack. Vorausgesetzt ich schaffe diesen Aufstieg, bei inzwischen Wind und Regen, dann würde ich sie uns kredenzen. Seit Brasilien haben wir sie für eine besondere Situation aufgehoben…

Um genau 13:39 erreichten wir den Mirador. Schneller als gedacht. Pausen gab es nicht. Getrunken wurde im Gehen, pinkeln wurde vergessen. Durchmarsch. Was ich hab – das hab ich.
Der Aufstieg war wirklich der Horror, für mich weder easy & moderate, auch nicht media.
Einfach nur alta, Alter…aber das Ergebnis konnte sich sehen lassen!!!


Während wir unser Essen und danach die Gummibärchen reinschaufelten, fing es heftiger an zu regnen und zu stürmen. Es störte uns nicht, denn wir genossen einfach nur den Blick, denn der war atemberaubend und es entschädigte für alles…bis wir uns wieder um 14:35 auf den Heimweg machten. Dieser war eigentlich noch schlimmer. Das bergab machte uns wackelig auf den Beinen. Kein Schritt tat nicht weh. Der Wind nahm zu und bliess so stark, dass er Clemens fast den Abhang runtergeschubst hätte. Schotter flog durch die Gegend Zusammengekauert unter einem Busch mussten wir abwarten, bis er sich beruhigte.




geschafft...
Um 17:25 kamen wir wieder im Tal an und fielen uns in die Arme. Wir waren stolz wie Hulle. Gefeiert wurde das nach heisser Dusche bei Vino und Konservenkost. Gummibärchen waren ja leider alle.
Wir beschlossen ab heute ein neues Konzept einzuleiten, ab heute gilt nur noch „Wandern wegen Wow“…

Schon an Tag danach war er da - der Muskelkater. Fiese Kröte!
Wie auf Eiern erreichten wir nach einer sehr windigen Nacht auf zur noch windigeren Grenze und Zollstation „Cerro Castillo“, bevor wir wieder in Argentinien eincheckten.
Dort wartete auf uns der der „kalbende“ Gletscher Perito Moreno…

09.11.2011

08.11.2011 Punta Arenas / Chile

Die Stadt an der Magellanstrasse ist irgendwie verrückt. Aber das mag ich. Mit über +/-130.000 Einwohnern ist es eine richtige Stadt, die sich aus einer eigenartigen Mischung von Prunk und Protz und Verwahrlosung präsentiert. Aber irgendwie charmant. Auf dem Berg gelegen stehen bunte, grosse Villen, am Stadtrand Wellblech und Holzhäuschen.
Das Zentrum ist wild zusammengewürfelt und sauber. Kein Haus gleicht dem anderen. Diverse Restaurants und Kneipen, Einkaufsmöglichkeiten und eine hübsche Plaza mit schicken Gebäuden gibt es.
http://de.wikipedia.org/wiki/Punta_Arenas
Auf den Tourismuszug ist man hier bereits aufgesprungen. Ausgebuchte Hotels oder gepfefferte Hotelpreise, Outdoorklamottenläden sowie diverse Tourenanbieter für die umliegenden Regionen sind nur ein Indiz dafür.
Die Restaurantempfehlung „La Marmita“, welches so kuschelig, gemütlich und vor allem köstlich aussah, konnten wir aufgrund von „total ausgebucht“ leider nicht wahrnehmen.

Richtung Wasser, im Bereich El Centro fanden wir aber diverse Möglichkeiten. Hier reihen sich viele verschiedenen Restaurants aneinander. Im La Luna genossen wir die chilenische Küche und Gastfreundschaft. Hier hörten wir am Nachbartisch nach 6 Monaten unsere zweiten Österreicher…
auch wir hinterliessen Spuren
Der neue Toyo!
Das chilenische Frühstück ähnelt dem argentinischem, doch hier trifft man ab und zu Wurst oder/und Käse. Unser Geschmack ist es aber immer noch nicht. Das Österreichische/Deutsche ist unserer Ansicht nach immer noch Nummer 1! JAWOHL!

Der Cementerio Municipal zählt zu den faszinierenden Friedhöfen von Südamerika!!!
In Form geschnittene Zypressen säumen die Wege zwischen den Grabmälern der chilenischen Oberschicht und Einwanderer. Darunter sehr viele Deutsche, Jugoslawen, Engländer und Norweger.
Cocoonartige Gedenkstätten
sicherheitshalber noch ein Bierchen mit Kippe...
Einen weiteren Friedhof fanden wir durch Zufall. Hier sah es friedlich und fast fröhlich aus, alles war einheitlich. Jeder war gleich. Es gab einen einheitlichen Gedenkstein, aber unterschiedlich beschriftet. Das riesige bunte Blumenmeer und die sich drehenden Windräder anzusehen war wunderschön.
Flower-Power
Mausoleen sind beeindruckend, (oder auch nicht) aber dieses Blumenfeld war freundlich. Selbst dieser traurige Anlass verzauberte einem ein Lächeln ins Gesicht.

