11.09.2011

29.08.2011 Potosí / Bolivien

Wir starteten gegen Vormittag im Konvoi mit Wera und Friso. Die beiden mussten sich zwar „etwas beeilen“, da sie Mitte September Besuch in Ecuador/Galapagos von Freunden aus Deutschland erwarteten, aber wir entschieden, die kommenden spannenden Ziele gemeinsam zu erkunden.
Die Fahrt nach Potosí war wiedermal ein Erlebnis, diesmal aber mit geteerten Strassen.
Nach ca. 2,5 Stunden / 200 km und einer Erlebnistour durch Berge in allen Farben und Formen, erreichten wir die auf 4.000 m hoch gelegene Minenstadt. Hier wollten wir unser „Höhentraining beginnen.
Die kommenden Etappen waren teilweise bis 5.000 m gelegen. Langsam und mit Cocatee sollte man es angehen lassen. Zwei Schritte hoch, einen runter…usw.

Wir waren gespannt auf die Stadt, da uns viele sagten, dass die Stadt grau und hässlich sei. Die Einfahrt war beeindruckend. Über der Stadt thronte der 5.000 hohe Cerro Rico, der die Arbeitsstätte vieler Mineros war.
Potosi ist angeblich die höchstgelegene Stadt der Erde mit 4.070 m ü M.
Die Stadt wurde 1545 von den Spaniern wegen des Erzvorkommens gegründet. Wegen des Silbervorkommens wurde Potosi zu reichsten Stadt Lateinamerikas gegen Ende des 18 Jahrhunderts. Millionen Sklaven wurden hier unter furchtbaren Bedingungen zur Arbeit gezwungen.
http://de.wikipedia.org/wiki/Potos%C3%AD

"Mein Vater ist Minero....und ich verkaufe Glückssteine..."
Die Mine wollte nur ich besuchen. Touren konnte man an jeder Ecke buchen. Die Meinungen über solch einen Trip gingen allerdings auseinander.

Unsere Unterkunft hatten wir durch „Hörensagen“ gewählt. Ca. 20-30 Minuten ausserhalb der Stadt und auf „nur“ 3.500 m gelegen fanden wir mal wieder ein Paradies:
Ein Herrenhaus (und Museum) aus dem Jahre 1557 sollte für die nächsten Tage unser Zuhause sein. Wunderschön gelegen, wunderbar erhalten. Als wir die Räumlichkeiten betraten, mussten wir erst mal die Luft anhalten. So schön – und so überraschend war es. Wir wurden sehr freundlich begrüsst und sprachen mit den jetzigen Eigentümern Coca und Arthur sowie Ziehsohn René bei heissem Tee vor dem Kamin.
Von sich aus gaben sie uns einen Spezialpreis für ein Zimmer. Das kam uns gelegen. Denn es war abends recht schattig. Wir waren die einzigen Gäste uns so genossen wir die „Betüddelung“ und das bekocht werden. Unser Zimmer war gemütlich und landestypisch, inkl. Ofen den wir auch definitiv benötigten.
http://www.hostel-museo-cayara.com/german/museum.html
Kaminsituation
Die Eingangshalle
eine Handvoll Schuh
tolle Wolle
Der Festsaal
Säbel aus Deutschland - Solingen
Wir entschieden uns gegen den Besuch unter Tage und schauten uns vor der Mine um. Auch das war schon erschreckend. Zum Schichtwechsel um 18:00 sahen wir Männer aus - und in die Mine gehen. Die jüngsten waren 12-13 Jahre…Die Arbeitskleidung war spärlich. Die Wangen voller Coca.

Der Haupteinkommenszweig von Potosí ist weiterhin der Bergbau am Cerro Rico. Abgebaut werden hauptsächlich Zinn, Kupfer und Silber. Berüchtigt sind nach wie vor die Arbeitsbedingungen in den Minen, die sich auf einem niedrigen Technologie- und Sicherheitsniveau befinden und nicht selten zu schweren Gesundheitsschäden (z. B. Staublunge) bei den Arbeitern führen. Noch heute sterben viele Bergarbeiter an Staublunge und Unfällen, zum Beispiel durch Explosionen. Nur die wenigsten Arbeiter besitzen eine Gasmaske oder sonst irgendeine Art von Schutzkleidung. Die Bergarbeiter und Führer durch die Minen berichten davon, dass sehr wenige Mineros mehr als 10 Jahre regelmäßig in den Minen arbeiten können und deren Lebenserwartung in etwa 45-50 Jahre beträgt.
Von lokalen Tourismusorganisationen begleitet, können Touristen an Minenführungen teilnehmen. Dort werden die extrem harten und unmenschlichen Arbeitsbedingungen der Minenarbeiter sichtbar. Ein Teil der Kosten für die Minenbesichtigung kommt direkt den Minenarbeitern zugute. Es bleibt jedoch ein schmaler Grat zwischen Sensationstourismus und Generosität. Unklar ist, ob dabei die tatsächlich in Betrieb befindlichen Stollen vorgeführt werden oder nur halbwegs sichere Anlagen in der Nähe des Mineneingangs, um keine Touristen den Gefahren des ungesicherten Bergbaus auszusetzen. Obwohl Kinderarbeit in Bolivien offiziell verboten ist, arbeiten in der Mine noch heute angeblich einige tausend Kinder. Die Notwendigkeit der Kinderarbeit habe hier Priorität vor dem Gesetz. Auch vor Touristen wird die Kinderarbeit in keiner Weise vertuscht, im Gegenteil.