Am Stadtrand existiert eine zollfreie Einkaufswelt, die Zona Franca. Haute uns aber nicht aus den Socken. Wenn man Autoreifen oder Elektro-Geräte benötigt, ist es mit sicherlich sinnvoll dort vorbeizuschauen.

Die Stadt ist irgendwie skurril und crazy im Gesamteindruck, aber nett und charmant zudem leben dort sehr freundliche Menschen. Punta Arenas kann man auf jeden Fall empfehlen, wenn man denn des Weges kommt...
on our way to Puerto Natales

06.11.2011 Porvenir / Chile

Sämtliche Grenzformalitäten in San Sebastian waren problemlos erledigt und schwups waren wir wieder in Chile. Und ab da waren die alten, abgebrochenen Bäume weg. Und die Menschen. Auf dem chilenischen Teil Feuerlands leben nur ca. 7.000 Bewohner. Viel ist das nicht.

140 km ging es vorbei an Feldern und Weiden, bald kam auch wieder Wasser.
Schön war es hier. Zwar hätten wir wetten können, dass sich die beiden Teile Feuerlands nicht unterscheiden, taten sie hier aber doch.
Am Abend landeten wir in Porvenir, wo es eine Fähre nach Punta Arenas geben sollte.
Über den Ort hörten wir nur:
„Es gibt da nichts zu sehen…aber genau das ist es ja…“

Auch der Reiseführer machte sich eher über das 5.000 Seelen Dörfchen lustig, als mit hilfreichen Tipps zu punkten. Einen Campingplatz gab es nicht. Aber Dusche musste heute sein. Ebenfalls wussten wir nicht, wann die Fähre fahren würde. Jeder sagte etwas anderes.

Als ich die Hotelempfehlungen des Ortes las, wusste ich bereits, wie es in den Zimmern roch…

Der Ort war Bilderbuchreif, bunte metallverkleidete viktorianische Häuser, tummelten sich vor der Bucht wo bunte Bötchen lagen. Eine Handvoll Tante Emma Läden, eine kleine Plaza, 3 Hostels und 2 Restaurants.
Und ein Hotel Hinweisschild am Ortseingang. Das Schild sah neu aus und das Hotel war im Reiseführer nicht zu finden. Gucken kostet bekanntlich nix. Von aussen pfui von innen hui.
Wenn es nach mir gegangen wäre, hätte die Fähre in einer Woche erst ablegen können…so schön und modern war es hier. Die Betten, das Bad und das Restaurant waren ein Traum. Die Welt ist doch nicht so schlecht.

Leider mussten wir nur zwei Nächte auf die Fähre warten…aber den Tag Aufenthalt genossen wir, indem wir uns auf Pinguinsuche machten. Eine Kellnerin hatte uns von den „Königspinguinen“ erzählt, die an der Küste leben würden. Komisch, in dem Reiseführer stand nichts.

„Auf die Dauer Zotti-Power“ - kein Pinguin ist vor uns sicher.
Zwar mussten wir dafür die gesamte „Bahía Inútil“ auf uns ab düsen und das wieder bei allen 4 Jahreszeiten gleichzeitig, aber wie fanden ein „Nest“.

Der „Park“ war erst im Bau…es war keine Kolonie, nur eine Handvoll waren dort zu sehen, denn eigentlich lebten sie in er Antarktis. Auch hier lagen die Damen schon auf den Eiern. Diese Spezies legt alle 2 Jahre nur ein Ei. Ausserdem waren sie in der Mauser.

Der „REY / Königspinguin“ ist grösser als die Exemplare die wir bis dato gesehen haben. Handliche 90 cm werden sie gross. Neben dem „Imperial“ sind es die grössten Pinguine der Welt. …doch der Imperial wohnt nur in der Antarktis…und das lag ja leider (vorerst) nicht auf unserem Weg.
Am Dienstag, den 8.11. nahmen wir die (vorreservierte) Fähre, die uns innerhalb 2 Stunden auf das chilenische Festland nach „Punta Arenas“ brachte. Auch hier hatten wir die wildesten Geschichten vom schaukelnden Seegang gehört…aber wir?
Wir glitten dahin und vertrieben uns die Zeit mit „Büroarbeit“…und freuten uns sehr auf die Zeit in Chile!