Ebenfalls besuchten wir den Markt der Mineros. Dort gab es alles zu kaufen was der Minero so braucht. Wer jetzt aber vor allem an Sauerstoffmasken denkt, der liegt falsch. Die meisten haben keine…und spannen nur ein T-Shirt unter Tage vor die Nase…
In diversen kleinen Lädchen findet man Coca Blätter, Bolivianischer Whisky (96% Alkohol) sowie puren Tabak. Zudem konnte man hier auch ganz legal Dynamit kaufen.
Gringos auf dem Weg in die Mine beim
Einkaufen > Mitbringsel für die Mineros
96 % Allohol
Seine erste Dynamitstange...mit Zündschnur

Wie fast überall bis dato in Bolivien gilt auch hier: Handeln ist nicht. Preis bleibt Preis.

Mit dem Höhenunterschied kamen wir inzwischen gut zurecht. Ab und zu Kopfschmerzen oder Schwindel bei körperlicher Anstrengung, die . Die Temperatur auf der Höhe war tagsüber warm, wenn nicht der eisige Wind gewesen wäre…abends fielen die Temperaturen bis unter 0 Grad oder tiefer.

In naher Umgebung sprudelten eine Quelle sowie Wasserfälle. Das wollten wir alles eines Tages zu Fuss erkunden. So machten wir uns mit Wegzehrung auf eine kleine Tour…ebenfalls nahmen wir den Hund der Familie mit. Whiskey. Ein freundlicher, gut erzogener, kuscheliger Bärenhund. Ihn hätte ich sofort - ohne Umwege - ins Gepäck gepackt…Clemens ebenfalls. Somit haben wir unseren zukünftigen Zotti-Hund ausgewählt.
Clemens, Whiskey und Lama 1-3 (vLnR)

Der Aufstieg auf den „Hausberg“ war erst anstrengend. Wir fanden einen Stausee und suchten nach wie vor die Quelle…und suchten und suchten….bis wir durch einen 200m langen stockfinsteren Tunnel „krabbelten“…und später bemerkten, dass ein Sturm aufkommt und es bereits Nachmittags ist. Der Rückweg ging durch das Tal über Stock und Stein…Querfeldein. Zwischen Lamas und Rindern, arbeitenden Bauern mussten wir uns den Weg ins Tal suchen.
Eingang zum Tunnel
Whiskey-Bär
hier wird noch von Hand gearbeitet

Whiskey wartete schon zu Hause auf uns. Er hatte vor dem Tunnel Halt gemacht.
Unser Aufstieg auf über 4.000 (!) m sowie unser „spontan-Trip“ von 5,5 Stunden wurde belohnt. Wir bekamen unser Abendessen im „Thronsaal“ serviert, was nicht jeder Gast des Hauses erleben darf. Danach genossen wir den Hauswein und Sherry, welche in der Stadt „Cochabamba“ (besuchen wir auch noch auf dem Weg nach Peru) von der Familie angebaut wird, vor dem Kamin bei Arthus Erzählungen über die Geschichte der Hauses und der Region. Auch durften wir die Küche der Familie nutzen, wann immer wir wollten. Selten so gastfreundliche Menschen getroffen.
sie mögen sich
Endlich Spitzen schneiden nach 5 Monaten

sonst sähe ich aus wir er...
Die Stadt besuchten wir meist mit dem Taxi. Etliche Einbahnstrassen und Parkverbote machten die Stadt mit dem Auto für uns unerträglich.
Wir besuchten das bedeutendste Museen in Bolivien: Die Casa de la Moneda.
Ein wichtiger Teil des UNESCO-Welterbes Potosís.
http://de.wikipedia.org/wiki/Casa_de_la_Moneda
Pachamama
Gürteltier Grande
Café la Plata an der Plaza
Wir checkten Caféhäuser und Restaurants…und fanden den Weltbesten Schokoladenkuchen und Kaffee im örtlichen Café la Plata…

Ebenfalls wissen wir nun, dass die Bolivianer (besonders die Kinder) die roten Bäckchen von der Kälte und der Sonne haben…die sie ihr Leben lang begleitet. Junge Bolivianerinnen haben wir wenig gesehen. Allerdings viele Ältere mit jungen Kindern im Gepäcksäckchen…und diese Älteren waren nur äusserlich alt. Sie waren eigentlich jung.

Wir bereiten uns vor…das nächste Abenteuer sollte der Weltgrösste Salzsee in Uyuni sein. Einkäufe mussten erledigt werden. In Uyuni selber gab es laut Insiderwissen nichts.
Ausser Salz. Friso kämpfte mal wieder den Fleischkampf mit den Fleischfrauen von Potosí. Somit verliessen wir die Minenstadt mit Rinderfilet und Hackfleisch im Gepäck. Und Grillkohle. Der alte Salzsee sollte glühen!
Fleisch-Friso
Daher kommt also "Kopf abreissen..."
Coca, Arthur, Whiskey und die Zottis
Zottis con Chullos 
Ebenfalls deckten wir uns mit Thermohosen und stilecht mit „Chullos“ ein. Obwohl Uyuni auf nur 3.000 m liegt, soll es auf dem Salzsee abends schattig werden…. Frieren sollen doch andere.

PS: Potosí ist nicht grau und hässlich.
Es ist genau das - was man daraus macht. Uns hat es sehr gefallen.